Dienstags direkt | MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | 10.09.2019 | 20:00-23:00 Uhr Tabuthema Suizid: Wenn die Seele verzweifelt

"Niemand bringt sich gern um" - darauf machen Experten zum Welttag der Suizidprävention aufmerksam. Es gibt einen Ausweg aus dem Tunnel, Prävention ist möglich, depressive Menschen sind nicht allein und ihnen kann geholfen werden - darüber sprechen wir bei Dienstags direkt mit Ärzten und auch Menschen, die schon einmal einen Suizidversuch durchgestanden haben.

Mann in einem Park
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Deutschland verlieren jedes Jahr  fast 10.000 Menschen durch Suizid ihr Leben. Das sind mehr Menschen, als im Verkehr, durch Drogen und durch AIDS zu Tode kommen. Die Zahl der Suizidversuche ist Experten zufolge bis zu 20 Mal so hoch. Doch wie kommt es dazu, dass Menschen am Leben verzweifeln?  Dass sie die Lust auf das Leben verlieren? Keinen Ausweg mehr sehen? Alle Hoffnung verloren haben?

Depressionen als Tabu

Die Mehrheit der Menschen, die durch Suizid versterben, hat an einer psychiatrischen Erkrankung gelitten, am häufigsten an einer Depression. Diese Krankheit ist viel weiter verbreitet, als in der Gesellschaft angenommen.  Doch viele Menschen schämen sich für ihre Emotionen, fühlen sich schwach, unvollkommen, Herausforderungen nicht gewachsen. Die Themen Suizid und Depressionen gehören auch im 21. Jahrhundert noch zu den Tabus. Sie passen nicht in das Weltbild einer schönen optimierten Welt. Dabei sind viele tausend Menschen betroffen und die Psychologen ausgebucht. Wie erleben Betroffene ihre Krankheit? Warum leiden sie?

Warum werden Menschen krank?

Doch warum werden Menschen psychisch krank und bekommen Depressionen? Nicht immer sind die "Schicksalsschläge" wie Verlust, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Konflikte oder Trennungen ausschlaggebend. Eine große Rolle spielt die Vorbelastung und auch die Herkunft. Es gibt beispielsweise Regionen, in denen die Zahl der Depressionen und Suizide historisch viel höher ist als woanders. Dazu gehören Ungarn und auch Sachsen. Welche Rolle spielt die genetische Veranlagung? Welche Faktoren spielen eine Rolle? Wie entstehen Depressionen? Wie können Betroffene Hilfe finden?

Jugendliche und alte Menschen besonders gefährdet

Besonders gefährdet von einem möglichen Suizid sind Jugendliche und alte Menschen. Sie sind in Lebensphasen, die sie vor schwere Herausforderungen stellen. Insbesondere ältere Männer und junge Frauen haben ein erhöhtes Risiko. Auch wenn die Suizidzahlen seit den 90er Jahren insgesamt abgenommen haben, fordern Ärzte weiter "eine dringend notwendige" Suizidprävention. Es handle sich bei der Entscheidung für Suizid nicht um eine freie Entscheidung, sondern um die Folge einer Krankheit, den Ausweg aus einer Qual. Doch warum sind Depressionen eigentlich noch immer ein Tabu? Warum wird oft nicht über Suizidprävention gesprochen? Wird das Problem durch das Schweigen verstärkt? Leiden die Menschen durch die Stigmatisierung mehr? Wie ist das Stigma entstanden und mit welchem Weltbild verbunden?  

Angehörige leiden

Nimmt sich ein Mensch das Leben, bleiben die Angehörigen oft ratlos zurück. Hätten sie etwas merken sollen? Warum konnten sie nicht helfen? Wie konnten sie die Verzweiflung nicht sehen? Wie können Angehörige, Freunde, Partner mit Depressionen und Suizid umgehen? Sollen sie das Thema ansprechen? Wo finden sie Hilfe? Was können sie tun, um dem geliebten Menschen zu helfen und ihn endlich wieder lachen zu sehen?

Wie bekommt man Hilfe?

