Dienstags direkt | 12.04.2022 | 20:00 - 23:00 Uhr Zwischen den Zeilen und hinter den Bildern – Unechte Nachrichten erkennen und echte Nachrichten finden

Tag für Tag erreichen uns von überall auf der Welt zum Teil verstörende Nachrichten, Fotos und Videos. Wie Fakten oder Fake-News zu unterscheiden und zu bewerten sind und warum inzwischen von einem Krieg der Informationen gesprochen wird – darum ging es am Dienstagabend.

Schriftzug Fake News auf einer Computertastatur 122 min
Bildrechte: imago/Christian Ohde
122 min

Dienstags direkt | 12.04.2022 | Podcast Die Sendung hier nachhören

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Tag für Tag erreichen uns zum Teil verstörende Nachrichten, Fotos und Videos. Wie können wir Fakten oder "Fake-News" unterscheiden und bewerten? Und warum wird inzwischen von einem Krieg der Informationen gesprochen?

MDR SACHSEN Di 12.04.2022 10:00Uhr 122:09 min

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Aktuell ist es der russische Feldzug in der Ukraine, der medial ständig präsent ist. Vor zwei Jahren, im Frühstadium der Corona-Pandemie, waren es Bilder aus abgeriegelten Millionenstädten in China, aus Notaufnahmen in Norditalien, von Kühllastern in New York City oder von Massengräbern in Brasilien. Bilder lassen uns in ihrer Konkretheit abstrakte Tragödien begreifen, wie das Pressefoto von 2015, das den ertrunkenen syrischen Jungen Alan Kurdi am Strand von Bodrum in der Türkei zeigt. Nicht selten werden Fotos oder Texte aber auch aus dem Zusammenhang gerissen und als vermeintlicher Beweis missbraucht. Alte Aufnahmen geben vor, aktuelles Geschehen zu zeigen, der Bildausschnitt wird verändert und vieles mehr.

Fake News Anzeige
Wie können wir vermeintliche Nachrichten als Falschmeldung identifizieren? Bildrechte: Christian Ohde

Wer dreimal lügt... dem wird oft dennoch geglaubt

Der frühere US-Präsident Donald Trump hat das Prinzip zwar nicht erfunden, bekannter gemacht hat er es allemal: Fake-News. Behauptungen, die nicht stimmen, die aber die eigene Meinung stützen. Legendär war seine Warnung vor potenziellen muslimischen Attentaten im Februar 2017: "Remember last night in sweden" – "Schaut euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist!". Zwar hatte es in den Monaten davor Anschläge in mehreren Ländern Europas gegeben, nicht aber zu dieser Zeit und schon gar nicht in Schweden. Die Internetgemeinde reagierte mit Spott und postete einen Tag lang sämtliche Belanglosigkeiten, die am Abend zuvor in Schweden passiert waren.

Twittermeldungen von Donald Trump sind auf einem Smartphone zu sehen.
Ein anderes Negativ-Beispiel von Donald Trump: Bildrechte: IMAGO / Arnulf Hettrich

Nicht immer lassen sich Falschmeldungen so schnell enttarnen. Und weil Fälschungen bei Fotos und Videos technisch immer besser werden, haben Laien oft keine Chance, die Fehler zu bemerken. Wer sich seit langem damit beschäftigt, wie Johannes Pursche vom Präventionsprojekt "Social Web macht Schule" aus Dresden, lässt sich nicht so schnell überlisten. Ein Werkzeug ist die Rückwärts-Bildersuche im Internet, sagt er. Lädt man ein verdächtiges Foto hoch, bekommt man meist Treffer aus vergangenen Jahren. So wie kürzlich beim Foto eines Traktors der angeblich ein erbeutetes russisches Jagdflugzeug in der Ukraine abschleppt. Das Foto war etwa zehn Jahre zuvor in Zagreb entstanden. Der Traktor brachte damals die MIG-21 zu einer Militärausstellung. Solche Beispiele gibt es zuhauf, sagt Pursche.

Interview

Schüler mit Handy´s 5 min
Bildrechte: Colourbox.de
5 min

Was ist "Socialweb macht Schule" und warum ist dieses Projekt so wichtig? Müsste die Vermittlung von Medienkompetenz heute mehr Raum einnehmen? Thomas Lopau hat darüber mit Johannes Pursche gesprochen.

MDR SACHSEN Mo 11.04.2022 20:08Uhr 04:42 min

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Im Krieg sind auch die Medien der Polarisierung ausgesetzt

Wer den Satz geprägt hat, dass im Krieg als erstes die Wahrheit stirbt, lässt sich nicht genau klären. Ähnlich lautende Zitate werden sowohl dem früheren britischen Premier Winston Churchill als auch dem US-Senator Hiram Johnson zugeschrieben. Wahrscheinlich ist die Erkenntnis aber viel älter. Der griechische Dichter Aischylos soll es bereits 500 Jahre vor Christus gewusst haben. Denkbar ist, dass seine Quelle der chinesische Militärexperte Sunzi war, der etwa zur selben Zeit lebte. Dessen Buch "Die Kunst des Krieges" gilt bis heute als Grundlagenliteratur für Strategie und Taktik.

