Dienstags direkt | MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr Zusammen vielfältig – sächsische Frauen zwischen Gleichberechtigung und Chancengleichheit

Noch immer haben Frauen nicht in allen Bereichen dieselben Chancen wie Männer. Dabei ist ihre Gleichstellung seit Jahren festgeschrieben und erklärtes politisches Ziel. Wie steht es um Gleichberechtigung und Chancengleichheit in Sachsen? Darüber reden wir im Podcast.

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt" – so steht es in Artikel 3 des Grundgesetzes. Und das seit 1949. In den frühen Jahren der Bundesrepublik war dieser Satz jedoch vor allem eins: eine Floskel. Frauen durften nur mit Zustimmung ihres Mannes ein Konto eröffnen, auch eine Erwerbsarbeit aufzunehmen war für eine Frau gegen den Willen ihres Mannes nicht möglich. Diese Regelung wurde erst im Jahr 1958 leicht gelockert. Frauen mussten nun zwar keine Erlaubnis mehr einholen, doch durften sie nur erwerbstätig sein, wenn dies "mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist". Immer wieder wurden in der Geschichte der Bundesrepublik Gesetze angepasst und verändert, um einer Gleichstellung von Männern und Frauen näher zu kommen. So wurde im Jahr 1977 das Leitbild der "Hausfrauenehe" abgeschafft. Vergewaltigungen in der Ehe sind erst seit 1997 strafbar.

Ungleichheit in "beiden Teilen Deutschlands"

Die DDR gilt in der Rückschau häufig als Staat, in dem zumindest eines besser gewesen sein soll als im Westen: Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Auf den ersten Blick scheint dieser Eindruck zu stimmen. Was die Einbindung von Frauen in die Arbeitsprozesse angeht war die DDR Weltspitze: Im Jahr 1989 gingen 91 Prozent der Frauen zur Arbeit oder befanden sich in Ausbildung. Das typische Bild der "Hausfrau" war im Osten weniger zu finden. Doch zwischen tatsächlicher Gleichstellung und dem Einsatz von Frauen zur Sicherung der sozialistischen und planwirtschaftlichen Ziele des Landes gibt es einen Unterschied.

In Leitungspositionen und auch auf Regierungsebene waren Frauen in der DDR eher seltener anzutreffen (von Margot Honecker mal abgesehen). Ein gutes Beispiel für immer noch festgefahrene Rollenbilder in der DDR ist der sogenannte "Haushaltstag". Er wurde im Jahr 1952 eingeführt – Arbeiterinnen und Arbeiter sollten ihn als arbeitsfreien Tag nutzen, um sich um Haushalt und Familie kümmern zu können – gewährt wurde er jedoch fast ausschließlich Frauen.

Unbezahlte Arbeit wird eher von Frauen geleistet

Heute werden Frauen für dieselbe Erwerbsarbeit immer noch häufig schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Diese Lohnlücke ist bekannt als "Gender Pay Gap". Dazu kommt jedoch noch ein zweiter, noch relativ unbekannter Indikator. Der sogenannte "Gender Care Gap". Denn Arbeit ist nicht gleich Arbeit. Zumindest was ihre Bezahlung angeht. Frauen wenden pro Tag im Durchschnitt rund 52 Prozent mehr Zeit für unbezahlte "Sorgearbeit" auf als Männer. Dabei geht es vor allem um Kindererziehung, Hausarbeit und Pflege. Die Konsequenzen dieser unterschiedlichen Verteilung ist vor allem eine wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen, wenn es um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt geht. Und auch bei der Berechnung der Rente spielt die Sorgearbeit kaum eine Rolle. Auf dem Papier haben Frauen, die mehr Sorgearbeit leisten, schlichtweg weniger Einkommen in ihrem Leben erwirtschaftet und damit niedrigere Ansprüche auf Alterssicherung.

Wie steht es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen – auch in Sachsen? Aus Anlass der Sächsischen Frauenwoche 2020 reden wir darüber im Podcast mit unseren Gästen:

Katja Meier | Staatsministerin der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung

Eine Frau mit langen Haaren und Brille.
Bildrechte: Marlen Mieth

Ziel muss sein, Chancen, Macht, Geld und Zeit gerecht zwischen Frauen und Männern aufzuteilen. Von echter Gleichstellung sind wir noch weit entfernt.

Susanne Köhler | Vorsitzende Landesfrauenrat Sachsen e.V.

Eine Frau mit langen dunklen Haaren und Brille.
Bildrechte: Privat

2020 und noch immer nicht selbstverständlich: Lohngleichheit sowie gerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen.

Romina Stawowy | Organisatorin der femMit-Konferenz

Romina Stawowy
Bildrechte: Amac Garbe

Gleichberechtigung ist kein Kampf der Geschlechter gegeneinander. Frauen sollten die bestehenden Ungerechtigkeiten nicht allein beseitigen müssen, denn Veränderung schaffen wir nur gemeinsam.

Georg Teichert | Gleichstellungsbeauftragter der Universität Leipzig

Ein Mann mit kurzen blonden Haaren.
Bildrechte: Swen Reichhold

Chancengerechtigkeit ist heute genauso wenig erreicht wie vor 100 Jahren. Sie geht alle Geschlechter an und kann nur gemeinsam gelingen.

Carmen Hönicke | Coach für Gewaltprävention, Polizeivollzugsbeamtin

Eine Frau mit langen dunklen Haaren.
Bildrechte: Privat

Ein aktiver Körper kann sich besser gegen äußere Einflüsse zur Wehr setzen und hilft Dir Deine persönlichen Ziele zu erreichen.

Redaktion: Thomas Lopau
Redaktionsassistenz: Lucas Görlach
Leitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 10.03.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr