MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 16.03.2021 | 20:00 - 23:00 Uhr Abgegrenzt – Vor einem Jahr "weltweite Reisewarnung"

Bundespolizisten kontrollieren Einreisende an einer Autobahn in der Nähe eines Grenzübergangs zu Tschechien
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Mal schnell über die Grenze nach Tschechien, um den Nachbarn zu besuchen – oder ohne Grenzkontrolle nach Österreich in den Urlaub fahren. Seit einem Jahr ist das nur noch eingeschränkt möglich. Wir sprechen darüber im Podcast.

Vor genau einem Jahr ordnete Bundesinnenminister Seehofer "zur weiteren Eindämmung der Pandemie" weitreichende Reisebeschränkungen an. An den deutschen Außengrenzen wurde wieder verstärkt kontrolliert, Übertritte waren nur mit triftigen Gründen möglich. Bilder von Grenzkontrollen, die man in dieser Form seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Eine pauschale Reisewarnung gibt es heute nicht mehr, dennoch gelten weiterhin viele Reisebeschränkungen für Länder die von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft wurden. Außerdem sind bei uns, wie in zahlreichen anderen Ländern auch, Quarantäne-Maßnahmen vorgesehen, sollte man dennoch einreisen wollen. Von touristischen Grenzübertritten wird generell abgeraten. In der Realität dürfte das Reisen für die meisten also keine Option sein.

Es geht nicht nur ums Reisen

Natürlich trägt das unproblematische Grenzen-Überschreiten innerhalb der EU, aber auch das einfache Besuchen anderer Länder, erheblich zum eigenen Freiheitsgefühl bei. Doch auch der Handel über Ländergrenzen hinweg ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. So bildeten sich Mitte Februar diesen Jahres kilometerlange Staus an den deutschen Grenzen. Auf der A17 von Prag nach Dresden mussten sich vor allem LKWs auf eine stundenlange Wartezeit einstellen. Der Grund: viele Reisende konnten die erforderlichen Dokumente nicht vorlegen. Dazu gehört auch eine digitale Anmeldung des Grenzübertritts sowie ein Corona-Test-Ergebnis.

Ein "grüner Pass" als Chance?

Eine Lösung, um das Reisen innerhalb der EU wieder zu vereinfachen, wird derzeit von der EU-Kommission diskutiert. Noch in diesem Monat soll den Mitgliedstaaten ein Gesetzvorschlag unterbreitet werden. Ein europaweit einheitlicher Pass für Geimpfte solle dafür sorgen, Reisen wieder einfacher zu ermöglichen. In einem solchen Pass könne nicht nur der Impfstatus erfasst werden, sondern bei umgeimpften Personen auch aktuelle Testergebnisse. Vorbilder dafür gibt es schon: In Israel beispielsweise können Besitzerinnen und Besitzer eines solchen sogenannten "grünen Passes" von umfangreichen Lockerungen der Kontaktbeschränkungen profitieren. Und auch China hat bereits einen solchen Pass eingeführt. Dennoch: Die Einführung eines solchen Dokuments mit Privilegien für eine noch recht kleine gesellschaftliche Gruppe ist nicht unumstritten.

Wie könnte eine Strategie aussehen, um das "Grenzen-Überschreiten" (egal, ob beruflich oder privat) wieder zu ermöglichen und gleichzeitig den Anforderungen des Infektionsschutzes gerecht zu werden? Warum ist Freizügigkeit für die grenzübergreifende Verständigung, den Handel und die Wirtschaft, aber auch für die Freizeitgestaltung so unglaublich wichtig? Darüber sprechen wir im Podcast mit unseren Gästen und außerdem mit Sachsen, die persönlich von den Reisebeschränkungen betroffen waren und sind.

Thomas de Maizière | Mitglied des Deutschen Bundestages / Bundesminister a.D.

Ich möchte Umberto Eco zitieren: "Um tolerant zu sein, muss man die Grenzen dessen, was nicht tolerierbar ist, festlegen."

Thomas de Maizière, 2019
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Hana Formánková | Politikwissenschaftlerin Uni Leipzig

Die Umdeutung von innereuropäischen Grenzen als Symbol für Verbindung statt Trennung ist eine große Chance für ein friedliches Miteinander in Europa.

Hana Formánkova - Dienstags direkt - 07.05.19
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Weitere Gäste in der Sendung
Astrid Carraro Lebt in den USA
Kristina Schmidt Lebt in Italien | Bloggerin und Autorin
Steffen Tauchnitz Lebt in Großbritannien
Andreas Reichel Lebt in Thailand
Eine Frau mit Mütze und Sonnenbrille beim Wandern.
Bildrechte: Astrid Carraro
Eine Frau mit Mütze und Sonnenbrille beim Wandern.
Bildrechte: Astrid Carraro
Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren im Anzug.
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Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren bem Wandern mit einem Kaffeebecher in der Hand.
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Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren im Anzug.
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Leitung: Ines Meinhardt
Redaktionelle Mitarbeit: Lucas Görlach

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN Dienstags Direkt | 16.03.2021 | 20:00 Uhr