MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 17.11.2020 | Nachhören Alles Bio oder was? - Wie wollen wir uns ernähren?

Können wir uns in Deutschland eine Landwirtschaft leisten, die nur auf Bio-Anbau basiert? Wie viel Geld kann und will der deutsche Verbraucher für hochwertige Nahrungsmittel ausgeben? Darüber haben wir am Dienstagabend gesprochen.

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Insekten als Protein-Lieferanten, im Labor gezüchtetes In-vitro-Fleisch oder ein aus Mungbohnen produziertes Flüssig-Ei. Daraus soll man tatsächlich Rührei oder auch einen ordentlichen Pfannkuchen zubereiten können. Daneben gibt es euartige Schoko-Riegel aus Bio-Produkten und mit weniger Zucker als bei gewöhnlichen Schokoriegeln. Und obendrein gibt es auch noch eine Landwirtschaft in Städten: Das sogenannte Urban Farming könnte große Teile der Lebensmittelproduktion übernehmen. Sieht so wirklich die Zukunft unserer Ernährung aus?

Fleischproduktion ist gestiegen

Die Weltbevölkerung hat sich seit Ende der 1960er-Jahre verdoppelt. In derselben Zeit hat sich die globale Fleischproduktion zwar mehr als verdreifacht, wird aber nur von circa zehn Prozent der Weltbevölkerung konsumiert. In Schwellenländern steigt der Fleischkonsum, in Deutschland dagegen ist er in den vergangenen 20 Jahren um mehr als zehn Prozent zurückgegangen - auf 59 Kilogramm pro Kopf. Auch wenn das nach Auffassung vieler Gesundheitsexperten immer noch zu viel sei.

Aus dem "Fleischatlas 2018" der Heinrich-Böll-Stiftung "Bis 2050 wird sie [Anm. d. Red.: die Weltbevölkerung] noch einmal um 85 Prozent wachsen, erwartet die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) […] Für kein anderes Konsumgut der Welt wird so viel Land benötigt wie für die Herstellung von Fleisch und Milch. Obwohl nur 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tieren stammt, benötigen sie 77 Prozent des globalen Agrarlands."

Woher kommen unsere Lebensmittel?

Fleischwaren in einer Metzgerei
Bildrechte: imago images / U. J. Alexander

Doch woher kommt das verzehrte Fleisch? Ist es vom Bauern um die Ecke, ist es Bio oder aus konventioneller Landwirtschaft? Können wir uns in Deutschland eine Landwirtschaft leisten, die nur auf Bio-Anbau basiert? Wie viel Geld kann und will der deutsche Verbraucher überhaupt für hochwertige Nahrungsmittel ausgeben? 2016 ergab eine Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums, dass fast 90 Prozent der deutschen Verbraucher bereit seien, für Fleisch tiefer in die Tasche zu greifen, wenn dafür die Tiere artgerechter gehalten werden. Aber wie viel müsste ein Kilo Fleisch dann kosten, damit ein landwirtschaftlicher Betrieb oder gar ein Großbetrieb kostendeckend arbeiten kann?

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben das Gastgewerbe schwer getroffen - Restaurants im Frühjahr zu, Restaurants im November dicht. Welche Ideen haben Gastronomen und Restaurantbesitzer im Moment? Welche Ideen helfen weiter und welche Ideen gibt es für die Zukunft, damit die Branche attraktiv bleibt - für Mitarbeiter, Azubis und Kunden?!

Das waren unsere Gäste:

Anne Welde | Inhaberin des Bio-Hofes Ackersonne in Dorfhain

eine junge Frau auf einem Feld, hinter ihr steht eine Kuh
Bildrechte: Alexander Fuhrmann

Gesund, nachhaltig, ganzheitlich, mit Gefühl und Verstand. Egal ob Veganer, Vegetarier, Fleischliebhaber - wir alle tragen die Konsequenz für unser Handeln und unsere Entscheidungen. Ganzheitlich gesunde Regionalität sollte dabei immer stetiger in den Fokus rücken. Eingefahrene Wege, Systeme und Denkweisen müssen überdacht und konsequent überarbeitet werden.

Nicole Blonkowski | Mit-Inhaberin des Restaurants "Genuss-Atelier" in Dresden

Eine Frau mit blondem, kurzem Haar (schwarz-weiß-Foto)
Bildrechte: Genuss-Atelier

Für mich steht der Geschmack der Produkte oder eines Gerichts an erster Stelle: Säure, Süße, Würze. Sowohl in der vegetarisch / veganen Küche, in Omas Hausmannsküche, zu Hause, auf dem Land, in der Stadt sowie in der gehobenen Gastronomie. Essen kann noch so günstig oder teuer sein, ein Siegel, Zertifikat oder sonst eine Auszeichnung haben. Wenn es nach nichts schmeckt, dann macht es keinen Spaß. Genauso wenig, wenn alles gleich schmeckt, versetzt mit Binde- und Süßungsmitteln der Industrie. Denn das verändert den Geschmack natürlicher Aromen der Produkte extrem. Das nimmt mir die Freude am Essen. Es muss einfach was hermachen. Es geht nicht um Masse, sondern um Klasse.

Richard Friedrich | Gründer und Geschäftsführer der Firma "Direkt vom Feld" aus Chemnitz

Eine Mann mit einer Kiste Paprika in den Händen
Bildrechte: Stephanie Friedrich

Mit unserem Essen bestimmen wir unsere Lebensqualität, Gesundheit und nicht zuletzt wie die Welt von morgen aussieht. Es geht nicht mehr nur darum satt zu werden, sondern darum, ob unsere Nahrung uns wirklich wieder 'Leben vermittelt'. 

Christian Fenner | Gründer der Firma "the nu Company" aus Leipzig

Christian Fenner von the nu company GmbH
Bildrechte: the nu company GmbH

Die Zukunft der Ernährung ist für uns pflanzlich, natürlich und plastikfrei. Wir sind der Überzeugung, dass es hierfür auch Maßnahmen vonseiten der Politik unumgänglich sind und auch ein Umdenken bei den Großkonzernen stattfinden muss. Auch was die Reduktion von Zucker in unseren Nahrungsmitteln angeht, halten wir die aktuellen Maßnahmen für nicht ausreichend genug und möchten uns für eine Zuckersteuer in Deutschland einsetzen. Mit unseren Produkten zeigen wir bereits, dass auch Snacken mit Natürlichkeit, Gesundheit und Nachhaltigkeit vereinbar ist.

Benjamin Schramm | Chef der "Fleischerei Schramm" in Pöhla

Benjamin Schramm von der Fleischerei Schramm
Bildrechte: Fleischerei Schramm

Wir durchleben zurzeit einen Wandel, der unheimlich spannend und fordernd zugleich ist. Regionale Produkte und Cuts aus aller Welt erleben einen enormen Boom. Qualität, Rückverfolgbarkeit, Transparenz und persönliche Beratung stehen an erster Stelle.

Marco Habendorf | Vorstandsvorsitzender der Lausitzer Hügelland Agrar AG in Gersdorf

Marco Habendorf von "Lausitzer Hügelland AG"
Bildrechte: Marco Habendorf

Deutsche Landwirte produzieren hochwertige Lebensmittel nach hohem Standard. Für eine regionale Ernährung braucht es auskömmliche Preise und Rahmenbedingungen.

Moderation

Redaktion: Alexander Schubert
Leitung: Ines Meinhardt

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.11.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr