Dienstags direkt | 13.09.2022 | 20:00 - 23:00 Uhr Handwerk in der Kostenfalle - Auswege dringend gesucht

Live aus Mühlau

Während die Politik für Bürgerinnen und Bürger Entlastungspakete schnürt, bemängelt der Zentralverband des deutschen Handwerks die bisherige verzögerte Hilfe für Betriebe. Energiekosten steigen, Materiallieferungen stocken, Nachwuchs fehlt. Die Zeit drängt, es geht um viele Existenzen. Wie sehen die Betroffenen ihre Lage und welche Ideen haben sie, um diese wieder zu verbessern? Darüber haben wir bei Dienstags direkt gesprochen.

Die Silhouette eines Bauarbeiters zeichnet sich auf einer Baustelle vor dem verfärbten Morgenhimmel ab. 119 min
Bildrechte: dpa

Am 17. September ist der Tag des Handwerks - wie jedes Jahr am dritten Sonnabend im September. Dieser spezielle Tag wurde vor einigen Jahren erdacht, um Themen rund ums Handwerk in den Mittelpunkt zu rücken. Dieses Jahr ein existenzielles Thema, denn viele Firmen bangen um ihre Zukunft. Auch wenn die Auftragsbücher oft noch voll sind, bleibt das Problem der steigenden Kosten, die nicht aufgefangen werden können.

Wie der Präsident des Sächsischen Handwerkstages, Jörg Dittrich sagt, ist es für viele Betriebe problematisch, dass sie keine festgeschriebenen Energiepreise haben und dadurch die Teuerung sofort durchschlägt. Bei anderen drohten später horrende Nachzahlungen. Das betreffe vor allem energieintensive Gewerke wie Bäcker oder Fleischer, aber auch Reinigungen oder Betriebe, die mit viel Energie Stahl bearbeiten.

Arbeiter gießen geschmolzenen Stahl in eine Form in einer Gießerei.
Wie geht es für Gießereien weiter? Bildrechte: dpa

 

"Uns droht der Infarkt der Wirtschaft"

Diese drastischen Worte wählt Dittrich, der selbst Dachdeckermeister ist, bewusst. Zwar gehe es seiner Branche wirtschaftlich noch gut, er sehe aber, dass ein großer Rückschlag auf sie zurolle. Vor allem der Fachkräftemangel sei problematisch. So ließe sich die dringend benötigte Energiewende nicht gestalten. Da fehle der Politik in Berlin ein konkreter Plan. Vor allem sei es schwierig, dass bei der dualen Berufsausbildung die Bedarfsfrage im Vordergrund stehe, beim Studium aber allein das Angebot entscheide. Hier müsse nachgesteuert werden. Dass das Handwerk für junge Menschen unattraktiv sei, sieht Dittrich nicht. Es gäbe aber generell zu wenig Nachwuchs.

Interview:

Hefter mit der Aufschrift "Fachkräftemangel" 6 min
Allein in den kommenden 10 Jahren verabschieden sich 25 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in die wohlverdiente Rente. Bildrechte: MDR/Anne Sailer
6 min

Welche Branchen sind derzeit besonders von den steigenden Energiekosten betroffen? Was sind die Größten Sorgen? Thomas Lopau hat beim Sächsischen Handwerkstagspräsidenten Jörg Dittrich nachgefragt.

MDR SACHSEN Di 13.09.2022 20:00Uhr 06:24 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-dienstags-direkt-handwerk-joerg-dittrich-100.html

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Mitarbeiter gewinnen durch eigene Ausbildung

Über mangelnden Nachwuchs kann sich die Malerfirma Heinrich Schmid nicht beklagen. Allerdings gehört es auch seit vielen Jahren zur Philosophie des Familienunternehmens, der Ausbildung besonders viel Aufmerksamkeit zu geben. Die Firma, die ihren Stammsitz in Baden-Württemberg hat, betreibt in Chemnitz ein eigenes Ausbildungszentrum. Das funktioniert deshalb, weil aus der vor gut 100 Jahren als Einmannbetrieb gestarteten Firma inzwischen ein Imperium aus 161 Standorten allein in Deutschland geworden ist. Theresa Ittner und Michael Förster sind in den Niederlassungen Chemnitz und Leipzig für die Aus- und Weiterbildung zuständig. In den zwölf Jahren, die er im Unternehmen ist, habe sich die Nachwuchsgewinnung stark gewandelt, sagt Förster.