Prof. Michael Haller, der lange an der Leipziger Universität Journalismus lehrte und jetzt am Europäischen Institut für Journalismus- und Kommunikationsforschung tätig ist, sagt im Interview mit MDR SACHSEN: Mit jedem Krieg beginne auch eine Propagandaschlacht. Vor allem in den ersten Tagen militärischer Konflikte seien die Medien auf die Berichte der kriegsführenden Parteien angewiesen. Dass diese parteiisch sind, sei nicht verwunderlich. Erst wenn Frontberichterstatter Tatsachenberichte liefern, werde das Bild etwas objektiver. Dennoch sei der Standpunkt des Berichtenden politisch, gesellschaftlich und kulturell geprägt sagt Haller. In vielen Ländern der Welt könne die Presse zudem nicht unabhängig berichten. Wer sich sein eigenes Bild machen will, müsse sich vor allem fragen, wer die Quelle der Nachricht ist und ob sie ein Eigeninteresse hat, diese Version zu verbreiten. Journalisten vertrauten deshalb auch nie einer Quelle allein. Und wenn sich etwas nicht nachprüfen lasse, müssten sie auch das mitteilen. Vor allem für Onlinemedien sei transparente Recherche wichtig, so der Professor.

 Medien richtig nutzen – kann man lernen – in jedem Alter

Journalisten lernen dieses Handwerkszeug in der Ausbildung. Inzwischen sind wir nahezu alle in diese Rolle geschlüpft, indem wir in den sogenannten Sozialen Medien Nachrichten verbreiten oder teilen. Dank der Förderung durch die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien haben mehrere Volkshochschulen in Sachsen Programme aufgelegt, die Interessierten die nötigen Kompetenzen vermitteln. Neben den Einrichtungen in Meißen, im Erzgebirgskreis und in Chemnitz unterbreitet auch die VHS Sächsische Schweiz Osterzgebirge Angebote für die richtige Mediennutzung.

Ein Teil davon ist die Podcast-Reihe "Medien, aber richtig", in der verschiedene Spannungsfelder angesprochen werden - zum Beispiel zwischen Satire und Fake News oder zwischen Nachricht und Meinung. Dazu kommen Vortragsreihen, Filmvorführungen und Diskussionsrunden in der ganzen Region. Angesprochen werden dabei alle Altersgruppen, sagt Projektkoordinator Daniel Cammerata. Neben jungen Leuten interessierten sich vor allem Eltern oder Großeltern, die bei diesen Themen mitreden wollen. Spannend an der Projektarbeit sei, dass man auf Veränderungen schnell reagieren könne. So habe man angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine für Anfang Mai eine Online-Veranstaltung geplant: "Falschinformation als strategische Kriegsführung". Daraus soll dann ein weiterer Podcast entstehen.

 Nachrichten müssen nicht immer nur Probleme abbilden

Weil uns Nachrichten fast ständig erreichen und unser Leben prägen, müssen wir zum einen selbst entscheiden, was wir konsumieren und wer uns "beliefern" soll. Zum anderen sollten Medien auch stärker als bisher, nicht nur über Probleme berichten, sondern auch über mögliche Lösungsansätze, sagt die Journalistin und Autorin Ronja von Wurmb-Seibel in ihrem Buch "Wie wir die Welt sehen". Andernfalls blieben wir in einer Negativfalle gefangen und könnten uns nur schwer vorstellen, wie wir eine bessere Welt gestalten sollen. Die Autorin ist selbst Journalistin, hat u.a. in Kabul gelebt und von dort berichtet. Inzwischen schult sie Kolleginnen und Kollegen darin, wie sich Geschichten auch anders erzählen lassen.

In Skandinavien entstand vor gut einem Jahrzehnt die Idee des konstruktiven Journalismus. Er soll weder Probleme verschweigen noch Ereignisse durch eine rosarote Brille betrachten, sondern die Gesellschaft informieren, was es an positiven Entwicklungen gibt und wie die Bewältigung von Problemen voranschreitet. Aus Skandinavien und den USA werden unsere Korrespondenten in der Sendung berichten, wie dieser Ansatz aber auch das Fake-News-Problem in ihren jeweiligen Berichtsgebieten gesehen wird.

Unsere Gesprächspartner:

Ronja Wurmb-Seibel
Ronja Wurmb-Seibel Bildrechte: Niklas Schenck

Tägliche Krisenmeldungen [...] verzerren unseren Blick auf die Welt. Wir entkommen dieser Negativ-Spirale, indem wir Nachrichten anders konsumieren und uns eine neue Art von Geschichten erzählen.

Ronja von Wurmb-Seibel
Benjamin Bigl
Dr. Benjamin Bigl Bildrechte: Swen Reichhold

Auf der Suche nach Orientierung sind Fake-News sind besonders gefährlich, weil Sie sich von unserer Verunsicherung ernähren, uns einfache Antworten bieten und klare Verantwortlichkeiten benennen.

Dr. Benjamin Bigl
ARD-Korrespondent Arne Bartram
ARD-Korrespondent Arne Bartram Bildrechte: Hessischer Rundfunk

  • Arne Bartram | Korrespondent i.V. im ARD-Studio Stockholm

ARD-Korrespondent Florian Mayer
ARD-Korrespondent Florian Mayer Bildrechte: ARD

  • Florian Mayer | Korrespondent im ARD-Studio Washington

Im Interview:

Interview

Schüler mit Handy´s 5 min
Bildrechte: Colourbox.de
5 min

Was ist "Socialweb macht Schule" und warum ist dieses Projekt so wichtig? Müsste die Vermittlung von Medienkompetenz heute mehr Raum einnehmen? Thomas Lopau hat darüber mit Johannes Pursche gesprochen.

MDR SACHSEN Mo 11.04.2022 20:08Uhr 04:42 min

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Redaktion & Moderation:

Leitung: Ines Meinhardt

Zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Dienstags direkt | 12. April 2022 | 20:00 Uhr