Cornelia Drese
Bildrechte: IMAGO

MDR 1 RADIO SACHSEN | 29.09.2013 Sonntagsbrunch mit der Sängerin Cornelia Drese

Diese Frau kennt man – bedauerlicherweise – nicht gut genug, aber das konnte der Sonntagsbrunch ja vielleicht ändern, denn Cornelia Drese hätte es verdient. Sie ist eine, die einen Kultur-Knochenjob macht – als eine der ganz Großen der deutschen Musicalszene. Dabei kennt man die Sängerin, die da acht Mal pro Woche live eine Show abliefert, oft nur durch ihre Rollen. So spielte Cornelia Drese die Grisabella in "Cats". Sie war Mitglied der ersten Besetzung des Musicals in Hamburg.

Cornelia Drese
Bildrechte: IMAGO

Anfang 1990 war Cornelia Drese von Sachsen aus mit dem gesammelten Begrüßungsgeld ihrer Familie nach Wien gefahren, um für Hamburg vorzusingen. Dass sie eine Rolle bekommen würde, glaubte sie nicht so recht, hatten sich doch mehr Sängerinnen beworben, als sie gedacht hatte. Weil sie -wie viele DDR-Bürger- kein eigenes Telefon hatte, wartete sie anschließend bei einer Freundin in Dresden stundenlang darauf, bis ein Gespräch in den Westen zustande kam. Dieses brachte dann allerdings die große Überraschung: Sie bekam die ersehnte Rolle – vierzehn Tage später begann in Hamburg ihre Karriere.

1.685 "Cats"-Vorstellungen

Denn von da an war Cornelia Drese nicht mehr das Mädel aus Sachsen, sondern eine deutsche Musical-Queen. In 1.685 Vorstellungen hat sie "Cats" gesungen und anschließend fast alle großen Frauenrollen in den deutschen Musicalproduktionen: Von "Evita" bis "Les Miserables", immer war sie Erstbesetzung. Und später erste Wahl, als es um Neuproduktionen ging und künstlerische Leiter gesucht wurden. So hat sie das ABBA-Musical "Mamma Mia" auf die Bühne gebracht, ebenso das "Phantom der Oper" in Essen. Cornelia Drese ist eine Frau, die ihren Traum lebt, obwohl ihr schon zu DDR-Zeiten viele davon abgeraten hatten, weil sie sich schon sehr jung einer Stimmbandoperation unterziehen musste. Aber sie blieb eisern und hat mit Disziplin für ihre Chance gekämpft.

Zurück in Dresden

Seit fünf Jahren ist sie zurück in Dresden und baut hier ihre eigene Musicalwerkstatt "oh-Töne" auf, in der sie ihre Erfahrungen weiter gibt und in Sachsen eine Basis für ein neues Musical-Theater schaffen will. Der Musical-Chor ihrer Werkstatt ist jetzt schon immer wieder in den Inszenierungen verschiedener Theater zu sehen und zu hören. Natürlich haben Interessierte beim Sonntagsbrunch Tipps bekommen, was sie tun können, um dabei zu sein, was man können muss und was man lernen kann. Aber vor allem hat Cornelia Drese von ihrem Leben auf den großen Musicalbühnen Deutschlands erzählt. Woher kam Anfang der 1990er Jahre der deutsche Musicalboom mit den vielen großen Neuproduktionen in eigenen Häusern? Warum gibt es in Sachsen bis jetzt immer noch nichts Vergleichbares, obwohl es schon oft große Pläne gab? Wie schafft man es, sich mehr als zwei Jahrzehnte zu behaupten, wo doch der Musicalbetrieb normalerweise seine Stars sehr schnell wieder fallen lässt.

Cornelia Drese kennt die Szene ganz genau und hat Geschichten einer starken Frau aus Sachsen erzählt, die auch als Mutter besondere Stärke bewiesen hat. Und natürlich war ihre Musik zu hören, Melodien, die jedem im Ohr sind, die Cornelia Drese mit Leidenschaft singt. Am Ende konnten sich die Zuhörer ihren Lieblingssong wünschen. Nur eines wird wohl auch nach dem Sonntagsbrunch ein Geheimnis bleiben: Das genaue Alter von Cornelia Drese. Da der Musikbetrieb erbarmungslos ist, hat sie versucht, ihr wirkliches Alter immer zu verschweigen. Denn darauf kommt es ja auch gar nicht an. Cornelia Drese ist nach wie vor eine starke Frau, ein Star mit mehr Stimmumfang als Madonna, eine harte Arbeiterin für die Musik  - welchen Alters auch immer.