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Dienstags direkt | 17.05.2022 | 20:00 - 23:00 UhrVerkehr der Zukunft – Vorfahrt für's Klima?

Stand: 16. Mai 2022, 19:33 Uhr

Wie bleiben wir mobil? Bei Dienstags direkt ging es um die Chancen für den Öffentlichen Personennahverkehr und den Gütertransport der Zukunft.

Am 1. Juni wird für drei Monate das 9-Euro-Ticket eingeführt, um das Umsteigen auf Bus und Bahn zu erleichtern. Angedacht als Entlastung angesichts steigender Energiekosten befeuert dieses Angebot die Diskussion um die Verkehrswende und nachhaltige Mobilität.

Einen Tag bevor sich die Vertreter und Vertreterinnen der globalen Verkehrsbranche und der Politik zum Weltverkehrsforum in Leipzig treffen, ging es bei Dienstags direkt um die Chancen für den Öffentlichen Personennahverkehr und den Gütertransport der Zukunft.

Ehrgeiziger EU-Plan: Klimaneutraler Linienverkehr auf Strecken unter 500 km

Keine zehn Jahre sollen mehr vergehen, dann soll der Linienverkehr auf Strecken unter 500 km klimaneutral sein. Automatisierte Mobilität soll in großem Maßstab eingeführt sein und emissionsfreie Schiffe werden marktreif. Das sind die politischen Pläne. Entsprechende Ziele hat die EU-Kommission bereits im Dezember 2020 formuliert:

Im Straßenverkehr besonders gefährdet

Es ist die Vision "Zero", die viele Verkehrsexperten derzeit diskutieren. Das heißt, es soll keine Verletzten oder gar Tote mehr im Straßenverkehr geben. 2020 wurden 18.800 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet, was einem Rückgang um 17 Prozent im Vergleich zu 2019 entspricht. Das bedeutet, dass in der EU im Jahr 2020 fast 4.000 Menschen weniger bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind als noch 2019. Doch auch, wenn es weniger Unfälle sind, sterben immer noch zu viele Menschen im täglichen Verkehr. Unser Gast Janek Mücksch sieht bestimmte Gruppen stärker gefährdet als andere.  

Drei Viertel der Sachsen fühlen sich gefährdet, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. Das führt dazu, dass viele Menschen nicht das Fahrrad für ihre Alltagswege nutzen, obwohl sie es sich eigentlich gut vorstellen können. Alle sollen sicher und komfortabel Rad fahren dürfen - egal wie alt sie sind und egal ob sie in einem Dorf oder einer Großstadt leben.

Janek Mücksch | stellvertretender Vorsitzender ADFC Sachsen

Nachlesen:

Autonome Transportsysteme haben "Gesprächsbedarf"

Weniger Autos auf den Straßen - um dieses Ziel zu erreichen, muss der öffentliche Personennahverkehr attraktiver und leistungsfähiger werden. Da geht es nicht nur um preiswerte Tickets, sondern vor allem um die Anbindung des ländlichen Raums mit günstigen Taktzeiten.

Ein Ansatz dazu sind autonome Transportsysteme. Busse, Bahnen und Shuttles kommunizieren untereinander und mit den Fahrgästen. Ticket, Fahrplan und Reiseziel, gebündelt auf dem Smartphone. Dies muss kein ferner Traum bleiben, meint Christoper Szymula, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Verkehrsströmungslehre der TU Dresden.

"Ich wollte unbedingt Straßenbahn fahren", sagt Szymula. Inspiriert von seinem Aufenthalt in Delft, wo an künstlicher Intelligenz (KI) geforscht wird, entwickelte er ein Konzept, wie sich Zugverspätungen mittels künstlicher neuronaler Netze vorhersagen lassen.

Kluft zwischen Stadt und Land

Es ist keine Ausnahme, dass Reisende zwischen Chemnitz und Dresden derzeit zwei bis drei Stunden mit Bus und Bahn unterwegs sind. Und das, obwohl man in den beiden sächsischen Großstädten in der komfortablen Situation ist, dass es Bahnhöfe und eine Bahnverbindung gibt. Im ländlichen Bereich sieht das ganz anders aus. Da ist in der Regel viel Geduld gefragt, wenn lange Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden müssen und viele halten die Diskussion um einen Auto-Verzicht auf dem Land für realitätsfern.

Im ländlichen Raum ist es oft schwer, mit Bus oder Bahn voran zu kommen. Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Urbane Logistik vor großen Herausforderungen

Urbanisierung und das starke Wachstum des Online-Handels mit der Folge eines steigenden Güterverkehrsaufkommens stellen die Logistik in urbanen Räumen vor große Herausforderungen. Eine Grundlage für eine neue Logistik ist das Abstimmen und Verknüpfen des Güterverkehrs. Der dann auch noch möglichst geräuschlos abläuft.

"Wir können hier kein Zeichen eines verkehrspolitischen Aufbruchs erkennen", sagt der Geschäftsführer von "Allianz pro Schiene" Dirk Flege. Es wird nach wie vor zu wenig in den Ausbau des Schienennetzes investiert: Insgesamt sollen 2022 die Investitionen des Bundes in die Schieneninfrastruktur bei rund 9,4 Milliarden Euro liegen. Das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau und bietet somit nicht einmal einen Ausgleich für den deutlichen Anstieg der Baupreise.

Es könnte mehr in den Ausbau des Schienennetzes investiert werden. Bildrechte: imago/Jürgen Eis

Unsere Studiogäste:

Christopher Szymula Bildrechte: TU Dresden/Christopher Szymula

Janek Mücksch Bildrechte: ADFC

  • Janek Mücksch | Stellvertretender Vorsitzender ADFC Sachsen

Jürgen Gaulke Bildrechte: Jürgen Gaulke

Im Interview:

Moderation:

Redaktionelle Mitarbeit: Stephan Wiegand
Leitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Dienstasg direkt | 17. Mai 2022 | 20:00 Uhr