Selbstbestimmt leben mit Querschnittlähmung Tier und Mensch: Ein starkes Team

Seit einem Unfall vor 13 Jahren kann Susanne Müller kaum noch laufen. Trotzdem versorgt sie bewegungsfreudige Tiere: fünf Hunde, die sie aus dem Tierheim holte, aber auch fünf Pferde. Sie alle zu versorgen ist ein Kraftakt, räumt Susanne Müller ein, aber auch eine "Therapie".

Als Susanne Müller die Hündin Bella zum ersten Mal sieht, ist für sie klar: Die Hündin bekommt bei ihr ein Zuhause. Zuvor lebte Bella acht Jahre in einem Tierheim in Rumänien.

Ein Hund schaut in die Kamera
"Irgendwie hat sie mein Herz berührt." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Irgendwie hat sie mein Herz berührt", erzählt Susanne Müller: "Ich habe ganz gezielt einen alten Hund gesucht, weil ich weiß, dass die nicht so gerne genommen werden." Susanne Müller kümmert sich nicht nur um Bella, sondern um fünf weitere Hunde sowie um fünf Pferde. Dabei ist sie seit einem Weideunfall vor 13 Jahren inkomplett querschnittsgelähmt. Das heißt, sie kann gehen, aber nur sehr wenige Schritte.

Susanne Müller lächelt in die Kamera
Seit einem Weideunfall vor 13 Jahren ist Susanne Müller inkomplett querschnittsgelähmt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Behinderte habe ich einen anderen Blick auf die Welt, auf die Menschen, aber auch auf die Tiere. Man wird empfindsamer, man wird auch empfindlicher. Man sieht Alter, Einschränkungen oder Leid anders und versucht, das Leid zu lindern, auch weil man sich diese Aufmerksamkeit für sich selber wünscht.

Susanne Müller

Selbstbestimmt leben

Susanne Müller fährt mit einem Mofa. In ihrer Nähe sind drei Hunde und eine Frau
Unterstützt wird sie von einer Freundin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Susanne Müller hat ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, ihre Tiere alleine versorgen zu können. Ein spezielles Gefährt hilft ihr dabei. So kann sie den Hunden den Auslauf geben, den sie brauchen: "Die Hunde sind sehr gut trainiert, weil ich sehr lange Spaziergänge mit ihnen machen kann."

Unterstützt wird Susanne Müller von ihrer Freundin Madeline, etwa wenn die Hunde auch mal ohne Leine umherstreunen können, aber nicht davon rennen sollen.

Kümmern als Therapie

Susanne Müller mit einem Heuballen
Die Versorgung der Tiere managt sie selbst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Leben ohne die Tiere auf ihrem Hof kann sich Susanne Müller nicht vorstellen, auch wenn deren Versorgung sie viel Kraft kostet, das Füttern der Pferde und das Ausmisten der Ställe gehört beispielsweise auch dazu:

Eine junge Frau hilft einer anderen auf ein Pferd.
Hilfe beim Aufsitzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Manchmal denke ich: 'Du bist verrückt.' Oder ich fluche vor mich hin, weil das alles für mich ein großer Kraftakt ist. Aber ich könnte nicht anders. Es ist meine Therapie, auch körperlich.

Susanne Müller

Sicherheit finden und geben

Susanne Müller füttert ihre Pferde
Kraftakt und Kraftquelle zugleich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Susanne Müller geht an ihre Grenzen, um sie ein Stück weit herauszuschieben. So steigt sie trotz des Unfalls regelmäßig aufs Pferd – der einzige Akt, bei dem sie Hilfe braucht.

Beim Reiten selbst fühlt sie sich besonders sicher:

Susanne Müller sitzt auf einem Pferd
Sicher im Sattel Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn ich keine Sicherheit hätte in meinem Leben, könnte ich zum Beispiel Bella nicht diese Sicherheit geben: 'Hier ist alles gut. Du kannst hier zuhause sein und brauchst keine Angst zu haben.

Susanne Müller

Die eigene Sicherheit und Ruhe überträgt sich. Inzwischen, so erzählt Susanne Müller, sei Bellas Angst vor unbekannten Menschen sehr geschwunden. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Mensch und Tier.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 13. Juni 2021 | 08:00 Uhr