Mit anderen Augen Jennifer Sonntag: Wie leben mit chronischen Schmerzen?

Mit Schmerzen hat jeder seine individuellen Erfahrungen. Aber wie ist es, mit einem Dauerschmerz leben zu müssen? Jennifer Sonntag muss das seit gut drei Jahren. Wie sie damit umgeht, erzählt sie hier.

Die Moderatorin Jennifer Sonntag sitzt auf einem Stuhl und schaut in die Kamera. Sie trägt lange, schwarze Haare und rote Ohrringe. Dazu einen schwarzen Pullover.
Inklusionsbotschafterin Jennifer Sonntag Bildrechte: Mia Media

Mir ist es wichtig, über das Thema Schmerz zur reden, weil Schmerz eine unsichtbare Behinderung ist. Die kann unter Umständen viel belastender sein, als eine Behinderung, die Menschen von außen sehen.

Manchmal ist es im Leben so, dass sich Belastungen bündeln. Bei mir waren das psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz. Und so kam die Fibromyalgie in mein Leben. Das ist eine schwere Schmerzerkrankung, die betrifft die Muskulatur, die Sehnenansätze, das Bindegewebe am ganzen Körper. Es fühlt sich an, wie ein Migräneanfall am ganzen Körper. Migräne hat den Vorteil, dass sie irgendwann weggeht, die Fibromyalgie bleibt als Dauerschmerz.

Schwer ist für mich, dass ich durch diese Schmerzen nichts lange kann: Ich kann nicht lange gehen, ich kann nicht lange stehen. Wenn ich zum Beispiel in der Kaufhalle bin oder Freunde besuche, dann kann es mir schon so gehen, dass ich mich hinlegen muss, mich plötzlich auf den Boden setzen muss, weil ich einfach nicht mehr stehen kann. Und das sieht man mir ja nicht an.

"Ich brauche bestimmte Strategien"

Jennifer Sonntag über den Schmerz
"Sich Energiefenstern öffnen" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich habe gelernt, ich brauche bestimmte Strategien. Ich kann also nicht früh aufstehen und mich vollkommen dem Alltag überlassen, dann würde mich der Schmerz wirklich platt machen. Ich muss also hoffnungsvoll in den Tag gehen, indem ich mir eine Struktur schaffe, mir Aufgaben stelle und mich meinen kleinen Energiefenstern öffne.

Eine große Hilfe und Inspiration war die Auseinandersetzung mit Frida Kahlo. Das ist eine mexikanische Malerin, die nach einem Unfall mit einer Schmerzerkrankung und wirklich erheblichen Behinderungen lebte. Dank Frida Kahlo habe ich das Bett auch als kreativen und schöpferischen Ort für mich kennengelernt. Frida Kahlo hat ihre Staffelei am Bett gehabt, sie hat ganz viel gezeichnet. Ich bin ein Mensch, der im Bett schreibt, liest, ganz viel hört und sich weiterbildet.

Das Einzige, was wirklich funktioniert, ist, den Schmerz in das eigene Lebensgemälde zu integrieren und als Farbtupfer zu akzeptieren.
So lässt sich auch mit einem Dauerschmerz zufrieden und selbstbestimmt leben.

Jennifer Sonntag

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt - Das Magazin | 08. November 2020 | 08:00 Uhr