Dennis
Bildrechte: BR/Steffen Düvel

SELBSTBESTIMMT - Die Reportage | 31.03.2019 Dennis und wie er die Welt sieht - Ein Leben mit Autismus

Gefühle zeigen und verstehen ist nicht immer einfach. Sich in unserer Welt "richtig" zu verhalten auch nicht. Denn was ist heutzutage schon normal? Und was nicht? Aus der Perspektive eines Autisten ist all das noch schwerer zu erkennen. Linda Hofmeier erzählt Dennis' Geschichte.

Dennis
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"Viele denken, ich sei ein ganz normaler Mensch. Erst wenn man länger mit mir spricht, merkt man, dass ich Sachen wiederhole oder über Sachen lache, über die kein anderer lacht, zum Beispiel über die Feuerwehr, Gewitter oder Geräusche. Das ist die Sache, die ich habe", sagt Dennis.

Der 24-Jährige hat eine so genannte Autismus-Spektrum-Störung, die neurologisch bedingt ist. Bemerkbar macht sie sich im sozialen Umgang, so fällt anderen etwa der Hang zum Wiederholen auf.

Den Alltag meistern

Ein junger Mann und eine ältere Frau sitzen auf einem Sofa. Sie hat eine kleine Schachtel auf ihrem Schoss. Gemeinsam schauen Sie sich Fotos an.
Nach dem Tod seiner Mutter wird die Oma zur Vertrauensperson. Bildrechte: Selbstbestimmt/BR/Steffen Düvel

Zusammen mit Alex und Christoph teilt sich Dennis ein Stockwerk in einer Autisten-WG im bayrischen Schrobenhausen. Insgesamt leben dort 13 junge Leute. Dennis zog dort ein, nachdem seine Mutter gestorben war. Er ist der Sonnenschein der WG und auf den ersten Blick sehr offen. Doch im sozialen Umgang ist Dennis eingeschränkt, und so kommt es manchmal zu Missverständnissen. Die WG und das Zusammenleben mit seinen Begleitern der Regens-Wagner-Stiftung tue ihm gut, sagt er. Als er in die WG kam, war es für die Mitarbeiter der Stiftung, die ihn betreuen, nicht immer leicht zu verstehen, was ihn beschäftigt.

Oftmals war auch Interpretation nötig, weil er es selber nicht ausdrücken konnte, was ihn beschäftigt, was ihn bewegt zu handeln. Und das konnte er im Laufe der Jahre immer besser lernen.

Helmut Hirner, Fachdienst Autismus

Dennis ist heute stolz auf das, was er gelernt hat: Einkaufen, Kochen, Waschen beispielsweise.

Es gibt viele Dinge, die ich jetzt selbstständig machen kann, was ich vorher nicht konnte.

Dennis

Vertrauen lernen

Drei junge Männer sitzen an einem Lagerfeuer. Ihre Gesichter werden durch das Licht des Feuers rötlichgelb angestrahlt.
Neue Freundschaften schließen Bildrechte: Selbstbestimmt/BR/Steffen Düvel

Freundschaften und Vertrauen entwickelten sich bei Dennis nur langsam.

Einer, der auf ihn zählt, ist Robert Helmich, der Hausmeister des Gymnasiums Schrobenhausen. Er schätzt Dennis' Zuverlässigkeit, seine Wissbegier und seinen Willen.

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 10:42 Uhr