Teenager sind Eulen Warum unsere Schüler so müde sind …

Das Thema Schlafstörungen ist bei der Jugend von heute angekommen. Laut aktueller Studie leidet jeder dritte Schüler darunter. Hans-Günter Weeß ist Schlafforscher und weiß, woran es liegt.

"Schlafmangel bei Jugendlichen ist ein zunehmendes Problem", sagt Schlafforscher Hans-Günter Weeß. Gründe sind steigender Druck und Stress in der Schule, welche zu Anspannungen führen. Das ist wie bei den Erwachsenen, wenn man angespannt ins Bett geht und viel Stress hat, dann schläft man schlecht ein. Bei den jungen Leuten spielen die elektronischen Geräte, wie Smartphone, Tablet und PC, eine große Rolle. Sie haben häufig einen Blaulichtanteil und der sorgt dafür, dass weniger des Schlafhormons Melatonin produziert wird. "Man wird dann einen Tick später müde und schläft schlechter ein", sagt Hans-Günter Weeß. Aber die ganz große Rolle spielt das Licht nicht. "Entscheidender ist, was man denn da tut auf dem Handy", betont Weeß. Man kommt in eine gedankliche, emotionale Anspannung - das Gedankenkarussell ist aktiviert und das führt zu Schlaflosigkeit.

"Junge Menschen ab der Pubertät, werden zu Spättypen, zu Eulen, das ist ein chronobiologisches Programm. Die können gar nicht früh ins Bett gehen und einschlafen", sagt Hans-Günter Weeß. "Wenn sie dann morgens 07:45 Uhr in der Schule sein müssen, ist das subjektiv von ihrem Schlaf-Wachrhythmus her, als ob es mitten in der Nacht wäre", klärt der Schlafforscher auf, "vier oder fünf Uhr".

Die jungen Leute leiden unter chronischem Schlafmangel.

Hans-Günter Weeß | Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung

Schule sollte erst 9 Uhr beginnen

Vater schreit durch ein Megafon aus Zeitungspapier seine zwölfjaehrige Tochter an.
Da rein, dort raus. Wenn Kinder ausgeschlafener sind, erbringen sie deutlich bessere Schulleistungen. Bildrechte: imago/photothek

Für Schüler in der Pubertät beginnt die Schule viel zu früh. "Wenn wir über eine Bildungsoffensive nachdenken", so der Forscher, "sollte, wie in anderen Ländern auch, die Schule später beginnen“. Gerade auch weil wir im internationalen Vergleich, schulisch schlechter dastehen. Bei einem späteren Schulstart wären die Schüler ausgeschlafener und würden es mit besserer Konzentration und besseren Leistungen danken. "Studien zeigen, dass eine Mathematikaufgabe um 07:45 Uhr viel schlechter gelöst wird, als 08:45 Uhr oder gar 09:45 Uhr", so Hans-Günter Weeß.

Wie Hans-Günter Weeß anmerkt, ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem. Man könne nicht einfach die Schule später beginnen lassen. Auch die Arbeitszeiten der Eltern müssten flexibler werden. Die Kinder verlassen in der Regel morgens die Wohnung, wenn Mutter und Vater arbeiten gehen.

Smartphone weg vor dem Schlafen?

Das Smartphone sollte vor dem Schlafen unbedingt weggelegt werden. Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung hat eine eigene Studie ausgewertet, die zeigt, dass diejenigen, die eine Stunde bevor sie ins Bett gehen, ihr Smartphone oder Tablet zur Seite legen und abschalten und damit auch sich selber abschalten, mehr Schlaf haben und am Tag weniger müde und auch die Schulleistungen besser sind.

Wie lange sollten Kinder schlafen?

Lächelndes Mädchen hält Kopf seitlich geneigt und auf die gefalteten Hände gelegt.
Kinder in der Grundschule sollten zehn bis elf Stunden schlafen Bildrechte: Colourbox.de

In der Grundschule sollten es zehn bis elf Stunden Schlaf sein. In der Mittel- und Oberstufe brauchen die Teenager acht oder neun Stunden Schlaf. Sie sollten mehr schlafen als ein Erwachsener. Den Schlaf rauben wir ihnen mit dem sehr frühen Schulbeginn.

Die kleinen Kinder haben es da leichter. Das sind Lerchen. Eltern wissen davon ein Lied zu singen. Kleinkinder sind oft Schlafräuber. Um sechs Uhr ist auch am Wochenende bei ihnen die Nacht zu Ende. "Mit dem Eintritt in die Pubertät können sich Eltern freuen, wenn die Kinder sonntags überhaupt zum Mittagessen kommen", so Hans-Günter Weeß.

Quelle: MDR SACHSEN/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.04.2019 | 13-18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 14:37 Uhr