Die Fotografin Jenny Klestil "Glück kennt keine Behinderung"

Eher zufällig begann die Fotografin Jenny Klestil, Kinder mit dem Down-Syndrom und ihre Familien zu fotografieren. Daraus entstand ihr Projekt, das Mut machen und Ängste abbauen soll.

Die Fotografin Jenny Klestil 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Selbstbestimmt! So 03.06.2018 08:00Uhr 07:33 min

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Jenny Klestil arbeitet als freie Fotografin in Frankfurt am Main. Als Alleinerziehende managt sie einen turbulenten Familienalltag mit drei Kindern. Vor drei Jahren hat sie eher zufällig begonnen, Kinder mit Down-Syndrom und ihre Familien zu porträtieren. Inzwischen hat sie 1.000 Familien fotografiert und ein ganzes Projekt daraus gemacht: "Glück kennt keine Behinderung" hat sie es genannt. 

Wenn das Glück einen anfunkelt

Arbeiten der Fotografin Jenny Klestil
Arbeiten von Jenny Klestil. Bildrechte: MDR/Fotos: Jenny Klestil

Mit der Frage nach Behinderung, Glück und Normalität sah sich Jenny Klestil in allen drei Schwangerschaften konfrontiert. Immer dann, wenn im Ultraschall der Arzt "zum Glück nichts Auffälliges" diagnostizierte. Aber ihre Arbeit lehrte sie eine andere Auffassung von Glück. "Das stimmt dann so doch nicht", hat sie erfahren. Die Fotografin ist auf der Suche nach den Momenten, in denen uns das Glück aus Augen und Gesichtern anfunkelt. Davon, dass es diese Momente in großer Menge und Intensität gibt, berichten Eltern von Kindern mit Down-Syndrom immer wieder. Und auch sie hat diese Momente erlebt.

Jede Familie, die ich fotografieren durfte, und das sind ja mittlerweile über 1.000, haben nicht weniger Glück. Manchmal auch ganz im Gegenteil. Es lässt sich überhaupt gar nicht miteinander vergleichen.

Jenny Klestil
Der kleine Darwin mit seinen Eltern Peggy und Swen
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Und Jenny Klestil geht dem Glück fotografisch nach. Betrachtet man ihre Bilder, erscheint es, als hätten die Kinder mit Down-Syndrom eine besondere Begabung fürs Glück. Peggy und Swen, die Eltern von Darwin, sehen das genauso.

Der ist ein ganz lebenslustiges Kind, der wird morgens wach und lacht. Der ist also immer gut gelaunt.

Peggy, Darwins Mutter

Wenn du den ganzen Tag unterwegs bist, und es war vielleicht nicht so ein besonders guter Tag, und du kommst heim und hast so einen Strahlemann vor dir, da bist du eigentlich ein ganz anderer Mensch.

Swen, Darwins Vater

Ängste abbauen, Mut zum Leben machen

Fotografin Jenny Klestil
Jenny Klestil fotografiert Menschen mit Down-Syndrom und ihre Familien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ängste abbauen, Mut zum Leben machen, das ist das Anliegen von Jennys Projekt. Die Resonanz ist überwältigend. Es gibt inzwischen wöchentlich eine Ausstellung, ein Buch und einen Facebook-Account mit 40.000 Followern. Zu jeder Ausstellung gibt es auch ein Fotoshooting. Und wenn die Gesichter leuchten, drückt Jenny Klestil wieder auf den Auslöser und ist selbst glücklich. Über ihren Beruf und ihre Berufung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | selbstbestimmt! - Das Magazin | 03. Juni 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2018, 11:20 Uhr