Selbstbestimmt - Die Reportage | 29.11.2020 Wie normal ist behindert?

In ihrem Film berichtet Donya Farahani über ihre Erfahrungen aus einer inklusiven Wohngemeinschaft in Ostwestfalen. Dort begleitet sie ihre Mitbewohner im Alltag und zur Arbeit. Schnell drehen sich die Gespräche in der WG-Küche um Freundschaft, Liebe und Sex. Und Farahani erlebt: Behindert zu sein ist ziemlich normal.

Menschen sitzen an einem Tisch beim Frühstück
In der Gemeinschaftsküche wird gemeinsam gekocht. Bildrechte: MDR/WDR/Linda Meiers

Ein Job, gelegentliche Restaurantbesuche mit Freunden, Singen und Stricken als Hobby und ein WG-Zimmer – Katharinas Alltag sieht aus wie der, der meisten jungen Menschen. Gemeinsam mit sechs Mitbewohnern lebt sie in einer Wohngemeinschaft in Ostwestfalen. Alle Bewohner haben eine geistige Behinderung – beziehungsweise eine Lernschwäche – und besitzen einen Schwerbehindertenausweis.

Selbstbestimmt-Reportage: Wie normal ist behindert?
Katharina arbeitet tagsüber in einem Öko-Hof der Diakonie... Bildrechte: MDR/WDR

Wie ihre Mitbewohner ist Katharina stolz darauf, nicht mehr bei ihren Eltern zu wohnen. In der WG geht es darum, selbstständig zu leben. Dazu gehört für sie auch der Job im Hofladen des Freithofs Frille. Dort packt sie Obstkisten. Anders als in ihrer vorherigen Lehre als Bäckerin macht ihr die Arbeit im Hofladen Spaß. In der Lehre war ihr der Leistungsdruck zu hoch. Nach einem Zusammenbruch während der Ausbildung wurde sie ein halbes Jahr in einer Psychiatrie behandelt.

Meine Eltern sind auf dem ersten Arbeitmarkt. Ich wollte es ihnen gleich tun und mich beweisen. Aber das hat mich am Ende meine Kraft gekostet.

Katharina | WG-Bewohnerin

Miteinander leben und arbeiten

Ihre Mitbewohner gehen ganz unterschiedlichen Jobs nach. Während Lukas sich um die Kühe und Hühner auf dem Hof kümmert, arbeitet Johannes in einer Papier-Verarbeitung. Im Zentrum des Zusammenlebens steht, sich gegenseitig zu unterstützen. "Man hilft sich hier gegenseitig, das ist der Vorteil. Man hat nicht gegeneinander, sondern miteinander zu arbeiten", sagt Johannes. Er teilt sich eine Wohnung mit seinem Mitbewohner Lukas. Die beiden sind zwar keine Brüder – doch im Zusammenleben fühlt es sich für sie so an.

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... und nach Feierabend erklärt sie der Journalistin Donya das Stricken. Bildrechte: MDR/WDR

Ebenso wie die anderen WG-Bewohner hat Katharina die Erfahrung gemacht, zu Schulzeiten kaum Freunde gehabt zu haben. Inzwischen hat sie einen Freund, den sie bei einem Workshop der Diakonie kennengelernt hat. "Normalerweise ist es ja immer so, dass die Männer die Frau anfragen. Aber in unserem Fall habe ich das einfach gemacht", erzählt sie.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 29. November 2020 | 08:00 Uhr