MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 28.04.2020 | nachhören Sachsens Sport im Abseits? Wie Corona den kleinen Vereinen zusetzt

Nach der Arbeit nochmal schnell zum Sport im Tischtennis-, Volleyball- oder Kegelverein und danach noch gemeinsam ein kleines Bier trinken. All das ist gerade nicht möglich. Wie geht es den kleinen Sportvereinen in Sachsen in Zeiten von Corona? Darüber sprechen wir im Podcast.

Sport ist wichtig. Regelmäßige Bewegung ist nicht nur gesund, sie sorgt auch für einen Ausgleich. Besonders in Zeiten, in denen viel Zeit zu Hause verbracht werden sollte, ist das wichtig. Doch Sport hat auch eine soziale Komponente. Das gemeinsame Sport treiben schweißt zusammen und knüpft soziale Kontakte. Allerdings ist letzteres sowohl ein Problem, betrachtet man die Ausbreitung des Coronavirus, und gleichzeitig das, was vielen am meisten fehlt. Der reguläre Sportbetrieb in Sachsen steht still. Nicht nur bei den großen Profivereinen sorgen die nötigen Maßnahme gegen die Corona-Pandemie dafür, dass ein Alltag nicht möglich ist. Auch die kleinen Vereine und Hobby-Sportorganisationen haben keine Möglichkeit, so Sport zu machen, wie in Nicht-Krisenzeiten.

Noch mindestens bis zum 3. Mai herrscht Stillstand

Während die ersten Schritte in Richtung einer stufenweisen und wohl überlegten Öffnung im Freistaat gegangen werden sollen (erste Geschäfte dürfen wieder öffnen), ist für den Breitensport noch keine Lockerung in Sicht. Noch mindestens bis zum 3. Mai müssen Sportstätten geschlossen bleiben. Wie es weitergeht, könnte frühestens am 30. April etwas klarer werden. Dann sollen sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder wieder treffen und über weitere Maßnahmen beraten. Der Sächsische Landessportbund (LSB) plädiert dafür, "schrittweise wieder ein kontrolliertes Sporttreiben unter sinnvollen hygienischen Vorschriften" zu etablieren, wenn dies aus epidemiologischer Sicht vertretbar sei, so LSB-Präsident Ulrich Franzen. Der LSB rechnet aber auch damit, dass eine mögliche Wiederaufnahme des Sportbetriebs mit erheblichen Einschränkungen verbunden wären. Vor dem Hintergrund des Infektionsschutzes könnte es – abhängig von der Sportart – zu Abstandsregeln, beschränkten Personenzahlen sowie der Dokumentation der Anwesenheit kommen.

Nothilfen vom Freistaat

Sei Beginn der Krise arbeiten Interessenvertreterinnen und -vertreter gemeinsam mit der Politik an schnellen Hilfen für die sächsischen Sportvereine. Seit dieser Woche ist nun klar: Der Freistaat unterstützt den Sport während der Krise mit insgesamt 20 Millionen Euro. Zu den Hilfen gehört die Möglichkeit, rückzahlungsfreie Zuschüsse von bis zu 10.000€ sowie Darlehen von bis zu 500.000€ zu beantragen. Diese Hilfen sind nicht dafür gedacht, Einnahmeausfälle durch Corona auszugleichen, sondern wirtschaftlich akut bedrohten Vereinen den Fortbestand zu sichern.

Auch Reha-Sport in der Zwickmühle

Für viele Menschen ist eine bestimmte Art von Sport für die Gesundheit unverzichtbar. Der Rehasport wird in Sachsen von rund 350 Sportvereinen in etwa 7.450 Rehabilitationssportgruppen durchgeführt, sagt Detlev Günz, Vizepräsident Rehasport beim Sächsischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband. Aktuell haben infolge diverser Erkrankungen ca. 80.000 Menschen in Sachsen eine gültige Rehasportverordnung, so Günz weiter. Da der Rehasport im Moment nicht durchgeführt werden könne, stünden viele Vereine vor enormen wirtschaftlichen Problemen, Angestellte seien in Kurzarbeit und hochqualifizierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter fragen sich, wie es weitergehen könne. Immerhin: Viele Krankenkassen haben beschlossen, die Fortführung von Leistungen zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen. Zudem ist in einigen Fällen auch die Abrechnung von Online-Rehasport möglich. Doch eine Lösung der akuten Probleme scheint auch dies nicht zu sein.

Fest steht: Der sächsische Sport hat mit der aktuellen Situation zu kämpfen. Welche kreativen Möglichkeiten gibt es, in diesen Zeiten gemeinsam Sport zu machen? Von der Sportgruppe, die sich per Video-Konferenz trifft bis hin zu kleinen sportlichen Bewegungszielen für Jugendliche. Wie geht's dem Sport in Sachsen in Corona-Zeiten? Darüber sprechen wir im Podcast mit unseren Gästen.

Christian Dahms | Generalsekretär Landessportbund Sachsen

Ein Mann mit braunen Haaren im Anzug.
Bildrechte: Landessportbund Sachsen

Das sächsische Sportsystem ist über Jahre und vor allem durch ehrenamtliches Engagement gewachsen. Jetzt geht es darum, es zu erhalten!

Detlev Günz | Vizepräsident Rehasport beim Sächsischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband

Ein Mann in Sportklamotten mit einem Basketball.
Bildrechte: BSV AOK Leipzig

Auch Rehabilitationssport kann derzeit nicht durchgeführt werden. Das stellt die Vereine vor große finanzielle Probleme. Viele Angestellte sind in Kurzarbeit und fragen sich, wie es weitergehen kann.

Außerdem kommen im Podcast zu Wort:

Silke Stiebitz Jugend-Tischtennis-Trainerin beim TTC Neukirch
Sabine Sachse Abteilung Volleyball beim SV Meißen
Roland Wöller Sportminister Sachsen
Nico Dittmann SV Tanne Thalheim
Tobias Leege FSV Zwickau
Rainer Fleck ESV Lok Riesa
Uwe Päßler Sprecher Sportstadt Riesa

Redaktion: Lucas Görlach, Ronny Maiwald
Leitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.04.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr