MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 09.06.2020 Guter Start und dann? – Wie geht es weiter mit der Gründerszene in Sachsen?

Auf einer Computertastatur liegt das Wort Start-up. 117 min
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Egal, ob Porzellan, Kaffee-Filter oder Büstenhalter – die Sachsen sind schon immer erfinderisch. Auch heute gibt es im Freistaat zahlreiche StartUps, die tolle Ideen für die Zukunft entwickeln. Was treibt die Gründerinnen und Gründer um? Und wie schlägt sich die sächsische StartUp-Szene in Zeiten von Corona? Darüber sprechen wir im Podcast.

In Sachsen wird schon immer viel geforscht, erfunden und weiterentwickelt. Wirft man einen Blick auf Erfindungen der vergangenen 300 Jahre fällt auf, dass immer wieder Sachsen an ihrer Entwicklung beteiligt waren. Darunter auch Gegenstände, die heutzutage aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind.

Erfinderische Sachsen

Johann Friedrich Böttgers heutiger Ruhm gründet sich eigentlich auf einen Auftrag, der unmöglich erfolgreich umzusetzen war. Für den chronisch klammen August den Starken (Herrscher nicht nur von Sachsen, sondern auch von Polen) sollte der einstige Apothekergeselle aus Thüringen Gold künstlich herstellen. Das war zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Böttger hatte zwar damals einen eher zweifelhaften Ruf, da man seine vermeintliche Goldherstellung wohl eher als Taschenspielertrick bezeichnen könnte, dennoch gelang es ihm, bestimmte Fertigungsprozesse mitzuentwickeln, die die Herstellung eines anderen "Goldes" ermöglichten: des "weißen Goldes", das fortan in der neu gegründeten Porzellanmanufaktur auf der Meißner Albrechtsburg hergestellt wurde.

Eine andere sächsische Erfolgsgeschichte fand gute 200 Jahre später statt. Denn diese sächsische Patent-Anmeldung am 5. September 1899 bedeutete eine Revolution. Seit dem 16. Jahrhundert trugen viele Frauen – nicht ganz freiwillig – Korsetts. Diese Unterkleider waren nicht nur mehrere Kilogramm schwer, sondern führten auch zu Organquetschungen, Ohnmachtsanfällen und sogar zu Fehlgeburten. Eine echte Befreiung muss die Erfindung des BH gewesen sein. Die Dresdnerin Christine Hardt entwarf eine Alternative zu den engen Korsetts, indem sie sich an Hosenträgern orientierte. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass die Fachmeinungen darüber auseinander gingen, wer den Büstenhalter nun wirklich erfunden hat. In Frage kommt beispielsweise auch eine Pariser Schneiderin, die ebenfalls eine Korsett-Alternative entwickelte und schon 10 Jahre früher als Hardt ein Patent dafür anmeldete.

Unstrittig aus Sachsen kommt jedoch eine Erfindung, die im Jahr 1992 vorgestellt wurde. Damals war das größer werdende Ozonloch eine weltweit bekannte Umweltkatastrophe. Maßgeblich verantwortlich für dessen Wachstum: Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die unter anderem in Kühlschränken eingesetzt wurden. Zusammen mit der Umweltorganisation Greenpeace entwickelte man bei der "dkk Scharfenstein" (einem ehemaligen volkseigenen Betrieb) den ersten FCKW-freien Kühlschrank. Das führte zwar nicht dazu, dass das Unternehmen vor seiner späteren Insolvenz gerettet werden konnte, kann aber durchaus als weiteres Beispiel für Ideenreichtum aus Sachsen angeführt werden.

Manche Sachsen auch heute noch weit vorn

Auch heute sitzen offenbar die meisten Erfinderinnen und Erfinder Ostdeutschlands – Berlin ausgenommen – in Sachsen. Laut Deutschem Patent- und Markenamt wurden im Jahr 2019 im Freistaat 667 Patente angemeldet. Beim Blick auf die Patent-Anmeldung an Hochschulen liegt Sachsen bundesweit sogar auf Platz 2 hinter Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit den meisten Einwohnerinnen und Einwohnern.

