30 Jahre Selbstbestimmt Martin Warmuth: Mehr Mobilität für Menschen mit Behinderung

Martin Warmuth weiß, wie man Fahrzeuge für Rollstuhlfahrer umrüstet. Und wie man Mensch und Arbeitsplatz zusammenbringt. Er hat jahrzehntelange Erfahrung im KFZ-Umbau und in der Politik. Seiner Meinung nach gibt es viel Unterstützung, einen Menschen mit Behinderung einzustellen, und dennoch klappt es viel zu selten.

Martin Warmuth
Martin Warmuth Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Martin Warmuth ist Unternehmer. Er kann nicht laufen - aber fahren. 1990 gründete der Thüringer gemeinsam mit seinem Bruder eine Werkstatt für den behindertengerechten Umbau von Kraftfahrzeugen. Dafür gab er seine Stelle als Betriebswirt auf.

Mir war klar, wenn, dann wollte ich auch Fahrzeugumrüstungen machen. Um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und auch um die Wertschätzung zu bekommen, die man als behinderter Mensch braucht, muss man natürlich mobil sein.

Martin Warmuth

Der Umbau von Autos aller Art ist bis heute das Kerngeschäft der Warmuths. Das Unternehmen wuchs von vier auf fast 30 Mitarbeiter. Der Senior ist heute 73 Jahre alt, die nächste Generation leitet mittlerweile das Geschäft.

Martin Warmuths Weg zum Unternehmer und Arbeitgeber

Ein motorisierter Krankenfahrstuhl war sein erstes Fahrzeug – damit fuhr Martin Warmuth zur Schule und Lehre. Mit 14 Jahren hatte er Kinderlähmung überlebt. Da es in der DDR schwer war, mit einem Rollstuhl öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, baute er sich einfach einen Krankenfahrstuhl um. So wurde Mobilität zu seinem Thema. Und nach dem Ende der DDR begann er auch, sich politisch zu engagieren.

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Unterwegs im Unternehmen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es nützt nichts, wenn wir die tollsten Autos für unsere Rollstuhlfahrer umbauen, wenn diese Rollstuhlfahrer aus dem Auto aussteigen und nicht auf den Bürgersteig kommen, weil hohe Bordsteinkanten den Weg für die Rollstuhlfahrer versperren. Deswegen war es natürlich wichtig, den wirtschaftlichen Einfluss, den wir in der Region haben, zu nutzen, um auch die Belange behinderter Menschen zumindest hier im Landkreis positiv zu beeinflussen.

Martin Warmuth

Sein Betrieb ist inklusiv. Martin Warmuth steht als Arbeitgeber zwar auf der anderen Seite, er weiß jedoch, wie schwer es ist, als behinderter Mensch einen Job zu finden. Trotz vieler Bemühungen sind Menschen mit Behinderung noch immer doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie nichtbehinderte.

Das A und O ist aus meiner Sicht, dass Nichtbehinderte vorurteilsfrei behinderten Menschen begegnen.

Martin Warmuth

Zumal die behinderten Menschen oft besser qualifiziert seien, als nichtbehinderte, sagt Seniorchef Martin Warmuth. Und setzt sich trotz Ruhestand weiter für Gleichstellung ein.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt - Das Magazin | 11. April 2021 | 08:00 Uhr