MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 20.04.2021 | 20:00 - 23:00 Uhr Die letzte Klappe?! - Welche Chancen hat das Kino noch?

"Die Liebe zum Kino ist mir wichtiger als jede Moral", hat Alfred Hitchcock einst gesagt. Doch noch immer sind Kinos geschlossen. Was wird aus den Menschen, denen die Filmwirtschaft hierzulande die Existenz gesichert hat? Können Produktionsfirmen oder Programmkinos überleben? Welche neuen Ideen gibt es?

Blick in einen leeren Kinosaal. 91 min
Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Ein Ideenflug? Eine Zeitreise? Eine extra Portion Fantasie? Zwischen Bühne und Konzertgraben, der Stoff zwischen zwei Buchdeckeln oder der Mut, Science Fiction für einen Moment zur Realität zu erwecken – für all dies ist die Leinwand eine perfekte Projektionsfläche. Genau vor dieser dürfen sich aber seit über einem Jahr kaum noch Zuschauer einfinden. Das ist einerseits für die lokalen Kinobetreiber ein Desaster, andererseits für den Industrie- und Dienstleistungsbereich, der die Filme produziert. Und da geht es nicht nur um die millionenschweren Produktionen und Schauspieler-Gagen – daran hängen auch viele weniger gut bezahlte Jobs, die aber vielen die Existenz sichern oder besser: sicherten.

Alles Pandemie – oder was?

Bereits vor der Pandemie waren die Streamingdienste eine ernste Konkurrenz für die großen Kinos. In deren Fahrwasser tummeln sich auch die kleineren, szenenahen Clubkinos. Denn ohne die Sensibilisierung für Film und Image verschwinden auch die Nischenprodukte schnell aus dem Bewusstsein. Was außerdem oft unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass für kleinere Kinos auf dem Land eine Infrastruktur bereitgehalten werden muss, zwischen Aue und Zittau. Nur so ist ein Besuch am Abend möglich – das reicht von Nahverkehr bis Gastronomiegewerbe.

Förderung und regionale Verankerung

Bereits 30 Jahre finden Filmschaffende ein Dach: über 150 Mitglieder hat der Verband derzeit. Und ganz im Gegensatz zu den Umsätzen der Branche erlebt die Qualität derzeit einen neuen Aufschwung. Ob sich das auf die Formel "Klasse statt Masse" reduzieren lässt? In jedem Fall steht in Sachsen ein Netzwerk hinter dem Film. Eine der Aufgaben ist die Förderung von aufwendigen Produktionen, teilweise mit mehreren Hunderttausend Euro. Aber auch in der Kulturfabrik in Hoyerswerda würde es ohne dieses Netzwerk keine 7-Minuten Kurzfilme geben, kein Kinderfilmfest KINOLINO in Dresden, keine Filmwerkstatt in Chemnitz

Die Basis für das Hollywoodinteresse

Dass der Freistaat seine Kinoleidenschaft vermarkten kann, ist nicht erst seit "Inglourious Bastards", "Grand Budapest Hotel" oder "Werk ohne Autor" bekannt. Sachsen kann dabei auf eine maßgeschneiderte Kulisse setzen. Da sind einerseits authentische Altstädte zu finden, enthusiastische Akteure und ein attraktives Umland. So ist es das Spiel mit Landschaft und Gegensätzen, welches gerade das Dreiländereck so interessant für Filmschaffende macht. So lagen Drehorte für den 2017 gedrehten "Zauberlehrling" zwischen Kromlauer Park, Schloss Bad Muskau und eben dem Untermarkt in Görlitz.

Nachhaltiger Ausbau

Vor etwa einem Jahr bekam die Faszination Film an der Hochschule Zittau/Görlitz einen ihrer wesentlichen Impulse. Dort sollen die Bereiche "Produktion", "Bild, Licht und Ton" sowie "Ausstattung" künftig wissenschaftlich aufgewertet und begleitet werden. Es gibt kaum eine Filmregion, die sich dieser Tage derart etabliert und in die Zukunft arbeitet. "In der Region, für die Region" ist dabei das Credo, mit dem die ersten Studiengänge unterfüttert werden. Bereits in diesem Jahr sollten die ersten Studierenden immatrikuliert werden – eine kühne Idee oder ein spektakulärer Gedankenflug, um die Filmindustrie über die Pandemie und Digitalisierung zu retten?

Gesprächspartner in der Sendung:

Claas Danielsen | Geschäftsführer Mitteldeutsche Medienförderung

Die Filmbranche ist von der Corona-Krise hart getroffen. Umbrüche in der Produktion und Auswertung von Filmen beschleunigen sich enorm.

Claas Danielsen | MDM-Geschäftsführer

Fachkräftemangel auch in der Filmbranche

Außerdem ist die Idee eine Reaktion auf den immer größer werdenden Fachkräftemangel in der Filmbranche: "Deutschlandweit fehlt es an Regieassistenten, Produktionsleitern, Kostümbildnern, Kameraassistenten oder Requisiteuren", sagte dazu Claas Danielsen, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM).

Danielsen ergänzte bei MDR KULTUR, die Idee sei auch, Handwerker aus anderen Branchen wie Tischler oder Metallarbeiter so zu qualifizieren, "dass sie im Bereich der Baubühne und im Bereich des Setbaus arbeiten können." Auf diese Art durch Weiterbildung neue Arbeitsplätze zu schaffen, sei in einer Region wie der Lausitz sehr attraktiv. "Dass man das verbinden kann mit dem attraktiven Drehort von Görlitz, ist ein Glücksfall und wäre für unsere Region sehr nachhaltig und sehr zu begrüßen", so Danielsen.

Petra Klemann | Geschäftsführerin Passage-Kinos Leipzig

Petra Klemann
Petra Klemann Bildrechte: Petra Klemann

Sachsen hat eine vielfältige und gesunde Arthouse-Kino-Szene und alle Kinos werden nach dem Ende der Pandemie mit ungebrochenem Enthusiasmus wieder an den Start gehen.

Petra Klemann | Geschäftsführerin Passage-Kinos Leipzig

Prof. Alexander Kratzsch | Rektor Hochschule Zittau/Görlitz

Prof. Alexander Kratzsch
Prof. Alexander Kratzsch Bildrechte: Hochschule Zittau/Görlitz

Mit den Weiterbildungsangeboten der Filmakademie wird die Region künftig für größere Filmproduktionen noch attraktiver.

Alexander Kratzsch | Rektor Hochschule Zittau/Görlitz

Katharina Wilhelm | ARD-Korrespondentin, Studio Los Angeles

Katharina Wilhelm, Leiterin des ARD-Hörfunkstudios Los Angeles
Katharina Wilhelm Bildrechte: Katharina Wilhelm

Im Interview:

Henning Peker | Schauspieler & Maler

Henning Peker
Henning Peker Bildrechte: Ronny Götter


Redaktionelle Mitarbeit: Stephan Wiegand
Redaktionsleitung: Ines Meinhardt

Dieses Mal sind wir zwei, statt drei Stunden auf Sendung. Die Gesprächsrunde startet aufgrund eines Fußballspiels erst 21 Uhr.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 20. April 2021 | 20:00 Uhr