Winzer Jan Hock
Jan Hock leitet den Weinbau der Lebenshilfe Bad Dürkheim. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

selbstbestimmt! - Die Reportage | 16.09.2018 Winzer unter Hochdruck

Das Weingut der Lebenshilfe ist ein besonderes. Jan Hock arbeitet dort als Chef mit 33 geistig behinderten Menschen zusammen. Sie sind mit viel Herz dabei, doch die Arbeit ist nicht einfach und das Wetter nicht immer hilfreich.

Winzer Jan Hock
Jan Hock leitet den Weinbau der Lebenshilfe Bad Dürkheim. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jan Hock ist Winzer: Er leitet den Weinbau der Lebenshilfe Bad Dürkheim und arbeitet mit 33 geistig behinderten Menschen zusammen. Kein Job wie jeder andere. Der 30-jährige gibt seinen Leuten ein Stück Normalität zurück, indem sie im Weinbau Arbeit finden. Sie sind mit viel Herz dabei, sagt er, aber auch brutal ehrlich.

Doch immer wieder gibt es Überraschungen, Situationen, mit denen er fertig werden muss. So wie 2016, als Frühjahr und Sommer verregnet waren und außerdem ein Pilz die Reben befallen hatte. Jan Hock rechnete mit einer schlechten Lese und starken finanziellen Einbußen. Das sorgte für Druck. Die Selbsthilfevereinigung Lebenshilfe hängt schließlich auch ab von den Einnahmen des Weinbaus. Damit unterstützt sie weitere, weniger lukrative Bereiche des Vereins und erhält Arbeitsplätze für Menschen mit geistiger Behinderung. Dabei hätte Jan Hock gerade zu diesem Zeitpunkt ein bisschen mehr Ruhe gebrauchen können. Seine Frau erwartete das erste gemeinsame Kind. So kam für den jungen Winzer in diesem Herbst alles zusammen.

Schauen wir mal dieses Jahr, wie das alles so hinkommt. Dass wir auch im nächsten Jahr oder in den nächsten zwei so weiter machen, und vor allem auch investieren und mehr Plätze zur Verfügung stellen können.

Erntehelfer und Winzer stehen beisammen.
Gleich kann es los gehen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viele von Jans Helfern sind schon lang dabei. Früh um halb acht geht es los. Pünktlich um halb vier müssen Jans Helfer wieder am Weingut sein. Dort werden sie abgeholt und nach Hause gefahren, in Wohnheime, Elternhäuser oder WG's. Zu spät kommen dürfen sie nicht, denn sonst fährt der Bus los, der Fahrer müsse seine Touren schaffen, heißt es. So genau auf die Uhr gucken kann Jan Hock nicht. Er sei eben mit Leib und Seele Winzer, sagt er.

Wenn Wetter oder Pilzbefall die Reben fast vernichten, wird auch die Ernte eine besondere Anstrengung. Der maschinelle Vollernter kann nicht eingesetzt werden. Echte Handarbeit ist gefragt. Stefan Spettel hat den Adlerblick für die gesunde Trauben, er ist schon seit der Gründung 1986 im Weinbau dabei.

Der Stefan ist so ein Spezialleser, der geht halt immer vor und schneidet immer nur die gesunden raus, die richtig schönen. Weil alles andere ist so ein Gefuddel, darauf hat er keine Lust.

Zwei Personen im Weinkeller.
Aus den Trauben soll auch Wein werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sein Kollege Schorsch ist der Mann fürs Gefuddel, sorgfältig sortiert er die schlechten Trauben aus. Für Jan Hock ist die Arbeit immer ein Balanceakt: Einerseits hat er Stress, andererseits eben besondere Mitarbeiter. Da ist auch Empathie gefragt und Fingerspitzengefühl.

Offenbar hat er genug davon mitgebracht, als er vor einigen Jahren die Leitung des Weingutes übernahm. Seine Mitarbeiterin Yvonne formuliert es so:

Wir sind eine Familie und so wird das auch aufgefasst. Jan ist zwar auf der einen Seite der Chef, aber gleichzeitig ist er Freund, für jeden Scheiß zu haben.

Gesammelte Weintrauben in Eimern.
Handarbeit ist diesmal gefragt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Weingut der Lebenshilfe ist eben ein besonderes. Gefeiert wird auch, wenn die Lese mal nicht so ertragreich ausfällt.

Immer zur Lese-Halbzeit gibt es ganz traditionell Zwiebelkuchen - und neuen Wein.

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 10:20 Uhr