Gefahr im Verzug? Rentner am Steuer

Für den Führerschein gibt es in Deutschland keine Altersgrenze nach oben. Wer ihn einmal hat, hat ihn sein Leben lang. Es sei denn, er lässt sich etwas zu Schulden kommen. Seit Jahren wird nun darüber diskutiert, ob der Führerschein auch in hohem Alter noch ohne Überprüfungen gelten soll. Denn immer wieder gibt es Unfälle, in die ältere Autofahrer verwickelt sind.

Statistisch gesehen verursachen Rentner nicht mehr Unfälle als andere Altersgruppen. Die über 65-Jährigen tragen genauso oft die Hauptschuld bei Unfällen wie junge Erwachsene. Auffällig ist jedoch, dass bei Unfällen mit Autofahrern ab 75 Jahren den Senioren im letzten Jahr in drei von vier Fällen die Hauptschuld zugewiesen wurde.

Ein älterer Herr am Steuer eines Autos
Geht von Rentern am Steuer eine größere Gefahr aus? Bildrechte: colourbox.com

Die Unfälle, die bekannt werden, sorgen in Deutschland immer wieder für Diskussionen. Dabei geht es um die Frage, ob der Führerschein auch in hohem Alter noch gelten sollte und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Verkehrsrechts-Anwalt Hans-Jürgen Gebhardt etwa fordert regelmäßige Gesundheitsprüfungen. Denn seiner Ansicht nach sind viele Senioren nicht mehr in der Lage, ordnungsgemäß zu fahren. Von ihnen gehe eine Gefahr aus. Gebhardt, der lange Jahre Vizepräsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages war, sieht hier die Politik am Zuge:

Die deutsche Politik macht das nicht, was in anderen europäischen Ländern längst Übung ist, einfache Gesundheitschecks ab einem bestimmten Alter. Das muss in Deutschland auch eingeführt werden.

Hans-Jürgen Gebhardt, Anwalt für Verkehrsrecht

Regierung gegen Gesundheitsprüfungen

Eigentlich wollte die Europäische Union mit dem EU-Führerschein regelmäßige Gesundheitsprüfungen einführen. Doch das Bundesverkehrsministerium setzte durch, dass deutsche Autofahrer ihren Führerschein umtauschen können und keine einzige Gesundheitsprüfung ablegen müssen. Winfried Hermann, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen kritisiert diese Entscheidung. In anderen Ländern werde genau hingeschaut, ob noch Fahrtauglichkeit vorhanden sei und die Sinne noch funktionierten. Die Bundesregierung aber habe sich aus diesem europäischen Projekt herausgestohlen.

Es war sicherlich die Feigheit vor einem schwierigen Problem und die Angst vor Wählerinnen und Wählern.

Winfried Hermann, verkehrspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen.

Politik setzt auf freiwillige Tests

In Deutschland setzt die Politik weiterhin auf Freiwilligkeit. Senioren sollen sich aus eigenem Antrieb Tests unterziehen, etwa beim Augenarzt oder bei Fahrtrainings. Der ADAC Berlin-Brandenburg bietet spezielle Fahrtrainings für Senioren an. FAKT war bei einer Stunde dabei und hat festgestellt, dass es durchaus Senioren gibt, die selbstkritisch mit ihrer Fahrleistung sind.

Das Problem mit den Senioren am Steuer ist nicht einfach. Denn es gilt, Ältere nicht zu diskriminieren. Tatsächlich sind viele fähig, auch im höheren Alter noch sicher Auto zu fahren. Aber es gibt Ausnahmen. FAKT hat einige Fälle zusammengetragen:

Fahrsicherheitstraining für Senioren Atomobilclubs wie ADAC, ACE oder AvE bieten oft Fahrsicherheitstrainings für Senioren an. Die Trainings finden in Fahrsicherheitszentren in ganz Deutschland statt.