MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 04.01.2022 | 20:00 - 23:00 Uhr GLÜCK-liches neues Jahr - was können wir dafür tun?

Ein Mensch hält die Hand auf und ein Marienkäfer fliegt davon. 137 min
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137 min

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 04.01.2022 | Podcast GLÜCK-liches neues Jahr - was können wir dafür tun?

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Wenn uns das Glück so wichtig ist, warum fällt es uns dann häufig so schwer, es zu finden? Darüber, was Glück bedeutet und wo wir es finden können, haben wir am Dienstagabend gesprochen.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 04.01.2022 20:00Uhr 136:45 min

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Für das neue Jahr wünschen wir uns gegenseitig meist Gesundheit und Glück. Glücksklee, Hufeisen oder Schornsteinfeger sollen das symbolisieren - als Deko oder Nascherei.

Vierblättriger Glücksklee und ein Schornsteinfegerpüppchen
Was ist eigentlich Glück? Bildrechte: dpa

Wenn uns das Glück so wichtig ist, warum fällt es uns dann häufig so schwer, es zu finden? Oder sind wir manchmal nur nicht in der Lage, es zu sehen? Wie sehr sind wir "unseres Glückes Schmied", wie es der Volksmund sagt? Müssen wir warten, bis es uns in den Schoß fällt oder kann man es doch erzwingen? Und wenn das Glück ausbleibt und stattdessen Unglück droht, ist das dann die dunkle Seite derselben Medaille?

Worin sich die meisten Expertinnen und Experten einig sind: Nicht die Glücksmomente entscheiden, wie es um unseren Glückslevel steht. Zufriedenheit und Wirksamkeit sind wesentlich wichtiger.

Alle suchen nach dem Glück

Die Sehnsucht nach Glück ist offenbar groß. Internetsuchmaschinen liefern auf das Stichwort viele Millionen Treffer. Beim Begriff "Zufriedenheit" sind es zwar auch Millionen, insgesamt aber wesentlich weniger Einträge. Bücher, die uns den Weg zum Glück zeigen, stehen in den Ranglisten ganz oben.

Die TV-Moderatorin Nina Ruge, die Gast in unserer Sendung ist, hat mit ihrer Standardverabschiedung "Alles wird gut!" einen Funken Zuversicht verströmt und setzt das als Autorin fort. Es geht ihr aber nicht darum, die rosarote Brille aufzusetzen. "Die meisten Leute glauben, Glück bedeute, keine Krisen zu erleben. Ich bin vom Gegenteil überzeugt", schreibt sie. Aber auch:

Wir alle brauchen in diesen Zeiten das innere Öfchen – und Hinweise, wie wir es am besten heizen.

Nina Ruge

Auch mit der neuen Bundesregierung gibt es in Deutschland kein Ministerium, das explizit für unser Glück zuständig ist. Ein Manko, das schon vor zehn Jahren der Kommunikationsexpertin Gina Schöler ins Auge stach. Deshalb gründete sie nach ihrem Hochschulabschluss das "Ministerium für Glück und Wohlbefinden". Auch, wenn da ein Augenzwinkern im Spiel ist, erwartet Gina Schöler von der Politik durchaus, den Fokus stärker darauf zu richten. Beispielgebend sei die Allianz der drei Nationen Island, Schottland und Neuseeland, die das Wohlbefinden der Menschen auf die politische Agenda gesetzt haben, sagt Schöler.

                

Glücksmomente oder besser ein warmes Gefühl

Wer "das große Los zieht" wird ohne Frage eine Weile in Glück baden. Doch leider kühlt dieses Glücksbadewasser schnell ab und deshalb sollten wir beim Wunsch "Viel Glück im Neuen Jahr!" nicht unbedingt die Lottomillion vor Augen haben, sondern etwas, das uns mit anderen Menschen verbindet.

