SonntagsFragen an Gregor Gysi "Du hasst nicht zurück!"

Gregor Gysi, Mitbegründer der gesamtdeutschen Linken, ist einer der prominensten deutschen Politiker. Mit seiner Streitlust und seinem Charme ist er immer wieder gern gesehener Gast in Talkshows. Auch "selbstbestimmt"-Moderatorin Jennifer Sonntag hat ihn eingeladen - anlässlich seines 70. Geburtstages am 16. Januar.

Gregor Gysi ist ein rastloser Politiker. Seit Jahrzehnten prägt er wortgewandt und pointiert die politische Debatte in Deutschland mit. Er ist Chef der Europäischen Linken und noch immer einfacher Abgeordneter im Bundestag. Mit "selbstbestimmt!"-Moderatorin Jennifer Sonntag hält Gregor Gysi Rückschau auf sein Leben und seine politische Karriere. Er räumt ein, sich hin und wieder vielleicht zu wichtig genommen zu haben. Seinem Credo, das er angesichts der vielen Anfeindungen politischer Gegner gefasst habe, sei er aber treu geblieben: "Du hasst nicht zurück!". Inzwischen, meint der brillante Rhetoriker, habe er auch das Schweigen gelernt. In Sachen Inklusion fordert er: "Es muss die größte gesellschaftliche Teilnahme für einen Menschen mit Behinderungen gewährleistet werden." Auf deren Belange habe ihn einst Ilja Seifert, Behinderten- und tourismuspolitischer Sprecher seiner Fraktion, aufmerksam gemacht.

Wir Menschen neigen dazu, wenn wir eine Behinderungen nicht haben, uns auch nicht vorzustellen, dass man sie haben könnte. Stellt man sich das nicht vor, dann versetzt man sich auch nicht in Menschen mit Behinderung. Das löst den Abstand aus, der nicht gut ist.

Stationen einer Karriere

Seine berufliche Karriere begann Gysi als ostdeutscher Anwalt. Er verteidigte bekannte DDR-Dissidenten, darunter Rudolf Bahro, Robert Havemann, Ulrike Poppe und Bärbel Bohley. Er vertrat 1989 das neu gegründete oppositionelle Neue Forum bei dessen Antrag auf Zulassung und trat auf der Großkundgebung am 4. November 1989 in Berlin als Redner erstmals in Erscheinung. Noch im Dezember 1989 wurde er zum Vorsitzender der aus der Staatspartei SED hervorgegangenen PDS gewählt. Ab den 1990er-Jahren mit Stasivorwürfen konfrontiert, hielt Gysi daran fest, "zu keinem Zeitpunkt wissentlich und willentlich mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet" zu haben.

Bei der Bundestagswahl 1998 erzielte die PDS mit Gysi als Spitzenkandidat über 5 Prozent der Stimmen. Damit zog die Partei erstmals in den Bundestag ein. Nach einer kurzen politischen Auszeit bahnte Gysi zusammen mit Oskar Lafontaine 2007 den Weg zu einer gesamtdeutschen Linken, die in etliche Länderparlamente und in den Bundestag einzog. Gysi wurde 2009 Fraktionsvorsitzender. Vom Amt trat er 2015 zurück, behielt jedoch sein Bundestagsmandat. Dort, links oben, sitzt er noch immer.

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2018, 10:39 Uhr