MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 15.12.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr Corona-Pandemie – Verständnis, Umgang, Belastung

Welche Entwicklung werden und können wir als Gesellschaft nehmen?

Wenige Kontakte, "gefesselt" in den eigenen vier Wänden, vor dem wirtschaftlichen Aus – die durch die Pandemie ausgelöste Krise stellt uns vor große Herausforderungen. Mediziner, Politiker und Psychologen waren selten so gefragt. Seit März schon, aber besonders in diesen Tagen, müssen viele Menschen Entscheidungen treffen, die unser Leben umkrempeln. Weihnachten wird anders gefeiert als in den zurückliegenden Jahren. Traditionelle Konzertbesuche müssen ausfallen. Ständig werden uns steigende Fallzahlen und Todesfälle präsentiert.

Das Gute sehen?

Eine Hörerin aus Hirschstein schrieb dieser Tage kritische Zeilen an MDR SACHSEN – das Sachsenradio:

"Sicher ist es so, dass uns die Pandemie alle sehr belastet. Wenn wir den Wissenschaftlern glauben, dann werden wir damit mindestens noch 1,5 Jahre beschäftigt sein - dann sind vielleicht die Impfungen wirksam - oder aber länger. Bitte fangen Sie an, in Ihren Beiträgen und Kommentaren die Larmoyanz herauszunehmen. In gefühlt jedem zweiten Satz schwingt mit, wie schlecht es uns geht. Sollten wir nicht betonen, wie gut es uns geht? Sicher werden wir dann diese Zeiten besser überstehen."

Sehen Sie das genau so oder regt sich bei Ihnen Widerspruch? Diskutieren Sie mit!

Wie geht es weiter?

Eine Glaskugel auf dem Studiotisch? Eine sichere Prognose? Das wäre praktisch, um die Effizienz der Maßnahmen vorhersagen zu können. Aber dass es nicht so einfach ist, haben selbst Kritiker und Skeptiker verstehen müssen. Wir alle waren und sind mit Einschnitten konfrontiert, die wir vor einem Jahr nicht für möglich gehalten hätten. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck stellt sich die Frage: Welche Entwicklung werden wir als Gesellschaft gehen? Wie sieht das Gesundheitswesen aus, wenn das Virus unter Kontrolle ist? Wie geht unsere Gesellschaft künftig mit Risikogruppen um? Was halten wir denen entgegen, die immer wieder "survival of the fittest" propagieren, das im Sinne der Darwin'schen Evolutionstheorie das Überleben der am besten angepassten Individuen meint – also das Überleben der Stärksten?

Seit einigen Jahren suchen wir neue Kommunikationsformen, erleben eine starke Polarisierung, ein Auseinanderdriften in der Gesellschaft, müssen Meinungen aushalten und gemeinsame Nenner finden. Trotzdem gibt es Punkte, die aus der Sicht der meisten nicht verhandelbar sind: die Würde, das Leben, die Freiheit. Was passiert, wenn daraus gesellschaftliche Konflikte entstehen?

Wem können wir vertrauen?

Fotomontage zeigt durch Linien miteinander verbundene Köpfe von Menschen und eine Weltkugel mit Mund-Nasen-Schutz
Wie kan man verantwortungsvoll handeln, ohne den anderen zu verlieren? Bildrechte: imago images / imagebroker

Wissenschaftsgläubigkeit wird als Synonym für Kritik gebraucht, obwohl wir alle über Generationen auf die Expertenmeinungen vertraut haben. Krebstherapien, Verkehrsleitsysteme, Energieversorgung – nahezu alles basiert auf wissenschaftlichen Entwicklungen. Sogar unsere Form der Kommunikation – nichts entwickelt sich ohne Wissenschaft – mit all ihren Fragen, den Zweifeln, der Weiterentwicklung. Die Grundlage, die Ideen dazu liefern Forscher, Visionäre, Faktenkundige. Deren Analyse war oftmals unser wichtigster Anker. Heute, bei der Abwägung zwischen Freiheit und Gesundheit, avancieren manche zu Experten, deren Ratschläge allenfalls verunsichern. Wie finden wir einen sicheren Umgang mit der Pandemie, damit deren Verlauf nicht für noch mehr Menschen tödlich endet?

Und nach dem Lockdown?

Selbst unsere Städte werden sich möglicherweise verändern. Während des Lockdowns hat sich gezeigt, dass es gut ist, Parks und Grünanlagen unkompliziert zu Fuß erreichen zu können. Persönliche Kontakte zu Kollegen, Familien und Freunden haben einen völlig neuen Stellenwert bekommen. Restaurants, Cafés, Theater oder Fitnessstudios sind regelrecht wertvoll geworden, denn wie viel uns etwas bedeutet, merken wir oft erst, wenn es nicht mehr verfügbar ist. Wie gelingt künftig der Spagat zwischen dem Anspruch auf Freiheit und Einschränkungen für die Gesundheit? Kann es da eine Abwägung geben?

Darüber haben wir gesprochen - mit Ihnen und unseren Gesprächspartner:

Susanne Schaper | Die Linke, OP-Schwester, Pflegewirtin, Corona-Patientin

Susanne Schaper
Bildrechte: Susanne Schaper

Silke Meemken | Bistum Dresden-Meißen, Krankenhausseelsorge

Silke Meemken
Bildrechte: Silke Meemken

Moderation

Redaktionelle Mitarbeit: Stephan Wiegand
Leitung: Ines Meinhardt

Mehr zum Thema

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.12.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr