MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 29.09.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr 30 Jahre Wiedervereinigung: Kultur damals, gestern und heute

Kultur gilt als Nebensnerv für eine Gesellschaft. Mit der Wiedervereinigung 1990 änderte sich auch die Kulturlandschaft in den damals neuen östlichen Bundesländern gravierend. In den vergangenen 30 Jahren sind zwei völlig verschiedene Kulturräume zu einer gemeinsamen deutschen Kulturlandschaft erwachsen. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen wir bei "Dienstags direkt" über "30 Jahre Wiedervereinigung: Kultur damals, gestern und heute".

Gäste

Stephan Grossmann, Theater- und Filmschauspieler

Stephan Grossmann
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Stephan Grossmann ist in Dresden geboren. Nach dem Mauerfall begann er in Potsdam sein Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf. Heute spielt der Schauspieler in zahlreichen Produktionen. Bekannt ist er unter anderen aus der Serie "Weissensee".

Christian Friedel, Schauspieler und Sänger

Schauspieler Christian Friedel
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Die Rolle als Polizeifotograf Gräf im Fernsehserienhit "Bayblon Berlin“ hat Christian Friedel noch bekannter gemacht, als er es vorher schon war. Friedel ist 1979 in Magdeburg geboren. Schon als Kind schnupperte er Bühnenluft. Der Schauspieler brillierte mit seiner Band "Woods of Birnam" (WOB) in einer Hamlet-Inszenierung des Schauspiels Dresden, die über Jahre ausverkauft war. Internationales Renommee erzielte Friedel 2009 als Dorfschullehrer in dem Oscar-nominierten Film "Das weiße Band" von Michael Haneke.

Enrico Lübbe, Intendant des Schauspiel Leipzig

Enrico Lübbe
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Enrico Lübbe ist Theaterregisseur und leitet als Intendant das Schauspiel Leipzig. Er wurde in Schwerin geboren und spielte als 11-Jähriger in der sechsteiligen DDR-Fernsehserie Alfons Zitterbacke die Hauptrolle.

Ellen Schaller, Schauspielerin und Kabarettistin

Ellen Schaller
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Ellen Schaller stammt aus einer ostdeutschen Kabarettistenfamilie und spielt heute am Chemnitzer Kabarett, am Societätstheater und am Hoftheater Dresden sowie für den Dresdner Comedy- und Theaterclub. Sie ist in Görlitz geboren und besuchte von 1983 bis 1987 die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin.

Leontine Meijer van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen

Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen
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Léontine Meijer-van Mensch ist verantwortlich für das Grassi Museum für Völkerkunde zu Leipzig, das Museum für Völkerkunde Dresden und das Völkerkundemuseum Herrnhut. Vorher war sie Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin.

Im Interview

Lukas Rietzschel, Schriftsteller

Autor Lukas Rietzschel
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Lukas Rietzschel ist Autor des Romans Mit der Faust in die Welt schlagen. Er wurde 1994 in Räckelwitz in der Oberlausitz geboren und lebt und arbeitet heute in Görlitz. Rietzschel studierte Politikwissenschaften, Germanistik sowie Kulturmanagement.

Wie wichtig ist Kultur für eine Gesellschaft?

Kultur und Kunst gelten als Lebensnerv für eine Gesellschaft. Trotzdem müssen Budgets oft verhandelt, gerechtfertigt oder erkämpft werden. Besonders vor dem Hintergrund der Corona-Krise und den daraus resultierenden Beschränkungen wird wieder über den Stellenwert von Kunst und Kultur diskutiert. Wie wichtig sind Kultur und Kunst für eine Gesellschaft? Wie unabhängig sollten sie von aktuellen und politischen Entwicklungen sein? Wie verändern sich die Bedingungen für diejenigen, die von, mit und für die Kunst und Kultur leben? Welchen Aufwand betreiben Musiker, Schriftsteller, Tänzer, Maler, Schauspieler und viele andere damit sie ihren Beruf überhaupt ausüben können?

Wiedervereinigung veränderte Kultur im Osten

Der Mauerfall und die Wiedervereinigung waren Einschnitt und Wendepunkt zugleich. Damit änderte sich auch die Kulturlandschaft in den damals neuen östlichen Bundesländern gravierend. Die Kulturschaffenden wurden aus einem stark reglementierten Kulturbetrieb auf einen Markt geworfen, dessen Gesetze sie oft nicht kannten, dessen Verhandlungssprache sie nicht beherrschten. Viele wurden arbeitslos, mussten sich neu orientieren.

Publikum bei einem Rockkonzert
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Kunst aus dem Osten galt plötzlich als ebenso überholt wie das ganze gerade erst kollabierte System. Stattdessen öffneten sich mit dem geeinten Deutschland viele neue Welten – auch außerhalb der Grenzen - in Europa und den USA. Wie haben Kulturschaffende den Umbruch 1989/90 und auch die Zeit danach persönlich erlebt? Wie hat sich ihr Leben verändert? Welche Chancen sind plötzlich entstanden? Mit welchen Herausforderungen mussten sie umgehen? Wie haben sich Veränderungen in ihren Werken niedergeschlagen? Wo stehen sie heute?

Wieviel Förderung brauchen Kultur und Kunst?

Während einige, wenige Künstler Millionen verdienen und die Unterhaltungsindustrie – zumindest bis vor Kurzem - als milliardenschwerer Wirtschaftszweig galt, leben viele Kunst- und Kulturschaffende an der Existenzgrenze. Dabei geht es jedoch nicht um einen Mangel an Qualität. Im Gegenteil: Kunst und  Kultur leben oft in einem ambivalenten Spannungsfeld. Künstler brauchen Freiraum, in dem sie unabhängig und neu denken können. In dem sie alte Bahnen verlassen und Experimente wagen. Gleichzeitig sind sie oft gezwungen, sich den Gesetzen des Marktes zu unterwerfen. Die Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz gilt als äußerst schwierig. Umso wichtiger ist Kulturförderung. Doch wie viel Geld lässt sich ein Land seine Kultur kosten?

Allein ökonomisch betrachtet wird oft vergessen, wie Kunst und Kultur ganze Stadtviertel, Städte und Regionen wirtschaftlich aufwertet. Regierungen schmücken sich mit ihr, ebenso wie Unternehmen. Kunst und Kultur verhandeln wichtige Fragen der Gesellschaft. Wie viel ist der Politik - aber auch jedem Einzelnen - die Kultur wert? Wie viel Kultur können und wollen wir uns leisten? Über "Kunst und Kultur - damals, gestern und heute" – und sie uns – manchmal auch unbemerkt – prägt und beeinflusst sprechen wir bei Dienstags direkt. 

Redaktionsleitung: Ines Meinhardt
Redaktion: Andreas Berger / Katrin Tominski
Moderation: Sina Peschke / Andreas Berger

Kinosaal
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