Dienstag, 18.01.2022: Der Alltag eines Zimmermanns

Wie hat Jesus als junger Mann in Nazareth gelebt hat?
Diese Frage stellte mir Bruder Marco, ein Bruder der Ordensgemeinschaft der Kleinen Brüder Jesu, bei einem Israelbesuch vor ein paar Jahren.
Wir saßen in einem schattigen Hinterhof mitten in Nazareth und malten uns aus, wie es wohl gewesen ist, dieses ganz normale Leben eines Gotteskindes.

Wie hat Jesus in Nazareth gelebt?
Diese Frage bewegte vor etwa 100 Jahren zuvor den Franzosen Charles de Foucauld.
Wegen Faulheit flog er vom Gymnasium. Als 15-Jähriger hörte er auf, an Gott zu glauben. Und auch in der Militärakademie wollte er sich nicht anpassen.
Bei einem Einsatz in Algerien lernte de Foucauld dann den Islam kennen - tiefgläubige Muslime, die fünfmal am Tag niederknien. Das weckte die Bitte in ihm: "Mein Gott, wenn es dich gibt, lass mich dich erkennen." Und er erkannte Gott - und zwar in dem Zimmermann Jesus aus Nazareth. Als Handwerker, als einfacher Mann mitten unter den Menschen, so wollte auch Charles de Foucauld leben. Anstatt jedoch nach Nazareth zu gehen, zog es ihn zurück in die marokkanischen Wüste. Dort freundete er sich mit den Menschen vor Ort, den Tuareg an - er lebte und arbeite mit ihnen: die Wüste wurde sein Nazareth.

Wie hat Jesus in Nazareth gelebt?
Für Charles de Foucauld wurde diese Frage zur Antwort seines Lebens.
Er fand darin den großen Bruder Jesus, der noch nicht in der Öffentlichkeit stand, der nicht predigte und keine Wunder tat, der von niemanden für den Messias gehalten wurde. Einen Jesus jenseits der Scheinwerfer.
Seine Frage kann zu der Unseren werden:

Wo ist eigentlich mein Nazareth?
Der Ort, an dem ich nichts Besonderes sein muss.
Der Ort ohne Scheinwerfer, an dem ich Rollen und Masken ablege.
An dem ich mit meinen Händen spüre, was zu tun ist.
Heute kann ich mich auf die Suche machen: Wo ist mein Nazareth?

Das Wort zum Tag spricht in dieser Woche:

Kurzbiografie Diakon Tobias Petzoldt

Diakon Tobias Petzoldt

Gemeindepädagoge und Religionslehrer in Leipzig | Jugendbildungsreferent für die Evangelische Jugend in Sachsen und als Dozent/Institutsleiter am Diakonenhaus Moritzburg | seit 1.9.2021 Geschäftsführer des "Verbandes Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland" (VEDD) | als Autor, Lyriker und Kleinkünstler aktiv | lebt in Dresden

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Elisabeth Muche

Elisabeth Muche

Leiterin der Kontaktstelle für Lebens- und Glaubensfragen der katholischen Kirche in Leipzig. Ordensschwester in der Kongregation der Helferinnen.

Geboren am 11.06.1990 in Chemnitz | Aufgewachsen in Chemnitz| Journalistische Ausbildung am Institut für publizistische Nachwuchsförderung (ifp) 2011-2013 | Studium der Psychologie in Leipzig 2011 - 2016 | Ignatianische Ordensausbildung in Cergy, Frankreich und Wien, Österreich 2017 - 2019 | Erstprofess 2019 | seit September 2019 in der Leitung der Kontaktstelle in Leipzig

Verantwortlich für Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie das Wort zum Tag...

... sind die Senderbeauftragten der evangelischen Landeskirchen, der evangelischen Freikirchen bzw. der römisch-katholischen Kirche.