Johannes Groschupf trainiert für den Marathon.
Bildrechte: © mdr/rbb/Petra Cyrus

SELBSTBESTIMMT - Die Reportage | 21.07.2019 Wie Phönix aus der Asche - Das zweite Leben des Johannes Groschupf

Der Berliner Reisejournalist Johannes Groschupf stürzt 1994 mit einem Hubschrauber über der algerischen Wüste ab. Als einziger Passagier wird er gerettet - schwer verbrannt und scheinbar ohne große Überlebenschance. Wie er sich ins Leben zurückgekämpft hat, erzählt er "SELBSTBESTIMMT".

Johannes Groschupf trainiert für den Marathon.
Bildrechte: © mdr/rbb/Petra Cyrus

Ein Jahr lang war Johannes Groschupf im Krankenhaus, lange Zeit wussten die Ärzte nicht, ob er die Folgen des Hubschrauber-Absturzes überleben würde. Doch der damals 31-Jährige kämpfte sich nach dutzenden Operationen ins Leben zurück. Allerdings war darin nichts mehr wie vorher. Seine Beziehung ging in die Brüche, Johannes Groschupf verlor Arbeit und Wohnung. Nur wenige Freunde blieben. Er zog sich zurück, auch weil er kein Mitleid wollte.

Sich ins Leben zurückkämpfen

Ein abgestürzter Hubschrauber liegt einem Geröllfeld. Szene aus: "Wie Phönix aus der Asche" - selbstbestimmt!-Reportage
Abgestürzt im brennenden Hubschrauber Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das alles ist jetzt mehr als 20 Jahre her. Groschupf hat sich wieder aufgerafft und sein zweites Leben völlig neu begonnen. Seine Erlebnisse verarbeitete er in einem Debüt-Roman "Zu weit draußen". Er erzählt darin von seiner Nahtod-Erfahrung beim Absturz des Hubschraubers 1994 über der algerischen Sahara. Als einzigem Passagier gelang es ihm damals, den Flammen zu entkommen.

Das (der Absturz mit dem brennenden Hubschrauber - A.d.R.) ist eine Erfahrung, die so tief geht, dass es dann auch eigentlich egal ist, wie man danach aussieht.

Johannes Groschupf

Er schildert, wie er sich als Brandopfer fühlte, was die vielen Operationen bedeuteten und gegen welche Vorurteile und Hindernisse er in einer auf Äußerlichkeiten orientierten Welt ankämpfen musste.

Johannes Groschupf teilt auch mit, was ihn bewogen hat, wieder in seinen schmerzenden Körper zurückzukehren: "Ich wollte zurück zu meinen Kindern, und dieses Ziel habe ich nicht aus den Augen verloren." Heute lebt und arbeitet er als Schriftsteller. Mittlerweile veröffentlichte er mehrere Jugendromane, die inspiriert sind von seinem Sohn Finn, der nun Anfang 20 ist. Heute mit Mitte 50 sagt Johannes Groschupf trotz oder gerade wegen seiner Erfahrungen: 

Ich glaube, dass es wert ist, am Leben zu sein. Dass es ein besonderes Geschenk ist.

Johannes Groschupf

Ein Mann rennt auf einem Waldweg. Szene aus: "Wie Phönix aus der Asche" - selbstbestimmt!-Reportage
Johannes Groschupf trainiert für den Marathon. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2019, 10:33 Uhr