Biete Urlaub - Suche Pflege - selbstbestimmt! - Die Reportage
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

SELBSTBESTIMMT - Die Reportage | 23.06.2019 | 08:00 Uhr Biete Urlaub - suche Pflege

Die wahre Abenteuerreise

Der eine zahlt, der andere reist umsonst. Dafür hilft der Reisepate einem Menschen mit Behinderung, so gut er kann. Was zunächst einfach klingt, ist eine Herausforderung für beide, auf alle Fälle ein Abenteuer.

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Der eine zahlt, der andere reist umsonst. Dafür hilft er so gut er kann. Was so einfach klingt, kann schnell zum Abenteuer werden. Dann wenn ein blinder junger Mann nicht nur an die portugiesische Algarve, sondern auch ans Cap San Vincente, also an die Steilküste will, um zu hören, wie es klingt, wenn die Brandung unten an die Felsen schlägt, am südwestlichsten Punkt Europas!

Dann wenn eine Rollstuhlfahrerin hoch hinaus will auf die weltweit größte Sprungschanze in Willingen, um sich vorzustellen, wie es wäre von dort aus hinabzurasen und abzuheben ...

Herausforderungen garantiert

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Jochen und Herbert kurz vor dem Abflug nach Portugal Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Organisiert werden die Reisen von "Weitsprung". Der gemeinnützige Reiseveranstalter bringt Menschen mit Behinderungen mit ehrenamtlichen Reisepartnern zusammen, die meist Laien in Sachen Pflege sind. Für Jochen Ehlers ist der Portugal-Urlaub schon die sechste Reise, die er bei "Weitblick" buchte. 2.200 Euro kostet die vierzehntägige Unternehmung, inklusive der Kosten für seinen Reisepartner. Den lernte er jedes Mal erst kurz vor der Abfahrt kennen. Diesmal weiß er nur, dass sein Begleiter Herbert Swyter Rentner ist und lange als Flugzeugmechaniker gearbeitet hat. Ehlers ist von Geburt an blind. Zuhause in Bremen bewegt sich der 30-Jährige selbständig, alleine ins Ausland reisen könnte er nicht.

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Johanna will im Urlaub hoch hinaus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Johanna Gnau wird erst wenige Stunden vor der Abfahrt ins Sauerland auf ihre Mitreisende treffen. Martin Smik vom "Weitsprung"-Team leistet die Vorarbeit in Gesprächen mit den Reisebegleitern, die ihn wie Anke Germer, die eigentlich Verkäuferin ist, zu ihrem "Einsatz" befragen. Tatsächlich gibt es viel zu klären. Denn in der Pension wird Johannas' Zimmer direkt neben Ankes liegen, sie muss Tag und Nacht erreichbar sein.

Andere Welten kennen lernen

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Doch in der Pension kommt es zu einem Zwischenfall. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nicht alles lässt sich vorher planen. Schon in der ersten Nacht kommen beide Frauen an ihre Grenzen, als Anke Johanna mit Hilfe eines Lifters und eines Tragegurtes ins Bad bringen will. Da beide mit den Leihgeräten nicht vertraut sind, wäre Johanna beinahe zu Fall gekommen. Die Frauen brauchen eine Weile, bis sie den nächtlichen Schrecken verdaut haben und zum Team werden, das dann am Ende der Reise tatsächlich oben auf der Sprungschanze in Willingen steht.

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Anke und Johanna schaffen es gemeinsam auf die weltgrößte Schanze in Willingen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass schwierige Situationen nicht aus dem Ruder laufen, dafür sorgen erfahrene Betreuer, die in der Gruppe mitreisen. So sollen die ehrenamtliche Helfer und Helferinnen auch mal durchatmen können.

Die Dauerpräsenz kostet Kraft, wie auch Herbert Swyter feststellt.

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Reiseführer im doppelten Sinne: Sicherheit geben und sich die unbekannte Welt erschließen helfen, zum Beispiel die Kachelwände in der Altstadt von Faro. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als er mit Jochen in der Altstadt von Faro unterwegs ist, muss er Hinweise geben, etwa wie der Weg beschaffen ist, wo Stolperfallen lauern. Zugleich wird Herbert auch zum Reiseführer, der dem Blinden zu beschreiben versucht, wie es aussieht in der fremden Stadt. Doch auch er fühlt sich ein in die Wahrnehmung des Anderen, der sich seine Umwelt durch Riechen oder Tasten erschließt - oder durchs Hören. Am Ende laufen sie zu Cap San Vincente und halten auf dem Weg kurz innen, um zu testen, wer als erster die Meeresbrandung hört..

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 12:52 Uhr