Diesen Ansatz verfolgt das von der sächsischen Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention kreierte Spiel "Glücksrauschen". Die Spielsets werden an Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren verliehen, die dann in Schulen, Clubs oder Gemeinschaftseinrichtungen spielerisch versuchen, zu ergründen, was Glück für sie bedeutet. Im Kern geht es um die Frage: "Was kann ich tun, damit es mir besser geht?", sagt Anett Rafelt vom Bereich Lebenskompetenz der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention. Meist sind es eher die kleinen Glücksmomente, die wertvoll sind. Der Name des Spiels soll deutlich machen, dass es nicht immer einen Knall braucht, um das Glück wahrzunehmen, denn oft ist es ein uns ständig begleitendes Rauschen.

       

Von glücklichen Umständen und geschickten Schmieden

Der Volksmund hat für alles eine passende Weisheit. Da ist "jeder seines Glückes Schmied" und kann andererseits sein "Glück nicht erzwingen". Was noch fehlt wäre der Spruch "was Hänschen nicht schmiedet, glückt Hans nimmermehr".

Zumindest würde das gut beschreiben, was vor etwa 15 Jahren den damaligen Schulleiter Dr. Ernst Fritz-Schubert angetrieben hat, das Unterrichtsfach "Glück" ins Leben zu rufen. Er hatte es satt, immer nur Gardinenpredigten halten zu müssen, weil Schülerrinnen und Schüler im bestehenden System aneckten. Warum nicht die Kinder ansprechen, bevor sie in den Brunnen fallen, dachte er sich. Das fakultative Fach sollte, anders als der Unterricht, nicht die Fehleranalyse in den Mittelpunkt rücken, sondern Möglichkeiten ausloten. Diesen Ansatz verfolgt er noch heute, mit seinem eigenen Institut und mit einer Stiftung.

Einer seiner ersten Schüler ist unser Studiogast Dominik Dallwitz-Wegner, der inzwischen längst selbst Menschen ihrem Glück ein Stück näherbringen will.

        

Gute Gedanken, schlechte Gedanken

Ein Mädchen sitzt eine Blume haltend im Gras.
Wie erkennen wir die guten Dinge im Leben? Bildrechte: Colourbox.de

Da ist positive Psychologie im Spiel. In diesem noch recht jungen Forschungszweig ist der Hallenser Professor Renè Proyer zu Hause. Ihm und seinem Team an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg geht es vor allem darum, herauszufinden, wie man den Fokus auf das subjektive Wohlbefinden lenken kann. Was hilft uns, die guten Dinge in unserem Alltag zu erkennen und so mehr Zufriedenheit zu erlangen? Voraussetzung ist aus seiner Sicht, die eigenen Stärken zu kennen. Oft jedoch hilft das Mantra, einfach positiv zu denken, nicht.

Davon kann unser Gast Ronja von Rönne berichten. Sie kennt das Thema Depressionen aus eigenem Erleben und verarbeitet es als Autorin. In Kürze erscheint ihr Roman "Ende in Sicht", der laut Verlagsankündigung "von all den guten Gründen zu sterben, und von all den viel besseren, am Leben zu bleiben" berichtet.

Der Verhaltensökonom Prof. Stephan Buchhester aus Leipzig, ebenfalls Gast unserer Sendung, war an einer Studie beteiligt, die anhand einer Big-Data-Analyse aufzeigt, wie sehr psychische Erkrankungen in der Corona-Pandemie zugenommen haben.

        

Was Balance und Resilienz mit dem Glück zu tun haben

Der positiven Psychologie folgt auch Daniela Elsner. Sie ist Professorin an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, leitet dort zudem eine Akademie für Lehrerbildung, hat weitere Lehraufträge. Außerdem ist sie zur Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz zugelassen, arbeitet in eigener Praxis als systemischer Coach und schreibt Bücher. Zuletzt erschien "Ausgebalanced". Untertitel: "Wie Du alles unter einen Hut bekommst, was Dir im Leben wichtig ist." Ein ausbalanciertes Leben ist aus ihrer Sicht durchaus ein Schlüssel zum Glück. Wobei sie den häufig bemühten Begriff der "Work-Life-Balance" ablehnt, weil er die Arbeit gegen das Leben stellt. Dabei sei Arbeit ein wichtiger Teil des Lebens und auch wesentlich für das Glücksempfinden mitverantwortlich. Wer Arbeit hat und sich dort auch einbringen kann, bewertet sein Leben weitaus positiver, als Arbeitslose oder Menschen, die einer nicht zufriedenstellenden Arbeit nachgehen müssen. Im Allgemeinen plädiert Prof. Elsner dafür, nicht in die Falle zu tappen, sich permanent vergleichen zu wollen. Wenn der vermeintliche Abstand zu anderen zu groß wird, versinkt man in Lethargie.

