Selbstbestimmt - Die Reportage | MDR-Fernsehen | 29.03.2020 | 08:00 Uhr Raus aus dem Glaskasten: Wie Autisten sich die Welt erobern

Die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg meint, dass ihre Entschiedenheit und Stärke für den Umweltschutz einzutreten, mit ihrem Handicap zusammenhängt: Sie ist Autistin. Doch wie fühlt sich Autismus für die Betroffenen an und wie können sie besser in die Gesellschaft und die Arbeitswelt integriert werden?

Ein Junge sieht durch ein Fenster
Jason unterwegs zu einem Fußballspiel Bildrechte: BR

Rund 800.000 Menschen in Deutschland leben mit einer sogenannten "Autismus-Spektrum-Störung", einer Entwicklungsstörung, die nicht immer leicht zu erkennen ist. Wie wird Autismus überhaupt diagnostiziert? Wie fühlt sich Autismus für die Betroffenen an? Was sagt die Gehirnforschung dazu? Ist Autismus genetisch bedingt? Wie können Autisten besser in die Gesellschaft und die Arbeitswelt integriert werden? Diesen und anderen Fragen widmet sich dieser Film.

Wir treffen den 14-jährigen Autisten Jason. Wie Greta demonstriert er jeden Freitag für den Klimaschutz. Er schreibt gerade an einem Buch über den Urknall. In der Freizeit tourt er mit seinem Vater durch die Fußballstadien Europas.

Am Anfang wollte er mich nicht mitnehmen. Er hat dann argumentiert, dass es mich überfordern würde und wir dann gehen müssten. Aber letztendlich hab ich mich doch durchgesetzt.

Jason
Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Parkbank
Kilian mit seiner Mutter Bildrechte: BR

Der 30-jährige Kilian hat sich als Fotograf mit der Kamera die Welt erobert. Im sozialen Miteinander hat Kilian allerdings Nachholebedarf. Seine Mutter muss ihm beibringen, wie andere Menschen fühlen. Zum Beispiel durch das Anschauen von Filmen. Was andere Menschen intuitiv erfassen, muss er sich hart erarbeiten.

Wir sind viele Jahre immer zu zweit nach Irland gefahren. Jedes Jahr für drei Wochen. Wir haben dort gewohnte Orte besucht, gewohnte Leute getroffen, so dass es keine Herausforderung für mich war.

Kilian

Und natürlich hatte Kilian auf seinen Reisen immer seine Kamera dabei.

Autismus-Strategie entwickeln

Kilian hat sich so aus dem "Glaskasten" befreit, von dem der 67-jährige Autist Werner K. spricht. Er kämpft darum, dass Bayern Vorreiter für die Inklusion von Autisten wird und arbeitet an der Autismus-Strategie der Staatsregierung mit. Das Ziel: Betroffenen besser helfen sowie mehr Verständnis und Bewusstsein für Autismus wecken.

Ein gedeckter Frühstückstisch
Bei Werner K. muss jedes Ding am rechten Platz sein Bildrechte: BR

Inklusion heißt Dazugehören, ohne Wenn und Aber. Autisten gehören aber nicht dazu, werden ausgegrenzt, teilweise nicht beschult. Wenige haben einen Arbeitsplatz.

Werner K.

Werner K. hat einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten. Doch scheinbar banale Dinge bereiten ihm Probleme. Er weiß um den inneren Zwiespalt, in dem Autisten erleben.

Im Glashaus zu sein. In diesem Zwiespalt, einerseits in sich sein zu wollen, aber dennoch den Dialog nach außen zu suchen.

Werner K.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt - Die Reportage | 29. März 2020 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 11:48 Uhr