MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 15.09.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr Steigende Mieten - Mangel an bezahlbarem Wohnraum

Wie ernst ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt wirklich?

Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen 112 min
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Eigenheim oder Wohnung in der Stadt - gekauft oder zur Miete. Die Wohnkonzepte sind so unterschiedlich wie die Menschen und deren Bedürfnisse. Aber allen gemeinsam ist die Suche nach einem Mindestmaß an Häuslichkeit, Sicherheit und Geborgenheit.

Gibt es ein Recht auf eine Wohnung?

Die Wohnung ist eine Notwendigkeit, die den Sachsen so wichtig ist, dass sie in Art. 7 Abs. 1 der Verfassung des Freistaates Sachsen aufgenommen worden ist. Dort steht geschrieben: "(1) Das Land erkennt das Recht eines jeden Menschen auf ein menschenwürdiges Dasein, insbesondere auf Arbeit, auf angemessenen Wohnraum, auf angemessenen Lebensunterhalt, auf soziale Sicherung und auf Bildung, als Staatsziel an."

Ist im Streit um Wohnraum und das passende Umfeld jedes Mittel recht?

 Leipzig: Polizisten in Schutzausrüstung mit Schutzschilden stehen am Rande einer Demonstration im Stadtteil Connewitz. Die Demo steht unter dem Motto «Kämpfe verbinden - Für eine solidarische Nachbarinnenschaft». Nach zwei Hausbesetzungen erlebte die Stadt heftige Ausschreitungen.
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Seit Jahren gibt es in Leipzig Diskussionen um bezahlbaren Wohnraum. Dafür demonstrieren die Menschen auf der Straße.

Die Nachfrage steigt permanent, denn kaum eine andere Stadt in Deutschland wächst so schnell. Ausgleich soll der soziale Wohnungsbau schaffen. Mit 6,50 Euro/qm Kaltmiete durchaus bezahlbar. Meist befinden sich diese Wohnungen nicht in sozial gewachsenen Stadtteilen, das birgt Konfliktpotenzial.  Und die Mieten steigen - besonders im Ausgeh- und Szeneviertel Connewitz - schneller, als das Lohnniveau.

Welcher Wohnraum steht jedem Sachsen zu?

Doch wie sieht ein würdiges, ein wertiges Dasein aus? Aus Verwaltungsvorschriften und Sozialgerichtsrechtsprechung stehen einer alleinstehenden Person zwischen 45 und 50 m² Wohnraum zu, jeder weiteren Person 15 m². Während man in der Peripherie und im ländlichen Raum bereits für 300 Euro eine passende Wohnung findet, muss man dafür in Dresden oder Leipzig tiefer in die Tasche greifen. Hier liegt der Durchschnitt bei 450 Euro. Damit ist noch nichts über das Umfeld gesagt, das nicht in jedem Fall den individuellen Vorstellungen entspricht.

Was kostet uns das Wohnen?

Rein statistisch hat ein sächsischer Haushalt etwas mehr als 2.000 Euro im Monat zur Verfügung, damit rangiert Sachsen im Bundesvergleich auf dem vorletzten Platz. Zum Vergleich: Im Nachbarland Bayern haben Familien durchschnittlich über 3.000 Euro in der Haushaltskasse. Werden diese Zahlen auf eine Familie mit zwei Kindern hochgerechnet, dann wird ersichtlich, dass für Miete, Stellplätze, Heizung und Strom schnell die Hälfte des verfügbaren Geldes ausgegeben werden muss.

Wie werden wir künftig wohnen müssen?

Eine Entwicklung, die unvermeidbar ist? Oder gibt es Möglichkeiten der Stadtentwicklung, die für ein besseres Gleichgewicht sorgen können? Was sagen Wohnungseigentümer: Ab wann rechnet es sich, eine Wohnung zu vermieten? Wie sehen unsere Städte der Zukunft aus? Blühen bald wieder die Siedlungen abseits der Ballungszentren auf?

Unsere Gesprächspartner:

René Hobusch | Rechtsanwalt und Präsident bei "Haus & Grund - Eigentum. Schutz. Geimenschaft. - Landesverband Sachsen"

Eine Mann mit Brille lächelt in die Kamera.
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Eine Frau mittleren Alters und mit dunklem Haar schaut in die Kamera.
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Frank Feuerbach | Geograph

Ein Mann in blauem Hemd und mit Brille lächelt in die Kamera.
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Roman Grabolle | Berater genossenschaftlicher und gemeinwohlorientierter Wohn- und Kulturprojekte im Haus- und WagenRat e.V. und bei Leipzig - Stadt für alle

Ein Mann mit Brille vor einem Bücherregal
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Redaktion: Stephan Wiegand
Leitung: Ines Meinhardt

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN Dienstags Direkt | 15.09.2020 | 20:00 Uhr