Verkündigungssendung Das Wort zum Tag bei MDR SACHSEN vom 17. bis 23.01.2022

Täglich hören Sie das Wort zum Tag. Montags bis freitags gegen 5:45 Uhr und 8:50 Uhr, am Sonnabend gegen 8:50 Uhr, sonntags 7:45 Uhr. Das Wort zum Tag sprechen in dieser Woche Elisabeth Muche und Tobias Petzoldt.

Sonntag, 23.01.2022:

Sonnabend, 22.01.2022: Das tägliche Brot

Das "Vater unser" ist das Alltagsgebet der Christen. Es ist kurz, praktisch, gut. Wie in einer ZIP-Datei sind die wesentlichen Bitten in wenigen Sätzen komprimiert, die ein Mensch an seinen Gott haben kann. Wie in einer ZIP-Datei, steckt in jeder der sieben Bitten des Vater Unsers viel mehr. Eine Hoffnung, so groß, dass sie eigentlich nicht in einen Satz passt: dass das Reich Gottes kommen möge– dass sich die Welt in Gottes Sinn verwandelt. Dass alle Schuld vergeben und wir vom Bösen erlöst werden.
Dass die ganz großen Dinge geschehen, und alles gut wird. Die vierte und zentrale Bitte des Vater Unsers dagegen überrascht mit – sagen wir – Pragmatismus: Gib uns unser tägliches Brot. Wir können Gott offenbar bitten um das ganz große Heil – und um ein Stück Brot. Schaut man jedoch näher hin entpuppt sich auch die Bitte um ein Stück Brot als: Zip-Datei.

Kaum war das "Vater Unser" aufgeschrieben, entbrannte eine Diskussion, wie das griechische Wort "exousia", dass das Brot näher bezeichnet, zu übersetzen sei:
Mit "Täglich" im Sinne eines täglichen Bedarfs – also ganz pragmatisch – oder doch mit "für den nächsten Tag bleibend", also für die Ewigkeit bestimmt?

Jenseits theologischer Finesse, steckt hier die Frage drin, worum wir im Leben bitten: um das Brot, das wir uns zwischen die Zähne stecken können - oder um die Nahrung die bleibend nährt: Freundschaft, Hoffnung, Vertrauen, Glaube. Oder nicht doch immer um beides: Denn wir wissen doch im Grund sehr gut, dass die Dinge zusammenhängen – dass wir unser tägliches Brot immer jemanden verdanken, und wir vielleicht viel zu selten darüber nachdenken, wo und von wem es kommt. Und wir ahnen in aller Zerrissenheit unserer Zeit, dass wir ohne Glauben und Vertrauen ineinander verhungern würden. Was es auch ist, wonach ich heute Hunger haben – ich kann darum bitten: "Gib uns unser tägliches Brot."

Freitag, 21.01.2022: Wirklich jeden Morgen

In Marc Uwe Klings "Känguru-Chroniken" seufzt der Protagonist eines Morgens diese tiefgreifende Erkenntnis in den Tag hinein: "Man muss jeden Morgen aufstehen. Wirklich jeden Morgen." Falls Sie sich darüber noch nie Gedanken gemacht haben - herzlichen Glückwunsch und fangen sie bitte gar nicht erst an mit derartigen Überlegungen.

Falls Sie aber doch schon einmal dieser Gedanke gestreift hat, so in etwa: Schon wieder aufstehen, das habe ich doch gestern erst gemacht? möchte ich Ihnen die Geschichte vom Schatz im Acker erzählen: "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz im Acker. Ein Mann fand ihn, grub ihn wieder ein, ging hin und verkaufte alles und kaufte den Acker." Hier bricht die Erzählung aus dem Matthäusevangelium ab. Der Mann hat jetzt also einen Acker, sonst scheinbar nichts, und in dem Acker liegt ein Schatz vergraben.

Ich stelle mir vor, wie der Mann den erworbenen Acker zu seinem Arbeitsfeld macht. Wie er jeden Morgen - wirklich jeden Morgen - aufsteht, um auf diesem Acker zu arbeiten. Wie er pflügt, säet, beim Wachsen zuschaut und erntet.

"Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz im Acker". Himmelreich bedeutet also: Da liegt ein Schatz im Acker. Der Mann steht auf - wirklich jeden Morgen - in der Gewissheit, dass da ein Schatz in diesem Acker liegt, der den Wert des ganzen Ackers und all seines Tuns übersteigt. Der da liegt und den Acker wertvoll macht, auch wenn das Pflügen mühsam wird, wenn die Saat nicht aufgeht, wenn es mal nichts zu ernten gibt. 

Mir macht dieser Gedanke Mut zur Feldarbeit - jeden Morgen neu: Dass der Schatz des Lebens, das wir beackern, wertvoller ist als alles, was ich selbst erwirtschafte. Ab und zu packt es mich der Zweifel, ich nehme die Schaufel und grabe ein bisschen im Acker herum - bis ich auf den Schatz im Boden stoße. Versuchen Sie es einmal. Falls noch nicht geschehen: Aufstehen müssten Sie dazu schon.

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Diakon Tobias Petzoldt

Diakon Tobias Petzoldt

Gemeindepädagoge und Religionslehrer in Leipzig | Jugendbildungsreferent für die Evangelische Jugend in Sachsen und als Dozent/Institutsleiter am Diakonenhaus Moritzburg | seit 1.9.2021 Geschäftsführer des "Verbandes Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland" (VEDD) | als Autor, Lyriker und Kleinkünstler aktiv | lebt in Dresden

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Elisabeth Muche

Elisabeth Muche

Leiterin der Kontaktstelle für Lebens- und Glaubensfragen der katholischen Kirche in Leipzig. Ordensschwester in der Kongregation der Helferinnen.

Geboren am 11.06.1990 in Chemnitz | Aufgewachsen in Chemnitz| Journalistische Ausbildung am Institut für publizistische Nachwuchsförderung (ifp) 2011-2013 | Studium der Psychologie in Leipzig 2011 - 2016 | Ignatianische Ordensausbildung in Cergy, Frankreich und Wien, Österreich 2017 - 2019 | Erstprofess 2019 | seit September 2019 in der Leitung der Kontaktstelle in Leipzig

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.