Tödlicher Unfall mit Schusswaffe an US-Filmset Requisiteur: "In Europa schwer vorstellbar"

Der Schauspieler Alec Baldwin hat mit einer Requisiten-Waffe eine Kamerafrau erschossen. Wie kommt scharfe Munition in eine Film-Waffe? Kann auch eine Platzpatrone tödlich sein? MDR SACHSEN hat bei Thilo Ebert, Requisiteur am Dresdner Staatsschauspiel, nachgefragt.

Wie kann es zu tödlichen Schüssen an einem Film-Set kommen?

Thilo Ebert: Das kann man sich schwer vorstellen, zumindest bei uns in Europa oder in Deutschland, da wir gar nicht über "scharfe" Waffen verfügen. Wenn es eine "scharfe" Waffe war, dann ist es auch möglich, da auch echte Munition hineinzuladen. Das ist wie gesagt bei uns in Deutschland undenkbar. Wir dürfen das gar nicht. Wir benutzen hier ausschließlich Schreckschusswaffen, in denen man nur "Platzpatronen" nutzen kann. Dort würde man keine echte Munition reinbekommen. Selbst, wenn man sie reinbekäme, würde man die Waffe eher zerstören, als dass man jemandem schaden könnte.

Wer muss das letztendlich, bevor es zum großen Knall auf der Bühne kommt, kontrollieren?

Das machen wir, die Requisiteure. Wir laden die Waffe mit der jeweilien Munition. Das sind Platzpatronen, die kein Projektil haben. Dann wird die Waffe kurz davor übergeben und nach der Handlung wieder entgegen genommen. Insofern kann eigentlich nichts passieren. Nichtsdestotrotz sind auch da Sicherheitsabstände einzuhalten.

Welche Verantwortung trägt der Schauspieler?

Natürlich müssen sich die Darsteller auf die Kollegen verlassen können, die die Waffe laden. Aber natürlich trägt der Darsteller auch Verantwortung. Er muss daran denken, nicht direkt auf eine Person zu zielen, sondern immer den Sicherheitsabstand zu wahren - auch, wenn man mit "Schreckschussmunition" arbeitet. Selbst mit vermeintlich ungefährlichen Waffen sollte sehr sorgfältig umgegangen werden. Da sind die Darsteller aus unserer Erfahrung aus eigenem Interesse daran interessiert, dass sich dabei niemand verletzt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22. Oktober 2021 | 13:54 Uhr