Neben einer vielseitigen Forschungslandschaft gibt es in Sachsen auch eine vitale Szene aus Gründerinnen, Gründern, StartUps und umtriebigen Unternehmen, die sich in Netzwerken und Vereinen engagieren und gegenseitig inspirieren. Von Fahrradschlössern aus Textilien, über die Verbesserung der Kommunikation zwischen Ärztinnen- und Ärzten mit Krankenkassen durch modernste Technik, bis hin zu veganen Büchern aus Gras, wird in Sachsen viel entwickelt.

Corona – für StartUps eine besondere Gefahr?

Die wirtschaftliche Situation, die die Ausbreitung des Coronavirus hervorgerufen hat, bedroht viele sächsische Unternehmen. Auch StartUps sind da keine Ausnahme. Aber ist die Gefahr für die jungen Unternehmen vielleicht sogar besonders groß? Oft gibt es bei ihnen einen höheren Bedarf an Investitionen, einige befinden sich vielleicht noch in einer Entwicklungsphase, in der sie noch nicht wirtschaftlich arbeiten können. Zwar wurden von Bund und Freistaat diverse kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen aufgesetzt, manche verlangen aber Nachweise über Einkünfte aus dem Vorjahreszeitraum. Was, wenn ein Unternehmen gerade erst ein halbes Jahr alt ist? Wie junge sächsische Unternehmen mit der Corona-Situation umgehen – auch darüber sprechen wir im Podcast mit unseren Gästen:

Marina Heimann, Geschäftsführerin der futureSAX GmbH

Eine Frau mit langen blonden Haaren
Bildrechte: futureSAX GmbH

Die Flexibilität und Kreativität von Startups ist eine Stärke für unsere wirtschaftliche Zukunft, die es zu unterstützen gilt!

Eric Weber, Mitgründer SpinLAB Leipzig

Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren
Bildrechte: SpinLab Accelerator GmbH

Startups brauchen am Anfang professionelle Unterstützung, um schnell durchzustarten.

Thomas Schulz, Prokurist Creditreform Dresden

Ein Mann mit kurzen graubrauen Haaren
Bildrechte: Thomas Schulz

Sachsen braucht mehr Gründer mit innovativen Ideen und Unternehmertum.

Im Interview
Tobias Göcke, Supratix
Kay Hedrich, MataBooks
Frank Böhme, Scanacs
Kai Hempel, MadeByMade
Michael Petrosjan, FlyNex
Alexandra Baum, TexLock
Richard Friedrich, DirektvomFeld
Marcus Schuler, ARD-Korrospondent im Silicon Valley
Maximilian Oesing, Blogger in China

Ein Mann mit Glatze und Bart
Bildrechte: studioline Photostudios GmbH
Ein Mann mit Glatze und Bart
Bildrechte: studioline Photostudios GmbH
Eine Frau mit kurzen dunklen Haaren an einem Schreibtisch mit einem Fahrradschloss in der Hand
Bildrechte: TexLock GmbH
Ein Mann in blauem Hemd
Bildrechte: Maximilian Oesing
Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren
Bildrechte: scanacs GmbH
Zwei Männer lächeln in die Kamera
Bildrechte: Uwe Nickolaus
Drei Frauen und drei Männer, das Team von "Direkt vom Feld"
Bildrechte: Stephanie Barth
Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und Brille
Bildrechte: Tobias Göcke
Ein Mann mit kurzen Haaren und einem weißen Hemd
Bildrechte: Kay Hedrich
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Redaktionelle Mitarbeit: Lucas Görlach
Leitung: Ines Meinhardt

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR | 09.06.2020 | 20:00 Uhr

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