Dienstags direkt | MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.03.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr 30 Jahre Treuhand – Wie wirkt das bis heute nach?

Sie ist zentraler Teil eines der größten wirtschaftlichen Umgestaltungsprojekte der Geschichte, für viele jedoch steht sie symbolisch für die Abwicklung eines ganzen Staates: Die Treuhandanstalt. Wo lassen sich heute noch die Auswirkungen der Treuhand-Politik von vor gut 30 Jahren erkennen? Darüber reden wir im Podcast.

Als im März 1990 die Gründung einer Treuhandanstalt beschlossen wurde, arbeiteten in den Volkseigenen Betrieben der DDR noch über vier Millionen Menschen. Über 3.500 dieser Betriebe wurden geschlossen, die Arbeitslosigkeit stieg auf annähernd 15 Prozent und von den vier Millionen Beschäftigten behielten nur knapp 1,2 Millionen ihren Arbeitsplatz.

Fest steht: Kaum etwas lässt sich mit der enormen Aufgabe vergleichen, vor der die Treuhandanstalt damals stand. Die Umstellung des Wirtschaftssystems von Plan- auf Marktwirtschaft – parallel zur gesellschaftlichen und politischen Neustrukturierung – sucht ihre Vorbilder in der Geschichte. Auch deswegen wird die Arbeit der Treuhand von Historikerinnen und Historikern immer wieder als "sehr turbulent" beschrieben. Spielräume gab es dennoch. Wie groß war der Gestaltungsspielraum der Verantwortlichen? Hätte die schwierige Aufgabe vor der die Treuhand damals stand überhaupt anders gelöst werden können?

Der schlechte Ruf der Treuhand

Für viele Menschen im Osten Deutschlands ist die Treuhand heute immer noch ein Symbol für die vermeintlich gnadenlose Abwicklung der DDR. Eine Erhebung von mdrFRAGT hat ergeben, dass 93 Prozent der Befragten davon überzeugt sind, dass diese Arbeit noch bis heute Auswirkungen auf Ostdeutschland hat. Für einen Großteil ist sie sogar für die Benachteiligung des Ostens verantwortlich. Nur ein verschwindend geringer Teil der Befragten (drei Prozent) glaubt, dass es dem Osten ohne die Treuhand schlechter ginge. Wie ist dieses Bild von der Treuhand einzuordnen? Welche Auswirkungen hat die Arbeit der Treuhand tatsächlich auf das Leben im Osten? Und welche wird es noch in Zukunft haben? Darüber reden wir im Podcast mit unseren Gästen:

Detlef Scheunert | Einziger ostdeutscher Treuhand-Direktor

Ein Mann mit kurzen Haaren, Bart und Brille.
Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH

Ich sah die Chance auf Veränderung: alte Strukturen zerstören, um Neues aufzubauen. Ich wollte, dass meine Heimat Sachsen wirtschaftlich wieder stark wird.

Michael Bauer | Curt Bauer GmbH in Aue

Ein Mann mit kiurzen Haaren und Brille. Im Hintergrund viele Fäden auf Rollen.
Bildrechte: Privat

Es war äußerst kompliziert mit der Treuhand die Reprivatisierung auszuhandeln, aber letztendlich wurde ein positiver Neuanfang für die Firma ermöglicht.

Olaf Jacobs | Produzent "Der große Preis - die Treuhand und der Osten"

Olaf Jacobs
Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH

Wenn wir mehr über die Treuhand wüssten, die Akten so zugänglich wären, wie zu anderen Themen unserer Geschichte, hätten wir wohl schon längst mit dem Mythos aufgeräumt.

Redaktion: Thomas Lopau
Redaktionsassistenz: Lucas Görlach
Leitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 03.03.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr