Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

SELBSTBESTIMMT - Die Reportage | 19.05.2019 Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl

Ihren Traum vom Fliegen erfüllt sich Susanne Böhme mit Fallschirm- und Wingsuitspringen. Bis sie bei einem Sprung verunglückt. Seitdem ist sie querschnittgelähmt. Mit einem Leben im Rollstuhl will sie sich nicht abfinden. Irgendwann will sie wieder laufen - und fliegen.

Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
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"Nichts ist unmöglich", sagt sich Susanne, nachdem sie sich nach dem Unfall im Rollstuhl wiederfindet und Reha-Maßnahmen sie nur auf ein Leben mit dem Rollstuhl vorbereiten sollen. Das aber will Susanne nicht akzeptieren. Sie ist überzeugt, einzelne Muskeln in ihren Beinen wieder aktivieren zu können - mit einem harten, intensiven Training. Was zunächst aussichtslos erscheint, gelingt Susanne. Nach einiger Zeit kann sie kurze Wegstrecken auf Krücken zurücklegen. Und ihr Wunsch, wieder zu fliegen, scheint möglich.

Springen mit dem Wingsuit

Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Sprung mit einem Wingsuit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schon als 16-Jährige ist Susanne fasziniert vom Fliegen. Sie fängt mit dem Fallschirmspringen an, verdient sich das Geld dafür in einer Fallschirm-Werkstatt. Nach 2.000 Sprüngen kauft sie sich schließlich einen Wingsuit. Dieser spezielle Flügelanzug ermöglicht es den Springern, auch horizontal zu gleiten, also wie ein Vogel zu fliegen, und durch die Luftströmung die Dauer des freien Falls zu verlängern.

Mit ihrem Wingsuit springt Susanne nicht nur aus Flugzeugen, sondern auch von Brücken und Bergen. Susanne gehört weltweit zu den ersten Tausend Base-Springern.

BASE-Jumping Als BASE-Springer darf sich bezeichnen, wer von allen vier folgenden festen Objekten gesprungen ist:
B: Building - Gebäude,
A: Antenna - Sendemast,
S: Span - Brücke
E: Earth - Erdboden, Felsformationen

Geprägt wurde der Begriff 1981 von einem vierköpfigen amerikanischen Team. Zwei Mitgliedern des Teams gelang es im selben Jahr, bei vier gemeinsamen Ansprüngen alle vier Objekte zu verwenden.

Im Herbst 2012 kommt es im Lauterbrunner Talkessel in der Schweiz zum Unglück. Susanne rutscht beim Absprung ab und knallt gegen einen Felsvorsprung. Sie kann noch den Rettungsschirm lösen, ein Hubschrauber bringt sie in eine Klinik. Dort wird sie sofort operiert. Ihre Ahnung wird zur Gewissheit: Sie ist querschnittgelähmt.

Es klingt schon sehr endgültig. An allen Ecken meines Lebens habe ich mich gefragt, wie es denn weitergehen soll. Ich konnte mich ja nicht einmal im Bett umdrehen. Ich war ein Vollzeitpflegefall.

Susanne Böhme

Neue Pläne, neue Träume

Überzeugt, dass nur sie selbst sich heilen kann, beginnt Susanne zu trainieren. Sie sucht nach Methoden und Hilfsmitteln, die ihr helfen können. Zuversicht gibt ihr in dieser Zeit Sandro, ihr Mann. Mit ihm war sie vor dem Unfall immer wieder zum Springen unterwegs.

Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Sandro, Susannes Mann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das war eine schwere Zeit, auch emotional. Aber es war immer noch genügend Hoffnung da, dass ich nicht völlig verzweifelt gewesen bin.

Sandro Böhme

Immer wieder setzt sich Susanne Ziele, die sie fordern. Ein Jahr nach dem Unfall beginnt sie, wieder in ihrer eigenen Fallschirm-Werkstatt zu arbeiten. Und auch der Wunsch nach einem eigenen Kind erfüllt sich schließlich.

Dann ist es soweit, Susanne will es wissen. Zusammen mit Freunden will sie in einer Windtunnel-Anlage herausfinden, ob sie trotz Querschnittslähmung an Formationssprüngen teilnehmen kann. Ihr neues Ziel: Kunstsprünge im Viererteam. Es sei die Disziplin, in der sie am schnellsten die Chance habe, "auf ein Niveau zukommen, wo es auch Spaß macht", verrät sie.

Mit Mut und Zuversicht ins neue Leben

Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Susanne hat sich nach ihrem Unfall mit einem Leben im Rollstuhl nicht abgefunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Susanne hat sich nach ihrem Unfall mit einem Leben im Rollstuhl nicht abgefunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Früher sprangen Susanne und ihr Mann gemeinsam in ihren Wingsuits. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dann kam der Unfall an dieser Felswand im Lauterbrunner Tal in der Schweiz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Susanne lässt keine Trainingsmethode unversucht, um das Machbare aus ihrem Körper herauszuholen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Heute arbeitet Susanne an ein bis zwei Tagen pro Woche in ihrer Fallschirmwerkstatt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Der Traum vom Fliegen lässt Susanne nicht los. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Ohne Bedenken stürzt sich Susanne in einen Windtunnel, um wieder ein Gefühl fürs Springen zu bekommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Susannes Traum - Fallschirm statt Rollstuhl
Unterstützung in allen Belangen erfährt Susanne von Sandro, ihrem Mann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2019, 10:23 Uhr