Mit anderen Augen Jennifer Sonntag über Isolation in Zeiten von Corona

Mittlerweile haben wir einige Wochen mit Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperre hinter uns. Inklusionsbotschafterin Jennifer Sonntag erzählt, warum es für sie gar keine so neue oder besondere Ausnahmesituation war.

Isolation ist im Grunde auch ein Gefühl des Nicht-Teilhabenkönnens.

Und da kann man von Menschen mit Behinderung im Grunde viel lernen. Denn die mussten sich schon immer fragen, was kann ich denn da machen, wenn ich nicht teilhaben kann, wenn ich so isoliert bin und Lebenslösungen finden muss.

Aufgrund meiner Seh-Behinderung musste ich für mein Leben oft alternative Lösungen zu finden. Der Geradeausweg klappte ganz oft nicht, also musste ich die krummen Pfade gehen. Ich bin so ein Plan-B-Mensch geworden.

Das Gefühl der Isolation stellte sich bei mir ein, als ich längere Zeit im Krankenhaus sein musste. Mehrere Monate. In so einer Situation kann ich mich natürlich in den Gedanken hineinsteigern: "Oh je, ich bin jetzt eingesperrt." Ich kann aber auch versuchen, mir die Welt nach drinnen zu holen. Ich habe damals ganz viel Musik gehört, auch Vorträge, mich weiter gebildet – und ich habe meinen Hula-Hoop-Reifen zum Leben erweckt. Den kann man überall nutzen. In jedem Raum. Die Yogamatte war auch immer da. Auf diese Art konnte ich in sehr sehr isolierten Situationen für mich ein Stückchen Freiheit finden.

Da muss jeder selber für sich spüren, was für ihn stimmig ist.

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Mehr aus "Selbstbestimmt - Das Magazin" | 10.05.2020

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 08. März 2020 | 08:00 Uhr