Selbstbestimmt | 22.08.2021 | In der Mediathek Josias Freiheit: Erwachsen werden mit dem Down Syndrom

Ein Internat für Menschen mit Behinderung kommt für ihn nicht in Frage. Zu groß ist sein Freiheitsdrang. Josia Marquart kennt seine Rechte, kämpft für Inklusion und findet schließlich erstmal seine Traum-WG. Erleichtert wird dieser Weg in die Selbstständigkeit durch das neue Bundesteilhabegesetz.

Josia Marquart
Josia Marquart Bildrechte: SWR

Josia Marquart wünscht sich nichts sehnlicher als eigenständig zu werden, sich vom Elternhaus zu lösen. Der 18-Jährige mit Down-Syndrom hat viele Träume: Moped-Führerschein, Umzug in die erste WG, Jugendgemeinderat. Josia zeigt uns die Welt aus seiner Sicht und führt uns vor Augen, was es bedeutet, nicht frei entscheiden zu können.

Josia war lange nicht bewusst, dass er im Gegensatz zu seinen Geschwistern eine Einschränkung hat. "Irgendwann im Matheunterricht in der Schule wurde mir klar: Ich habe Down-Syndrom." Erst kam er damit nicht klar, wollte sich das Leben nehmen. Schritt für Schritt lernte er damit umzugehen, doch einschränken lassen will er sich nicht.

Schritt in die Selbstständigkeit: Umzug in die WG

Für Josia ist der Schritt in die Selbstständigkeit mit einer eigenen WG alternativlos. Seine Traum-WG findet er in Neckarweihingen. Gegründet von drei jungen Männern, die Betreuung freier gestalten wollen. Damit reagieren sie auf das neue Bundesteilhabegesetz, das Menschen mit Behinderung mehr Selbstbestimmung einräumt.

System im Umbruch

"Das System befindet sich derzeit in komplettem Umbruch. Josia steht für seine Rechte ein und lässt sich in kein Schema pressen. Damit ist er ein Pionier, und muss sich diesen Weg hart erkämpfen", sagt Sozialarbeiter Fabian, der die WG gegründet hat. Josia kennt seine Rechte, denn er ist in der Politik aktiv. Vor allem die Arbeit im Jugendgemeinderat hat ihn selbstbewusst gemacht: "Hier merke ich: Ich bin auch ein Bürger der Stadt und ich kann etwas bewegen." Ein Internat für Menschen mit Behinderung kommt für ihn nicht in Frage. Zu groß ist sein Freiheitsdrang.

Der Film begleitet Josias Schritte ins Erwachsenenleben. Für seine Träume scheut er nicht, an Grenzen zu gehen. Und davon hat Josia genug. Voller Humor, empathisch und doch direkt stellt er sich seinen neuen Herausforderungen.

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