09.07.2019 | 11:10 Uhr Sachsens Bienenretterin auf Ziellinie

Im Vergleich zu den 1980er-Jahren ist die Zahl der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Die Wildbienen sind dabei besonders bedroht. Das wollte Uta Strenger aus Eilenburg nicht einfach so hinnehmen. Sie startete die Petition "Rettet die Bienen in Sachsen". Mit riesigem Erfolg. Aber damit gibt sich die Bienenfreundin nicht zufrieden. Sie will mehr.

Eine dunkle Wildbiene mit rot-braunem Hinterleib und langen Fühlern sitzt an einer Holzwand 3 min
Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Wie wurde Uta Strenger zur Bienenretterin?

Angefangen hat alles mitten in Leipzig, auf der Grünfläche auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. Dort ist es laut und der Rasen im Hochsommer gelb. Kein Ort, wo man bedrohte Tierarten erwarten würde. Aber der Schein trügt. "Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz habe ich meine allerersten echten Wildbienen gesehen, wo ich dachte, wow, selbst hier, mitten in Leipzig sind die Wildbienen. Die sind doch vom Aussterben bedroht", erinnert sich Uta Strenger.

Wann startete sie das Projekt zum Retten der Bienen?

Uta Strenger startet im Februar 2019 eine Online-Petition mit dem Ziel, 2.000 Unterschriften zu bekommen, um auf die miserable Situation der Wildbienen aufmerksam zu machen. Die Petition geht durch die Medien und jeden Tag kommen mehr Unterschriften zusammen. Manchmal unterzeichnen 500 Bienenfreunde täglich.

Hat sie mit dem Erfolg gerechnet?

"Damit habe ich im Leben nicht gerechnet", sagt die Bienenretterin, "ich bin total glücklich, dass das so nach oben geschossen und so erfolgreich ist". Sie freut sich sehr, dass sie so viele Menschen unterstützt haben. Die 2.000 Unterschriften sind schnell geschafft.

Wenn man die Wildbiene rettet und ihr Lebensräume gibt, bekommen auch andere Insekten und Vogelarten neue Lebensräume und die Pflanzenvielfalt wird auch gerettet und ausgeweitet. Man kann mit der Biene die Welt retten.

Ute Strenger | Bienenretterin

Wird die Bienenretterin von Umweltverbänden unterstützt?

Ja, sie bekommt Unterstützung. Uta Strenger verbündet sich mit NABU, BUND, ÖDP und den Grünen und setzt sich ein neues Ziel: 18.000 Unterschriften für die Rettung der Wildbienen. Auch die hat sie nun fast zusammen. Wenige Unterstützer fehlen noch, um das Petitionsziel zu erreichen.

An wen richtet sich die Petition "Rettet die Bienen in Sachsen"? Die Petition richtet sich an den Sächsischen Landtag mit der Bitte, mehr wilde Wiesen und Naturlandschaften zu schaffen, weil die Artenvielfalt, speziell die Wildbienen, in großer Gefahr sind. Und da die Artenvielfalt nur in Gemeinschaft erhalten werden kann, bittet Uta Strenger die Bevölkerung um Unterstützung.

Was will Uta Strenger mit der Petition erreichen?

Eine Frau mit langen, dunklen Haaren steht neben einem Bienenstock
Uta Strenger will die Wildbienen retten Bildrechte: MDR

"Ich habe gute Voraussetzungen, dass mit den 18.000 Stimmen die Forderungen, die ich gestellt habe, auch umgesetzt werden. Vielleicht nicht komplett, aber in Teilen“, sagt Uta Strenger. Sie kämpft für mehr Blühwiesen, mehr Streuobstwiesen, mehr Grünflächen und gegen Pestizide in der Landwirtschaft. Das sind einige der Forderungen, die Uta Strenger bereits mit der Landesregierung von Sachsen besprochen hat.

Wie kann jeder Einzelne von uns die Wildbienen retten?

Ein gutes Beispiel ist die Gärtnerei Fritz Jentsch in Leipzig. Dort gibt es spezielle Bienen-Sämereien, die fast ausverkauft sind. Die Kunden suchen nicht nur nach eigenem Geschmack aus, sondern vor allem nach dem der Bienen. "Sehr viele kommen und wollen direkt Pflanzen, die insektengünstig sind und auch Bienen gefallen", erklärt eine Gärtnerin. Die Kunden hören in den Medien, was es für Probleme mit den Bienen und Insekten gibt und wollen selbst etwas Gutes tun. Jede bienenfreundliche Pflanze auf dem Balkon lohnt sich und jede Grünfläche - auch die auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz mitten in Leipzig.

Was tun, wenn politisch nichts passiert?

Wenn die 18.000 Unterschriften nicht reichen, damit die Regierung etwas für Wildbienen tut, will Uta Strenger einen Volksantrag stellen. Dann müsste sie 40.000 Unterschriften für einen Gesetzentwurf sammeln, der die Biene retten kann.

Was ist der Unterschied zwischen Wild- und Honigbienen?

- In Deutschland gibt es ca. 585 Wildbienenarten, auch Hummeln gehören dazu, die meist unter der Erde nisten.
- Es werden weltweit nur neun Honigbienenarten gezählt, die hauptsächlich in Bienenstöcken leben.
- Wildbienen sammeln Pollen von ganz bestimmten Pflanzenarten.
- Honigbienen sind weniger wählerisch.
- Wildbienen bestäuben auch bei kühleren Temperaturen, Honigbienen starten später.
- Der Stich der Wildbiene ist harmloser, als bei der Honigbiene.
- Wildbienen geben keinen Honig.
- Die Bestäubungsleistung der Bienen ist äußerst wichtig für unseren Alltag.
- Sterben die Bienen aus, sterben auch die Pflanzen.

Wildbienen Steckbrief
Steckbrief der Wildbienen Bildrechte: MDR/naturfreunde.de/deutschewildtierstiftung.de

Quelle: MDR/in/naturfreunde.de/deutschewildtierstiftung.de

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.07.2019 | 13-18 Uhr