Seien früher die Bewerbungen von allein ins Haus "geflattert", müsse man heute aktiv auf die jungen Menschen zugehen - schon in der Schule. Auch Weiterbildung werde im Unternehmen großgeschrieben. In Chemnitz werden neue Führungskräfte auf ihre Rolle vorbereitet. Es mache Spaß, die Menschen an ihren Aufgaben wachsen zu sehen, sagt Ittner.

Interview:

Ein Mann und eine Frau in einem Studio vor dem MDR SACHSEN-Logo 10 min
Bildrechte: Thomas Lopau

Bella Baumädchen stiehlt Bob dem Baumeister die Show

Sandra Hunke beweist, dass man als Frau alles sein kann und alles machen kann, was man will. Die Dreißigjährige ist gelernte Installateurin, macht sich auch täglich auf der Baustelle schmutzig und modelt nebenbei - gerade erst auf der Fashion Week in Berlin. Sie gehört zudem zu den erfolgreichsten Handwerk-Influencerinnen. Auf Instagram hat sie inzwischen 111.000 Menschen, die ihr folgen.

Seit diesem Frühjahr kann sie sich auch Kinderbuchautorin nennen. Gemeinsam mit der Autorin Britta Sabag und dem Zeichner Igor Lange hat sie die Figur "Bella Baumädchen" kreiert. Ihre Heldin mit roten Haaren und roter Latzhose sei einem Kinderbild von ihr selbst entlehnt, sagt Hunke. Nach Erscheinen des Buches habe sie eine Art Lesereise durch Baumärkte gemacht. Es sei sehr emotional gewesen zu erleben, wie dort kleine weibliche Fans auftauchten, die sich wie Bella angezogen hatten und ihr sagten, sie wollten nun auch unbedingt Handwerkerin werden.

Sie selbst hat ihren Berufswunsch ebenfalls sehr früh "festgelegt". Da ihr Vater Fliesenleger ist, stand sie schon als Kind mit in der Werkstatt und hat gebastelt. Ihr Spitzname: "Baumädchen". Nun will sie die ganz jungen Bellas für das Handwerk begeistern. Vielleicht liegt die Zukunft des Handwerks genau darin. Einfach machen, einfach trauen! Das ist der Rat, den Sandra Hunke uns allen gibt.

Interview:

Logo MDR 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
5 min

Was kann Klempnerin, Influencerin und Kinderbuchautorin Sandra Hunke bewirken? Was ist wichtig, Menschen zum Handwerk zu bewegen? Thomas Lopau hat mit der jungen Handwerkerin gesprochen

MDR SACHSEN Di 13.09.2022 20:00Uhr 05:21 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-dienstags-direkt-handwerk-sandra-hunke-100.html

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Unsere Gäste:

Eine Frau mit Bäckerhut lächelt in die Kamera.
Martina Hübner Bildrechte: Wolfgang Schmidt

Martina Hübner | Geschäftsführerin der Annaberger Backwaren GmbH

Wir Handwerker tragen Verantwortung für unsere Mitarbeiter und Kunden. Die Politik muss verlässliche Bedingungen schaffen, damit wir dieser Verantwortung nachkommen können.

Martina Hübner

Ein Mann lächelt in die Kamera.
Dr. Jan Wabst Bildrechte: Detlev Müller

Dr. Jan Wabst | Geschäftsführer der SEIWO Technik GmbH

Die aktuelle Entwicklung von Material- und Energiepreisen sowie deren Verfügbarkeit ist für viele kleine und mittlere Handwerksunternehmen existenziell. Allein mit innovativen Ansätzen und Ideen werden wir diese Krise nicht überstehen. Hier ist starkes, aktives politisches Handeln notwendig.

Ein junger Mann lächelt in die Kamera.
Dominik Böhme Bildrechte: Dominik Böhme

Dominik Böhme | Geschäftsführer der Böhme GmbH & Co. KG

Trotz steigender Materialpreise energieeffizient bauen?

Dominik Böhme

Interviewpartner:

Jörg Dittrich | Präsident der Handwerkskammer Dresden und Präsident des Sächsischen Handwerkstags

Theresa Ittner & Michael Förster | Malerfirma Heinrich Schmid

Sandra Hunke | Klempnerin, Influencerin, Kinderbuchautorin

Liane Staroske | Vorsitzende "Arbeitskreis Unternehmerfrauen Großenhain-Riesa-Meißen"

Redaktion & Moderation:

Leitung: Ines Meinhardt

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