Stiftung Warentest Hähnchenschenkel im Test

Nicole Merbach und ihre Kollegen von Stiftung Warentest haben Hähnchenschenkel getestet. Das Testergebnis trägt die Überschrift "Von aromatisch bis verdorben". Der Test fiel alles andere als erfreulich aus.

Die aktuellen Testergebnisse von Hähnchenschenkeln sind laut Stiftung Warentest ziemlich kritisch zu sehen. Laut Nicole Merbach ist die Mehrzahl (etwa zwei Drittel) sehr stark mit Keimen belastet - vor allem mit krankmachenden Keimen, aber auch mit sogenannten Verderbniskeimen.

Insgesamt sind 17 unterschiedliche Produkte getestet worden. Das Team von Stiftung Warentest hat sich angeschaut, wie die Hähnchenschenkel im rohen und im zubereiteten Zustand aussehen, wie sie riechen, wie sie schmecken. Dann haben die Experten nach unterschiedlichen Keimen im Labor gesucht. Weiterhin wurde auf Pestizide und Antibiotika-Rückstände im Fleisch getestet.

Das Testergebnis

Nur fünf von 17 Produkten sind laut Testergebnis empfehlenswert. Zwei davon sind Bio-Produkte und etwas teurer. Mit einem Discounter-Produkt haben es auch günstige Schenkel relativ weit nach vorn geschafft.

Tierwohl kostet mehr Geld

Passt das zusammen: gute, preiswerte Hähnchenschenkel von zu Lebzeiten glücklichem Federvieh?

Einkaufswagen im Supermarkt
Wichtig beim Fleischkonsum: Klasse statt Masse. Bildrechte: IMAGO

Das passt nicht zusammen. Jeder, der im Supermarkt oder im Discounter zu Hähnchenfleisch der Haltungsform Stufe 2 greift (die sozusagen die am weitesten verbreitete Kennzeichnung), dem muss klar sein, dass die Tiere, aus denen dieses Fleisch hergestellt wurde, aus Massentierhaltung kommen.

Nicole Merbach | Stiftung Warentest

Bei Hähnchen heißt das:

  • Sie wurden mit circa 10.000 anderen Artgenossen in geschlossenen Hallen gehalten.
  • Sie wurden in sehr wenigen Wochen zu schlachtreifen Tieren hochgepäppelt.
  • Sie konnten ihren natürlichen Bedürfnissen nicht nachkommen, d.h. kein Auslauf im Freien, keine Beschäftigungsmöglichkeiten oder keine Ruhe auf höhergelegten Sitzstangen.

Wer mehr Tierwohl möchte, wem das wichtig ist, der muss mehr Geld ausgeben.

Nicole Merbach | Stiftung Warentest

Discounter-Fleisch und trotzdem gut - wie geht das?

Der Test ergab, dass Hähnchenschenkel von einem Discounter im niedrigeren Preisniveau mit "gut" bewertet wurden. Das liegt daran, dass Stiftung Warentest einen Doppeltest gemacht hat. Das bedeutet, dass einerseits die Fleischqualität bewertet wurde. Dabei haben die günstigen Discounter-Schenkel mit "gut" abgeschnitten.

Puten
Puten in Massentierhaltung Bildrechte: Colourbox.de

Anderseits hat das Team um Nicole Merbach auf die Produktionsbedingungen geschaut, wobei das Tierwohl das wichtigste Kriterium war. In diesem Test der Produktionsbedingungen kommt besagtes Discounter-Produkt insgesamt nur noch auf die Note "befriedigend", im Einzeltest im Bereich Tierwohl sogar nur auf "ausreichend". Das heißt, auch hier kommt das Hähnchenfleisch aus Massentierhaltung.

Haltungsformen bei Geflügelfleisch

Stufe 1: Erfüllt den gesetzlichen Mindeststandard. Die Besatzdichte im Stall darf bis zu 39 Kilogramm pro Quadratmeter betragen. Viele Händler haben diese Stufe hinter sich gelassen und bieten nur noch Geflügelfleisch an, das mindestens Kriterien der Stufe 2 erfüllt. Sie war deshalb im Test nicht vertreten.

Stufe 2: Die Besatzdichte darf 35 Kilo pro Quadratmeter nicht überschreiten, das sind circa 17 bis 23 Tiere. Ein Teil wird vorzeitig geschlachtet, um Platz zu schaffen.

Stufe 3: Sie bietet Zugang zu Frischluft. Mit Wintergarten, auch Kaltscharrraum genannt, sind 29 Kilo auf den Quadratmeter erlaubt. Genverändertes Futter ist tabu.

Stufe 4: Entspricht Bio. Es gibt ein Freigelände und Unterschlupfmöglichkeiten, Einstreu wie Stroh oder Sand im Stall. Auf den Quadratmeter kommen maximal 21 Kilo.

Quelle: Stiftung Warentest

Gute Küchenhygiene wichtig

Jedoch kann man laut Nicole Merbach in der Küche selbst noch sehr viel "retten", indem man das Hähnchenfleisch richtig behandelt.

Gemeint ist damit:

Rohe Hühnerstücke liegen auf einem Schneidebrett aus Kunststoff.
Bitte extra Brettchen und extra Messer zum Schneiden! Bildrechte: imago/imagebroker

  • möglichst frisch kaufen
  • nicht zu lang lagern
  • sehr kühl im Kühlschrank, also relativ weit unten, lagern
  • vor dem Zubereiten abtupften, nicht abwaschen
  • beim Schneiden ein extra Brettchen sowie ein extra Messer nutzen
  • das Fleisch so zu erhitzen und durchgaren, dass es für mindestens zwei Minuten 70 Grad erreicht

Hände weg von stark riechendem Fleisch

Der Testverlierer war ein Bio-Produkt, weil es die mit Abstand höchste Keimbelastung aufwies. Dabei ging es vor allem um Verderbniskeime. Die haben das Fleisch im rohen Zustand stark und unangenehm riechen lassen.

Nicole Merbach rät:

Zu Hause unbedingt die Hände weg, wenn man die Packung öffnet und einem schon ein sehr starker Verderbnisgeruch entgegenkommt und die Oberfläche schmierig ist. Dann braucht man nicht mehr zubereiten, dann bitte entsorgen.

Nicole Merbach | Stiftung Warentest

Wenn das Fleisch einmal Verderbniskeime hat und das Produkt nicht mehr ausreichend gekühlt wird, d.h. über sechs oder sieben Grad Celsius kommt, dann vermehren sich diese Verderbniskeime rasant, so Nicole Merbach. Das könne man dann auch durch entsprechende Zubereitung nicht mehr einfangen. Es werde immer eine Note dabei bleiben, die signalisiert, das sollte man nicht mehr essen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Tag | 07. April 2021 | 12:11 Uhr