Interview Autorin Sylvia Voigt aus Freiberg schreibt erfolgreiche Rügenkrimis

Seit 2016 ermittelt die Romankommissarin Jessica Burmeister auf der Insel Rügen. Ihre Schöpferin, Autorin Sylvia Voigt, wohnt in Freiberg. Auf der Insel Rügen klärt Burmeister so erfolgreich Verbrechen auf, dass sie jetzt schon ihren fünften Fall lösen darf. "Rügener Albträume" heißt das neue Buch. Darin hat die Ermittlerin nicht nur gegen Schlafstörungen, Panikattacken und Erschöpfung zu kämpfen, sondern gleich mehrere Mordfälle zu lösen. Im Interview mit MDR SACHSEN spricht Sylvia Voigt über ihre sächsische Heimat und warum ihre Bücher im hohen Norden spielen.

Das Kap Arkona auf Rügen samt historischen Leuchtturm.
Auf Rügen, wo andere Urlaub machen, ermittelt Romankommissarin Burmeister. Ihre Erfinderin kommt aus Freiberg. Bildrechte: IMAGO

Frau Voigt, Sie sind waschechte Sächsin, in Karl-Marx-Stadt geboren, zu Hause in Freiberg. Sie wissen, dass ich das natürlich fragen muss: Warum spielen ihre Krimis auf Rügen?

Das ist die Standortfrage. Ich versuche, das kurz zu machen. Eine Literaturagentur hat mir diesen Rat gegeben, weil ursprünglich war der Roman natürlich in Freiberg angesiedelt.

Das ist auch eine schöne Stadt, in der man das wirklich gut von der Atmosphäre ansiedeln kann.

Das stimmt auf alle Fälle. Dann meinte die Agentur aus München aber, Sachsen und dann noch das kleine Freiberg, wäre zu provinziell. Das kam in etwa rüber wie: Ihr seid ja in der Nähe von Russland. Habt ihr schon Strom?

Sylvia Voigt
Die Freiberger Krimiautorin Sylvia Voigt. Bildrechte: Sylvia Voigt

Nein, übertrieben. Aber sie meinten, wenn ich einen größeren Leserkreis erreichen will, dann sollte ich das Buch dorthin verlagern, was jeder in Deutschland kennt. Und da blieb aus meiner Sicht "nur" die Insel Rügen übrig. Die Ostsee ist mein zweites Zuhause, dort kenne ich mich auch gut aus. Also wenn es irgendwie geht, fahre ich zweimal im Jahr in den Urlaub dorthin. Da bot sich die Insel Rügen an.

Vielleicht werden die Münchner das anders sehen, aber ich finde, die Insel Rügen ist auch relativ groß. Spielen die Fälle da an unterschiedlichen Orten? Oder gibt es da eine Stadt, wie Sassnitz oder sowas? Wie machen Sie das?

Das Präsidium ist in Sassnitz angesiedelt. Die meisten Opfer finden sich dann auch in Sassnitz wieder. Aber Kommissarin Burmeister fährt natürlich über Rügen und bringt auch so die ganze Region den Lesern näher. Also Binz und all die schönen Badeorte, die man kennt. Bis hinauf ans Nordkap.

Wenn sie zweimal im Jahr mindestens an der Ostsee sind, gehen Sie da auf Rügen auch auf Schauplatzsuche. Also halten Sie Ausschau nach geeigneten Tatorten?

Direkt auf der Suche bin ich nicht. Die Leser wissen auch nicht, wo genau die Burmeister wohnt in Sassnitz. Ein bisschen was ist dann auch wirklich fiktiv.

Ich habe jetzt mittlerweile einen guten Draht dort hinauf. Beispielsweise zur Stadtbibliothek in Sassnitz. Der Leiter da hat mir hoch und heilig versprochen, wenn sich irgendetwas gravierend dort oben ändert, was ich nicht gleich hier unten mitbekomme, dann sagt er mir umgehend Bescheid.

Beispielsweise das mausgraue DDR-Plattenbau-Präsidium, von dem ich schreibe. Das gibt es wirklich. Das steht dort und sobald das mal einen anderen Farbanstrich bekommen würde, dann würde ich das erfahren, damit ich es mit einbauen kann.

Impressionen von der Insel Rügen
Zweimal im Jahr versuche sie, Urlaub auf Rügen zu machen, sagt Voigt. Wenn sich auf der Insel etwas gravierend ändert, dann bekäme sie das schon mit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diesmal also der fünfte Fall. Jessica Burmeister wird vor welche Herausforderungen gestellt in den "Rügener Alpträumen"?

Vielleicht vor die größte Herausforderung ihrer bisherigen Karriere würde ich sagen. Sassnitz wird ein bisschen zur Bühne eines perfiden Schauspiels. Es gibt jemanden, der seine Taten mit Puppen ankündigt. Das heißt, Burmeister und ihr Team finden immer eine Puppe an irgendwelchen Tatorten und danach finden Sie das richtige Opfer.

Und wollen sie uns verraten, wie die Opfer zu Tode kommen?

Nein, um Gottes Willen!

Es hätte mich jetzt auch enttäuscht. Ich habe auch gelesen, dass sich die Kommissarin irgendwie auch selber im Weg steht. Inwiefern denn, wogegen kämpft sie denn an?

Sie kommt vielleicht als Ermittlerin sehr hart gesotten rüber. Sie zieht schon manchmal verbale Schneisen der Verwüstung nach sich. Und ist trotzdem aber feinfühlig. Es ist nicht so, dass sie nur mit einem Brecheisen ermittelt. Und sie hat natürlich auch privat einige Baustellen, vielleicht sogar ein paar zu viele. Auch der Sohn geht so seine Wege mit einer Freundin, die so alles Andere ist, als die Vorstellungen einer von Schwiegertochter, die Burmeister hat.

Sie sagen, die Burmeister ist relativ hart verpackt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ein bisschen abfärbt, was sie sonst gerne lesen. Krimiautoren, wie die Skandinavier Arnaldur Indridason oder Hakan Nesser, bis zu den ganz harten Thrillern von Preston. Sie haben da wohl wahrscheinlich auch eine kühle, düstere Seite, was die Krimiautoren und die Sujets angeht. Stimmt der Eindruck?

Naja, also ich lache auch sehr gern. Aber ich sag mal so: Ich versuche immer in meinen Büchern die Waage zu halten zwischen Spannung und schwarzem Humor. Also wenn jemand nur Spannung erwartet und sagt: "also, wenn ich mal lache, da gehe ich in den Keller", das ist dann falsch. Denn da läuft der ständig hoch und runter.

Kleine Quallen liegen im und am Wasser an einem Strand
Trotz teilweise düsterer Stimmung versucht die Autorin den Humor in ihren Büchern nicht zu verlieren. Bildrechte: dpa

Dann haben sie doch so ein bisschen den Hang zu den Briten.

Ja, wahrscheinlich.

Haben Sie eigentlich mal Lust auf etwas anderes als ein Krimi. Könnte das passieren?

Das könnte passieren. Aber es gibt noch allerhand Stoff für weitere Teile, denke ich zumindest zum heutigen Zeitpunkt

Das Interview führte Heike Leschner.

Sylvia Voigt 6 min
Bildrechte: Sylvia Voigt

Quelle: MDR/bj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.11.2020 | 14:50 Uhr

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