Interview Fragen und Antworten zum Taschengeld für Kinder

Keine Frage - Kinder sollten Taschengeld bekommen. Aber welches ist das richtige Alter dafür? Und wie hoch sollte das Taschengeld sein? MDR SACHSEN hat mit Milena Feingold vom Deutschen Kinderhilfswerk e. V. gesprochen.

Die Hände eines Kindes zählen Geldmünzen auf einem Tisch
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Ab wann sollen Eltern ihren Kindern Taschengeld geben?

Die allgemeine Empfehlung, die auch Jugendämter rausgeben, ist mit Schulbeginn zu starten. Das ist der Zeitpunkt, wo die meisten Kinder anfangen, zu rechnen, wo sie kleine Aufgaben schon lösen können, sprich so ab sechs Jahren. Aber letztlich ist es natürlich die freie Entscheidung der Familien und auch durchaus ein Thema, das die Eltern in Ruhe mit dem Kind besprechen sollten.

Wie viel Taschengeld es gibt, hängt sicher vom Alter des Kindes ab, oder?

Ganz genau. Zum anderen auch von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Über beides sollten Eltern auch mit ihren Kindern reden.

  • In der Regel wird am Anfang das Taschengeld wöchentlich ausgezahlt.

  • Bei einem sechsjährigen Kind zum Beispiel startet man dann - das ist die allgemeine Empfehlung des Jugendamtes - mit ein bis zwei Euro pro Woche. Das steigert sich dann um 50 Cent bzw. ein Euro mehr pro Lebensjahr.

  • Wenn das Kind zehn Jahre alt ist, sollte man wechseln von wöchentlicher zu monatlicher Taschengeldausgabe. Das ist eine neue Herausforderung für das Kind. Es muss anders mit dem Geld haushalten. Aber es ist etwas, was ein zehnjähriges Kind meistern kann.

Die Jugendämter geben auf ihren Internetseiten Tabellen raus. Da kann man schwarz auf weiß nachlesen, welche Taschengeld-Empfehlung für welche Altersgruppe sinnvoll ist.

Und was sollten die Kinder von dem Taschengeld bestreiten? Oder können Sie es einfach nur zum "Vernaschen" nehmen?

Im Grunde könnten sie das. Denn tatsächlich lautet die pädagogische Empfehlung: Eltern sollten den Kindern nicht reinreden, was sie mit dem Geld tun sollen, und schon gar nicht an Bedingungen knüpfen, wie "Geld gibt es nur, wenn du das Zimmer aufräumst" oder ähnliches.

Ein Junge hält stolz eine Einkaufstüte mit einem Teddybären darin.
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Aber man muss auch den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wenn sich das Kind wöchentlich haufenweise Süßigkeiten vom Taschengeld kauft, dann sollte man als Eltern auch schon mal reinreden. Aber letztlich gilt, die Entscheidung, was mit denen eigenen Euros passiert, zu akzeptieren. Die liegt beim Kind.

Sollten Eltern den Kindern auch Einblick in ihre finanziellen Verpflichtungen geben?

Das stimmt. Es ist Teil einer Finanzerziehung. Ein Thema, das tatsächlich bei vielen Eltern zu kurz kommt. Das heißt, mit den Kindern über Geld sprechen, ihnen vermitteln, dass das Geld nicht einfach aus dem Bankautomaten kommt, dass es einen gewissen Wert hat, dass man auch als Eltern zum Beispiel mit Geld haushalten muss, indem man für den Urlaub etwas beiseitelegt und ähnliches. Sie lernen, mit Geld zu haushalten. Sie bekommen eine Vorstellung davon, was Dinge kosten. Wie viel sie wert sind, wo man sparen kann. Das gehört letztlich zum Teil der Erziehung.

Taschengeld dient dazu, dass Kinder den Umgang mit Geld lernen. Geht es dabei auch um größere Wünsche?

Taschengeld
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Kinder sind hier selber in der Verantwortung. Wie spare ich auf etwas? Kann ich mir die Packung Kaugummis jetzt gerade kaufen? Oder er muss ich mir das sparen, weil ich mir doch eigentlich auch das Buch kaufen wollte und so weiter. Das sind Dinge, die lernt man nur, wenn man das selber aktiv macht und nicht, wenn man es nur begleitet und sich ansieht.

Was ist davon zu halten, wenn neun- oder zehnjährige Kinder sich ein bisschen was dazuverdienen und damit quasi ihr Taschengeld aufstocken wollen?

Kleine, leichte Aufgaben zum Taschengeld aufbessern sind super. Auch hier lernen Kinder, den Wert von Arbeit zu schätzen, dass für Geld auch üblicherweise eine Leistung erbracht werden muss, um auf eine größere Anschaffung hinzuarbeiten.

Ein Junge mit Münzen und Geldscheinen, neben ihm ein Sparschwein
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Und letztlich ist es so, wenn ein Kind, sagen wir mal der älteren Nachbarin die Einkäufe heimträgt oder ihr den Rasen mäht, dann ist das auch ein Stück soziales Miteinander. Ja, es wird auch ein kleines bisschen belohnt. Insofern ist es eine schöne Sache, wenn ein Kind mit Spaß und in einem guten Rahmen kleinere Aufgaben übernimmt.

Letztlich ist aber klar, es darf den Rahmen nicht überschreiten. Auch der Schulbesuch darf nicht negativ beeinflusst werden. Und es muss alles im Rahmen der Möglichkeiten von einem Kind bleiben.

Auch hier gilt übrigens das Jugendschutzgesetz, dass da relativ klare Vorgaben macht:

  • Ein Kind unter 13 Jahren darf im Grunde nicht arbeiten. Es sind lediglich kleinere Aufgaben, wie zum Beispiel ausrangierte Spielsachen vor der Haustür als kleinen Flohmarkt verkaufen oder wie gerade genannt der älteren Nachbarin die Einkäufe heimtragen oder ähnliches.

  • Ab 13 Jahren dürfen Kinder dann allerdings auch schon ein bisschen mehr: Zeitung austragen, Nachhilfe geben und so weiter. Das ist alles drin. Und macht auch aus pädagogischer Sicht großen Sinn.

Das gesamte Interview hier nachhören:

Ein Mädchen steckt einen Zehn-Euro-Schein in eine Steckdose. 5 min
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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.09.2020 | 10:00 - 12:00 Uhr

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