Schritt für Schritt dem Glück entgegen

In einer aktuellen Umfrage des Meinungsbarometers MDRfragt haben mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden (68%) angegeben, dass sie der Meinung sind, sie können ihr Glück beeinflussen. Dabei sehen neun von zehn dieser "Glücksschmiede" eine positive Grundeinstellung als den Weg dazu. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Fleiß und gute Taten. Dass ihnen der Kauf eines Lottoscheins zum Glück verhilft, glauben nur drei Prozent. Insgesamt beteiligten sich 13.576 Menschen in Sachsen an unserer über die Weihnachtszeit laufenden Umfrage.

Wenn Anke John aus Markkleeberg bei Leipzig den Kopf frei bekommen will, geht sie spazieren. Wieder zurück aus der Natur, an der warmen Heizung, durchströmten sie dann schon mal Glücksgefühle. Das brachte sie auf die Idee, anderen Menschen anzubieten, an ihrer Seite zu spazieren und gern auch ein gutes Gespräch zu führen. Seit einigen Wochen bietet sie ihre Dienste als "Spaziergeberin" an. Die Einschränkungen durch die Pandemie hätten viele Menschen in die Einsamkeit getrieben, sagt Anke John. Passivität sei aber kein guter Problemlöser. Beim Spazieren und Reden klart vieles auf. Und wenn Probleme weniger Raum einnehmen, hat auch das Glück wieder mehr Platz.

Darüber sprechen wir mit:

Nina Ruge | Autorin, Moderatorin

Nina Ruge
Nina Ruge Bildrechte: Matthias Garvelmann

'Happiness is a daily decision'. - Der Mensch ist nicht zum Vergnügen, sondern zur Freude geboren.

Nina Ruge PAUL Claudel

Prof. Dr. Stephan Buchhester | Institut für Verhaltensökonomie (IfVoe)

Prof. Dr. Stephan Buchhester
Prof. Dr. Stephan Buchhester Bildrechte: Institut für Verhaltensökonomie (IfVoe)

Depressiv werden Menschen nicht durch die Abwesenheit von Glück, sondern durch die Unmöglichkeit, sich selbst als wirksam zu erleben.

Prof. Dr. Stephan Buchhester

Ronja von Rönne | Autorin

Ronja von Rönne/Autorin
Ronja von Rönne Bildrechte: Carolin Saage

Dominik Dallwitz-Wegner | Redner, Hochschuldozent, Autor und Seminarleiter im Bereich psychischer Gesundheit und Glück, Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis

Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera.
Dominik Dallwitz-Wegner Bildrechte: Dallwitz-Wegner

Gemeinsam sinnvolle Ziele erreichen und dabei Spaß haben! Ein glückliches Leben bedeutet viel Freude im Augenblick. Es beinhaltet aber auch ein selbstbestimmtes und sinnvolles Dasein. Glück lässt sich trainieren. Los geht es :-)

Im Interview:

Gina Schöler
Gina Schöler Bildrechte: Elmar Witt

Gina Schöler | "Glücksministerin" - Dozentin und Coach zu den Themen Glück, Zufriedenheit, Lebensgestaltung und seelische Gesundheit

Anke John
Anke John Bildrechte: Thomas Lopau

Anke John | "Spaziergeberin"

Redaktion & Moderation:

Leitung: Ines Meinhardt

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 04. Januar 2022 | 20:00 Uhr