MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 10.11.2020 | Podcast November-Blues 2020 – was uns jetzt helfen kann

Schon immer erscheint der November als trister Monat, der manche in ein Stimmungstief stürzt. Dazu kommt in diesem Jahr die Verunsicherung durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen. Was können wir jetzt tun – für uns und für andere? Darüber haben wir am Dienstagabend gesprochen.

Herbstdepression 116 min
Bildrechte: colourbox

Die Tage werden kürzer und grauer – auch wenn an einigen Tagen die Sonne scheint und der Himmel blau ist. Der November hat einen schlechten Ruf. Er gilt als Monat des Schmuddelwetters. Und was nicht wegzudiskutieren ist: der Mangel an Tageslicht macht den Menschen zu schaffen. Aber der November ist eigentlich auch die "Show-Treppe" für die Vorweihnachtszeit und trägt damit die Hoffnung in sich, dass es nach dem November schon wieder – dank der vielen Lichter – aufwärts geht.

November-Blues 2020: vieles wie immer ...

Man geht morgens im Dunklen aus dem Haus und kommt abends im Dunklen nach Hause. Der Lichtmangel schlägt auf's Gemüt, der typische November-Blues stellt sich ein.

Die Hauptrolle spielen zwei Hormone: Melatonin und Serotonin. Das Melatonin wird von einem Teil des Zwischenhirns aus Serotonin produziert und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers. In der dunklen Jahreszeit steigt der Melatonin-Spiegel und sein hormoneller Gegenspieler, das Serotonin, sinkt. Dieses Ungleichgewicht kann zu einer trübsinnigen Stimmung führen und bei manchen Menschen schwinden gar wegen plötzlicher Heißhungerattacken die Süßigkeitenvorräte.

Das Phänomen "November-Blues" wird oft als mögliche Vorstufe der Winterdepression (SAD, saisonal-affektive Störung) beschrieben.

... und doch ganz anders

Der Hormonhaushalt macht also das, was er immer im November macht. Dazu kommt für viele das Gefühl, der November 2020 sei besonders schwierig, die Welt aus den Fugen geraten. Die Begleiterscheinungen der Corona-Pandemie haben uns fest im Griff. Die Wucht der zweiten Welle wird uns täglich in Form von Statistiken über steigende Infektions- und Todeszahlen präsentiert. Keiner kann und will garantieren, dass die Maßnahmen der Politik zeitnah wirken und dass die Zeit der erneuten Einschränkungen nach vier Wochen - oder wenigstens im Frühjahr - vorbei sein wird.

Verstärkt das noch den November-Blues? Was lässt sich dagegen tun und wie kann man verhindern, dass die Trübsinnigkeit in eine Depression umschlägt?

Licht von der Tankstelle

In südlicheren Ländern kommen solche jahreszeitabhängigen Depressionen insgesamt seltener vor. In den nördlicheren Breiten treten sie häufiger auf. Wir fragen nach, wie sie sich Skandinavier mit der Dunkelheit angefreundet haben und ob auch dort das Phänomen des "November-Blues" bekannt ist.

Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent Skandinavien und Baltikum
Bildrechte: Carsten Schmiester

Man versucht unter anderem, dieses deprimierende Gefühl der Dunkelheit, für das wir Menschen einfach mal nicht gemacht sind, technisch zu lösen. Wenn der Dezember anfängt, dann wird's ja richtig ernst, dann gibt es eigentlich kein Fenster, in dem nicht irgendeine elektrische Lampe steht. Es gibt sogar richtige Licht-Tankstellen mit Tageslichtsimulations-Lampen, da kostet eine Stunde so um die 30 Euro. Da fahren die Leute hin, einfach nur, um Licht zu tanken!

Carsten Schmiester | Korrespondent ARD-Studio Stockholm

Außerdem interessieren uns die neuesten Erkenntnisse aus der Farbforschung, denn  Farben können helfen, gesund zu werden und gesund zu bleiben. Und was liest ein Chronobiologe eigentlich von der "inneren Uhr" ab?

Das waren unsere Gesprächspartner in der Sendung:

Dr. Ulla Nagel | Diplom-Psychologin, Chefin einer Agentur für Personal- und Unternehmensentwicklung

Ulla Nagel lächelt in die Kamera
Bildrechte: Ulla Nagel

Jeder hat im Laufe seines Lebens eine bestimmte psychische Widerstandsfähigkeit entwickelt, die sogenannte 'Resilienz'. Ob wir Krisen emotional unbeschadet überstehen und vielleicht sogar an ihnen wachsen, hängt damit zusammen, wie stark dieses psychische Immunsystem ist.

Dr. Carsten Lekutat | Hausarzt und Moderator der MDR-Fernsehsendung "Hauptsache gesund"

Dr. Carsten Lekutat im weißen Kittel
Bildrechte: kick.management

Der November an sich ist eine wirkliche Herausforderung für die Seele und den Körper – nicht nur aufgrund der Pandemie. Die Kontakt- und Reisebeschränkungen, die uns in unserer Bewegungsfreiheit begrenzen, sind nämlich nur ein Teil, der dafür verantwortlich ist, dass Menschen sich hierzulande aktuell müde, niedergeschlagen und oft ohne Antrieb fühlen. Denn auch ohne Pandemie ist der November ein Monat, der aufgrund des Lichtmangels und der Zeitumstellung oft dazu führt, dass die Stimmung "im Keller" ist. Bevor der "Herbst-Blues" zu einer echten Winterdepression wird, kann man aktiv und gezielt dagegen vorgehen und mit kleinen Tricks und Kniffen den Körper positiv beeinflussen.

Göran Donner | Vizepräsident der sächsischen Landes-Apothekerkammer

Göran Donner im Anzug
Bildrechte: Foto-Böhme/Sächsische Landesapothekenkammer

Menschen, mit psychischen Verstimmungen suchen häufig – insbesondere in der dunklen Jahreszeit - zunächst eine Apotheke auf. Unsere Aufgabe ist es herauszufinden, ob der November-Blues die Ursache ist oder eine ernsthafte Erkrankung vorliegt, die eine ärztliche Intervention erfordert.

Moderation/Redaktion: Henriette Schmidt
Leitung: Ines Meinhardt

Mehr zum Thema

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.11.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr