Martin Fromme
Martin Fromme im Lausitzer Seenland Bildrechte: Mia Media

Lausitzer Seenland In einem Boot: Inklusive Regatta am Geierswalder See

Aus den Tagebaufolgelandschaften des Ostens werden Seen, auch in der Lausitz. Segel-Enthusiasten gründeten dort vor 16 Jahren den 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland, der sich für die Inklusion stark macht. So richtete der Verein Ende August im Auftrag des Deutschen Behindertensportverbandes die Internationale Deutsche Segel-Meisterschaft Para für Sportler und Sportlerinnen mit und ohne Behinderung aus.

Martin Fromme
Martin Fromme im Lausitzer Seenland Bildrechte: Mia Media

Sachsen als Segelsportland? Dafür macht sich schon seit Jahren der 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland stark – und engagiert sich für die Inklusion. So reisten Ende August rund 80 Segler aus ganz Europa an den Geierswalder See bei Hoyerswerda, ausgerichtet wurde dort die Internationale Deutsche Segel-Meisterschaft Para für Sportler und Sportlerinnen mit und ohne Behinderung.

bei der Segelregatta auf dem Greifswalder See in der Lausitz
Clemens Kraus im Gespräch Bildrechte: Mia Media

Den Verein gründeten einst 20 Enthuasiasten, 16 Jahre später hat er 250 Mitglieder und einen Namen über die Landesgrenzen hinaus. Mitgründer Clemens Kraus, der selbst seit 50 Jahren segelt, hatte die Idee, den Verein inklusiv zu machen. Begeistert sah er vor sechs Jahren bei der Offenen Internationalen Deutsche Meisterschaft (IDM) im bayrischen Prien am Chiemsee, was alles möglich ist. Auch familiäre Erfahrungen spielten eine Rolle, seine Frau sitzt im Rollstuhl. Kraus und seine Mitstreiter überzeugten auch ihre Partner im Freistaat und bekamen Rat und finanzielle Mittel für das Projekt unter dem Namen "Wir sind wir", das sie mit vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit umsetzten.

Ich segle seit 50 Jahren. Der Sport hat mir viel gegeben, Willensstärke, Zielorientierung (...), so dass ich irgendwann dachte: Ich will was zurückgeben.

Clemens Kraus, Vereinsgründer und Integrationsbeauftragter

"Segel- und Inklusionszentrum" am Geiersdorfer See

bei der Segelregatta auf dem Greifswalder See in der Lausitz
"Lowrider" Heiko Kröger Bildrechte: Mia Media

Eröffnet werden konnte so im März 2019 das neue "Segel- und Inklusionszentrum" am Geierswalder See, das komplett barrierefrei ist. Auch ein großer Fitnessbereich, Arzt- und Massageräume sowie vier Unterkunftsräume, die allesamt auch für Rollstuhlfahrer geeignet seien, gehörten dazu, berichtet Clemens Kraus als Integrationsbeauftragter. Unterstützt werden die Lausitzer auch von Segel-Weltmeister und Paralympiasieger Heiko Kröger. Der gebürtige Hamburger ist seit 2014 sogar Mitglied im 1. Wasserportverein Lausitzer Seenland und lobt, der Verein sei "auf dem besten Weg eines der führenden Leistungszentren für den Segelsport mit Handicap in Deutschland und darüber hinaus zu werden".

bei der Segelregatta auf dem Greifswalder See in der Lausitz
Pedale zum Steuern Bildrechte: Mia Media

An der Regatta nahm Kröger ebenfalls teil, im Ein-Mann-Boot, seiner Klasse. Darin hat er schon zehn Para-Weltmeistertitel gewonnen. Sein Boot steuert er mit den Füßen, da er ohne linken Unterarm geboren wurde. Einsetzen kann er ihn trotzdem, sagt er, als er runter ins tiefliegende Cockpit mit Pedalen und Trimmvorrichtungen steigt und lacht: "Unter den Seglern sind wir definitiv die Lowrider!"

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 08. September 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 11:03 Uhr

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