Solidarität gefragt Wir sind die Risikogruppe!

Schutzmaßnahmen sind während der Pandemie vor allem für Risikogruppen wichtig - und das sind längst nicht nur ältere Menschen. Stefanie Wittig zum Beispiel muss sich besonders vorsehen, denn ihr Sohn Ewen ist schwerstbehindert und daher akut gefährdet.

Der siebenjährige Ewen aus Oelsnitz hatte einen schweren Start ins Leben: Bei der Geburt hatte sich die Nabelschnur um seinen Hals gelegt, nur ein Notkaiserschnitt konnte ihn retten.

Doch Ewen ist ein kleiner Kämpfer, sagt seine Mutter Stefanie Wittig. Seine geistigen und motorischen Fähigkeiten fördert sie mit Therapien – auch im Ausland. Ewen ist fast blind, Bewegungen fallen ihm durch eine verdrehte Wirbelsäule schwer. Trotzdem soll er die Welt kennenlernen und tun, was Kindern Spaß macht.

Im Moment sorgt sich Stefanie aber vor allem um Ewens chronische Bronchitis. Beim kleinsten Infekt hat sie Angst um sein Leben.

Letztes Jahr lag er auf der Intensivstation, er hatte nur eine Erkältung. Er musste beatmet werden. Zu wissen, dass das wieder passieren könnte und ob er es dann mit den vielen Vorerkrankungen schaffen würde?

Stefanie Wittig

Auf Solidarität angewiesen

Eltern mit Kinderwagen
Familie Wittig beim Spaziergang Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ewen gehört zur Risikogruppe. Die Corona-Pandemie hat das Leben der Familie tiefgreifend verändert. Stefanie pflegt ihren Sohn zum größten Teil allein. Schon der Lockdown im Frühjahr brachte sie psychisch an ihre Grenzen.

Deshalb sind Ewen und seine Familie gerade jetzt auf die Solidarität ihrer Mitmenschen angewiesen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben sie sich an einem Songprojekt der Leipzigerin Nadine Maria Schmidt beteiligt. 

Mein innerer Antrieb war definitiv meine Familie, weil es da viele Menschen gibt, die zur Risikogruppe gehören. Und dann habe ich mich mit diesem Thema ein bisschen tiefer beschäftigt - es hieß ja am Anfang , es wären irgendwie nur ältere Leute betroffen. Und ich kenne es halt aus meiner Familie, dass es eben nicht nur ältere Leute sind und dass es auch Krankheiten sein können, die man gar nicht so sieht.

Maria Schmidt
Junge Frau mit kleiner Gitarre
Die Sängerin Nadine Maria Schmidt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als damals auch noch Stimmen laut wurden, nur die Risikogruppe zu isolieren, setzte die Liedermacherin ihre Idee in die Tat um. Sie sprach zahlreiche Betroffene an, sie sollten einen Film von sich oder ihren Liebsten drehen. Aus vielen Einzelclips wurde ein Musikvideo der Risikogruppe: Nach dem Motto: Gemeinsam Gesicht zeigen.

Ihr Song wurde inzwischen fast 5.000 Mal auf YouTube geklickt. Gehört zu werden und die eigene Geschichte zu erzählen, das tat vielen gut, sagt die Sängerin. Auch Ewens Geschichte kommt im Song vor.

Seine Mutter Stefanie beschäftigt die ständigen Diskussionen um die streng geregelte Maskenpflicht.

Vielleicht würden sie anders denken, wenn sie jemanden hätten, auf den sie besonders aufpassen müssen.

Stefanie Wittig

Die Wittigs sehen sich extrem vor, isolieren sich, soweit es geht. Doch die Familie ist auf die Rücksicht aller angewiesen. Nur so hat Ewen eine Chance auf eine Zukunft.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt - Das Magazin | 13. Dezember 2020 | 08:00 Uhr