Dienstags direkt | 26.04.2022 | 20-23 Uhr Weg von Kohle, Gas und Öl: Wie steht es um den Ausbau erneuerbarer Energien in Sachsen?

Seit Beginn des Ukraine-Krieges schnellen die Energiekosten steil nach oben, die Abhängigkeit von Russlands Gas soll vor allem auch aus politischen Gründen minimiert werden. Kann diese Energiekrise ein Beschleuniger für die Energiewende sein? Wie steht es um den Ausbau Erneuerbarer Energien in Sachsen? Unser Thema bei Dienstags direkt.

Konzept für ein Solardach über einer Autobahn
Neue Visionen braucht das Land. Wie schnell können Erneuerbare Energien in Sachsen ausgebaut werden? Bildrechte: Labor3

Gäste:

  • Dr. Tilmann Werner, Geschäftsführer Sächsische Energieagentur - SAENA GmbH
  • Professorin Sylvia Schattauer, Kommissarische Institutsleiterin Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES, Nationaler Wasserstoffrat, Sprecherin Hydrogen Lab Görlitz
  • Dr. Axel Cunow, Vorstand des Energieversorgers Sachsenenergie
  • Heinrich Tissen, Energieberater Arthur D. Litttle GmbH – berät große Energieunternehmen
  • Christian Hoffmann, Nabu-Vorstand, Regionalgruppe Weißwasser

Interviews

  • Roland Stolle spricht über seine private Energiewende als Eigenheimbesitzer
  • Martin Richter, Wasserkraftverband Mitteldeutschland e.V.
  • Florian Bau, Rechtsberater Mieterverein Dresden

Wird jetzt ein Turbo zum Ausbau der Erneuerbaren Energien eingelegt und wie kann der Umstieg in Sachsen gelingen? Die Ziele des grünen Wirtschaftsministers Robert Habeck sind ehrgeizig: Bis 2030 soll Deutschland zu 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien beziehen. Bis 2035 sollen es fast 100 Prozent sein. Aktuell liegt Deutschland bei 42 Prozent. Um die Ziele zu erreichen, hat das Wirtschaftsministerium mit dem vom Kabinett beschlossenen Entwurf für ein Energiesofortmaßnahmenpaket" - kurz "Osterpaket" genannt - eine Anpassung verschiedener Gesetze geplant, allen voran das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Doch was steckt in den Entwürfen für das Osterpaket und was bedeutet das für Sachsen? Wie realistisch ist ein schneller Ausbau Erneuerbarer Energien im Freistaat und über welche Energien sprechen wir eigentlich? Solarkraft, Wasserkraft, Wasserstoff, Geothermie – der Strauß ist bunt und wird immer vielfältiger.

Wo liegen in Sachsen besonders große Chancen und viel Potenzial? Was sollte auf keinen Fall verpasst werden und wo sollte genauer hingesehen werden? Wird es eine Solardachpflicht geben? Können wir jetzt schon Wasserstoff im großen Stil verwenden?

Saena-Chef: Schnelle Lösungen sind nicht realistisch

"Angesichts aktuell dominierender Begriffe wie Energiepreisexplosion, Klimakatastrophe und Blackout ist der Wunsch nach schnellen Lösungen verständlich. Realistisch gesehen kann es diese aber nicht geben", erklärt Tilman Werner, Geschäftsführer der Sächsischen Energieagentur "SAENA GmbH" MDR SACHSEN. "Der Übergang von der 'alten' in die 'neue Energiewelt' mit einer nachhaltigen, preisstabilen und robusten Versorgung aus erneuerbaren Energien braucht Zeit – und muss jetzt endlich konsequent erfolgen."

Angesichts aktuell dominierender Begriffe wie Energiepreisexplosion, Klimakatastrophe und Blackout ist der Wunsch nach schnellen Lösungen verständlich. Realistisch gesehen kann es diese aber nicht geben.

Dr. Tilmann Werner Geschäftsführer Sächsische Energieagentur - SAENA GmbH

Gasnetze von 'Sachsenenergie' bereit für Wasserstoff

Großes Potenzial sieht Axel Cunow vom Vorstand des Energieversorgers "Sachsenenergie" im Wasserstoff. "Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft gewinnt weiter an Bedeutung. Wasserstoff kann den Energie- und Mobilitätssektor verändern, wie das Smartphone die Kommunikation", erklärt er MDR SACHSEN. "Das Gasnetz von Sachsenenergie in Dresden und Ostsachsen könnte schon heute den gasförmigen Wasserstoff transportieren."

Wasserstoff kann den Energie- und Mobilitätssektor verändern, wie das Smartphone die Kommunikation.

Dr. Axel Cunow Vorstand des Energieversorgers "Sachsenenergie"

Der Energieversorger, der vor allem Dresden und Ostsachsen mit Energie versorgt investiere laut Cunow jährlich etwa 30 bis 50 Millionen Euro in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. "In den nächsten fünf Jahren wollen wir unsere Erzeugungsleistung bei Windkraft und Photovoltaik mindestens verdoppeln", sagte Cunow. "Damit trage man "einen gewichtigen Teil zur Energiewende in Dresden und Ostsachsen bei".

Industrielle Prozesse transformieren

Professorin Sylvia Schattauer leitet nicht nur kommissarisch das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES sondern sitzt auch im Nationalen Wasserstoffrat und ist Sprecherin des Hydrogen Lab Görlitz. "Innovation ist unbestritten der Treiber für eine zukünftige wirtschaftliche Herstellung großer Mengen von Grünem Wasserstoff, wie er für die Erreichung der Klimaziele benötigt wird", erklärt sie MDR SACHSEN.

Mit unserer Forschung wird die Basis geschaffen, industrielle Prozesse zu transformieren.

Professorin Sylvia Schattauer Kommissarische Institutsleiterin Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES, Nationaler Wasserstoffrat, Sprecherin Hydrogen Lab Görlitz

"Mit unserer Forschung wird die Basis geschaffen, branchenspezifisch entsprechende Kapazitäten auf- und auszubauen und die industriellen Prozesse zu transformieren." Die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften für die Wasserstoffwirtschaft sei eine dringliche Kernaufgabe, die Industrie müsse hier neue Angebote schaffen.

Die aktuelle Krise als Katalysator

Energieberater Heinrich Tissen erklärt: "Die aktuelle Krise auf den Energiemärkten muss als Katalysator für das Streben nach Klimaneutralität in unserem Energieökosystem verstanden werden." Der Ausbau erneuerbarer Energie bilde die Basis für eine preiswerte und unabhängigere Energieversorgung sowie das Erreichen der Klimaschutzziele in allen Sektoren.

Moderation: Jan Kummer
Redaktionsmitarbeit: Katrin Tominski
Redaktionsleitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Dienstags direkt | 26. April 2022 | 20:00 Uhr