Sowohl Betroffene als auch Angehörige suchen – nachdem sie das Problem erkannt haben – oft händeringend um Hilfe. Doch wer kann Ansprechpartner sein? Der Hausarzt? Besonders ältere Menschen wollen sich nicht die Blöße geben, schämen sich Schwäche einzugestehen und zum „Nervenarzt“ zu müssen. Wohin können sie sich wenden? Wie finden sie einen Therapeuten? Viele Fachärzte besonders auf dem Land sind ausgebucht, Betroffene warten oft monatelang auf einen Termin. Wo finden Jugendliche Hilfe? Wie können sie verhindern, dass sie in der Schule ausgelacht werden? Besonders in der Pubertät sind Eltern nicht immer der erste Ansprechpartner. Wer kann einspringen, welche Angebote gibt es?  

Über das Tabuthema Suizid und eine entsprechende Prävention, über Betroffene, persönliche Erfahrungen und Hilfsangebote - sprechen wir bei Dienstags direkt anlässlich des Welttages der Suizidprävention.

Moderation: Sina Peschke, Redaktionsassistenz: Katrin Tominski

Hilfe • Info-Telefon Depression: 0800 / 33 44 533 (werktags je 4 Stunden erreichbar), rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222
• ein Selbsttest, Wissen und Adressen rund um das Thema Depression auf www.deutsche-depressionshilfe.de
• Sozialpsychiatrische Dienste bei den Gesundheitsämtern
• im akuten Notfall im Krankenhaus vorstellen oder den Notarzt rufen
• Der Verein AGUS unterstützt Angehörige nach Suizid durch Beratung, Betreuung und Vermittlung von Kontakten Betroffener www.agus.de

Gäste

Sachsen

Dr. med. Ute Lewitzka
Bildrechte: Roger Günther

Dienstags direkt Dr. Ute Lewitzka, Leiterin AG Suizidforschung, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Uniklinikum Dresden

Dr. Ute Lewitzka, Leiterin AG Suizidforschung, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Uniklinikum Dresden

"Suizidprävention beginnt mit Reden."

Sachsen

Steffi Pfeiffer
Bildrechte: Steffi Pfeiffer

Dienstags direkt Steffi Pfeiffer, Betroffene und Mitarbeiterin TU Dresden

Steffi Pfeiffer, Betroffene und Mitarbeiterin TU Dresden

"Der Gedanke daran, mein Leben zu beenden, ist schrecklich. In dunklen Minuten bedrängt er mich regelrecht, doch manchmal ist er auch ein Rettungsanker, um mich meiner Hoffnungslosigkeit zu entziehen."

Sachsen

Ulrich Hegerl
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Dienstags direkt Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Leiter des Bündnis gegen Depression

Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Leiter des Bündnis gegen Depression

„Jeden Tag nehmen sich durchschnittlich 27 Menschen das Leben. Suizide erfolgen oft vor dem Hintergrund einer unzureichend behandelten Depression oder anderen psychischen Erkrankungen. Wir brauchen mehr Aufklärung.“

Sachsen

Astrid Freisen, Ärztin mit bipolarer Störung und Gründerin der Initiative „Selbst betroffene Profis“.
Bildrechte: Astrid Freisen

Dienstags direkt Dr. Astrid Freisen, Ärztin mit bipolarer Störung und Gründerin der Initiative "Selbst betroffene Profis"

Dr. Astrid Freisen, Ärztin mit bipolarer Störung und Gründerin der Initiative "Selbst betroffene Profis"

"Ärzte und Ärztinnen sind besonders häufig von Selbsttötung betroffen. Aus Angst werden Hilfsangebote nicht genutzt. Das möchten wir ändern."

Sachsen

Petra Schöne
Bildrechte: Petra Schöne

Dienstags direkt Petra Schöne, Vorstandsvorsitzende EX-IN Sachsen e.V, Vorstand Dresdner Bündnis gegen Depression

Petra Schöne, Vorstandsvorsitzende EX-IN Sachsen e.V, Vorstand Dresdner Bündnis gegen Depression

"Wir wollen die Krankheit aus der Tabuzone herausbringen."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 10.09.2019 | 20:00 bis 23:00 Uhr