Baum vor Rapsfeld
Bildrechte: Hans-Günther Bernstein

Dienstags direkt | MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.11.2018 | 20:00-23:00 Uhr Raus aus der Stadt?! Welche Zukunft hat das Leben auf dem Land?

Während in den Großstädten die Mieten explodieren und immer mehr Menschen hinzukommen, herrscht auf dem Land gähnende Leere. Junge Menschen ziehen weg, die alten bleiben übrig. Doch was lässt sich dagegen tun?

Baum vor Rapsfeld
Bildrechte: Hans-Günther Bernstein

Sachsen driftet auseinander. Während eine Großstadt wie Leipzig schon bald die Marke von 600.000 Einwohnern knackt und auch Dresden aus allen Nähten platzt, sieht es in den ländlichen Regionen vollkommen anders aus. Stück für Stück bluten diese immer weiter aus. Vor allem die junge Generation kehrt Landstrichen wie Nordsachsen oder der Lausitz den Rücken. Spätestens mit dem Schulabschluss packen viele Jugendliche die Koffer und ziehen entweder in die größeren sächsischen Städte oder gleich nach Westdeutschland. 

Weil vor allem alte Menschen und in Bezug auf den Arbeitsmarkt "unflexible" junge Männer zurückbleiben, kommt es zu einer Vergreisung der kleinen Städte und Gemeinden. Verschlimmert wird diese Situation noch durch Mängel in der Infrastruktur: Weite Wege bis zur nächsten Autobahn, schlechter öffentlicher Nahverkehr und fehlendes Breitbandinternet sind häufig anzutreffende Probleme. Da ist es kein Wunder, dass Experten wie Joachim Ragnitz vom Dresdner Ifo-Institut bereits dafür plädieren, manche Dörfer lieber dicht zu machen. 

Landidylle statt lärmender Großstadt

Ob es jedoch tatsächlich dazu kommt, ist fraglich. Denn es gibt auch eine Gegenbewegung: Menschen, die sich trotz aller Mängel bewusst fürs Landleben entscheiden. Anstatt in der Metropole in einer kleinen überteuerten Wohnung zu leben, kaufen sie lieber für sich und ihre Lieben ein Haus mit Grundstück auf dem Land. Mit dieser Entscheidung tauschen sie zugleich die Anonymität der Großstadt gegen die familiäre Geborgenheit der Kleinstadt oder des Dorfes ein. Nervender Lärm von Autos oder vorbeiratternden Straßenbahnen gehört damit ebenfalls der Vergangenheit an. Das Einzige, was erklingt, ist das Singen der Vögel oder die Muh-Geräusche der Kühe. 

Landesregierung fördert Ideen für den ländlichen Raum

Am generellen sächsischen Trend ändern die Wahldörfler zwar nicht viel. Trotzdem sind sie ein Lichtblick. Da trifft es sich ganz gut, dass auch Sachsens Landesregierung nach Jahren der Leuchtturmpolitik den ländlichen Raum wiederentdeckt hat. Sie möchte den Neuankömmlingen genauso wie den Alteingesessenen mit dem Programm "Ideen für den ländlichen Raum" unter die Arme greifen. Insgesamt vergibt das Umweltministerium zehn Millionen Euro an Kommunen, aber auch an Vereine und Einzelpersonen. Wer will, kann sich noch bis zum 22. November daran beteiligen.

Der Wille ist somit da, den ländlichen Raum auch wirklich lebenswert zu machen. Stellt sich nur die Frage, welche Chancen solche und ähnliche Initiativen am Ende haben? Sind Sachsens Kleinstädte und Dörfer noch zu retten oder ist es bereits zu spät? Darüber diskutieren wir bei Dienstags direkt. 

Arielle Kohlschmidt - "Landebahn für Landlustige" - Weltraumpioniere Oberlausitz
Bildrechte: Arielle Kohlschmidt

Dienstags direkt Arielle Kohlschmidt | Weltraumpioniere Oberlausitz

Arielle Kohlschmidt | Weltraumpioniere Oberlausitz

"Nach langen Jahren in Metropolen bin ich mit meiner Familie in ein wunderschönes kleines Dorf an die Neiße gezogen. Der günstige Raum eröffnet viele Möglichkeiten."

Prof. Dr. phil. Stephan Beetz - Hochschule Mittweida
Bildrechte: Stephan Beetz

Dienstags direkt Prof. Stephan Beetz | Hochschule Mittweida

Prof. Stephan Beetz | Hochschule Mittweida

"Die ländlichen Räume benötigen aus meiner Sicht vor allem dreierlei: eigene Ideen und Bilder für die Zukunft, gute Bedingungen lokaler Selbstorganisation und neue Konzepte staatlicher Verantwortung in der Fläche."

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU)
Bildrechte: SMUL/Atelier Klemm

Dienstags direkt Thomas Schmidt | sächsischer Landwirtschaftsminister

Thomas Schmidt | sächsischer Landwirtschaftsminister

"Der ländliche Raum ist für mich eine Zukunftsregion! Seine Bewohner schätzen die lebenswerte Umgebung und das individuelle Wohnen. Nicht gleich wie in der Stadt, aber gleichwertiges Leben – das ist unser Ziel."

Ronny Hofmann - Bürgermeister Lunzenau
Bildrechte: Ronny Hofmann

Dienstags direkt Ronny Hofmann | Bürgermeister Lunzenau

Ronny Hofmann | Bürgermeister Lunzenau

"Der ländliche Raum wird vielmals unterschätzt. Er bietet viel mehr als nur Natur und Ruhe, bei allen Herausforderungen, denen er sich auch stellen muss."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 06.11.2018 | ab 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2018, 16:40 Uhr