Pferdesport | "Partner Pferd" Bewegungspädagogik beim Reiten - Hilfsmittel bei Sitzproblematiken

Im Reitsport gibt es beim Sitz sowie den Zügel- und treibenden Hilfen unzählige Fehler, die man machen kann. Die perfekte Einwirkung auf das Pferd bleibt für viele ein Traum. Im Aktionsring der "Partner Pferd" liefert ein Bewegungspädagoge interessante Ansätze, die helfen könnten.

Bewegungspädagogik
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Pferdewirt und Rehatrainer Tobias Rundnagel steht im Aktionsring der "Partner Pferd". 15 Minuten bleiben ihm, um seine Ideen unter dem Titel "Gefühlvolles Reiten mit neurokognitivem anatomischen Ansatz" vorzutragen. Er geht auf Sitzproblematiken ein und erklärt, was man auch ohne Trainer machen kann. Wie er selbst sagt, hat er ein geschultes Auge: "Viele Sitzproblematiken sehe ich beim Reiter im Gang, schon bevor sie aufsitzen."

Rundnagel: Beckenbodenmuskulatur von Bedeutung

Dabei geht es für die Reitenden immer um einen Vorher-Nachher-Vergleich - erst möglichst auf einem Stuhl oder Hocker, dann im Sattel. So fragt er eine Frau, die neben ihm auf einem Hocker sitzt, wie sie sich fühlt, wenn sie den Beckenboden anspannt. Ihre Aussage deckt sich mit dem Tipp von Rundnagel: "Man sitzt zentrierter und kann die Bewegung gezielter ausführen." Der Beckenboden müsse aktiv sein, da das Pferd über die Körperspannung des Reiters auch gleich viel aufmerksamer und fleißiger werden könne.

Mit Bällen zu mehr Lockerheit

Eine weitere hilfreiche Maßnahme könne es sein, einen Ball (laut Rundnagel übrigens aus recycelbarem Plastik) unter einen Sitzbeinhocker zu legen. Der Bewegungspädagoge beschreibt: "Eine Beckenhälfte wird mobilisiert. Wenn man den Ball wegnimmt, kann man das Becken besser absenken und hat das Gefühl, das Bein wäre länger." Statt verkrampft das Knie oder die Hacken hochzuziehen werde der Kontakt zu Sattel und Pferd verbessert und eine Lockerheit ermöglicht.

Bewegungspädagoge Tobias Rundnagel mit Reiterin Jana auf Rudi
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Das Ziel: Verhärteten Faszien entgegenwirken

Rundnagel, der seit seinem sechsten Lebensjahr reitet und mit Cashmoon einen eigenen Oldenburgerwallach hat, sagt: "Viele haben das Bewegungsgefühl gar nicht." Verhärtungen selbst wahrzunehmen, sei aber der erste wichtige Schritt, etwas zu ändern, so der 27-Jährige, der sogenannte NaTuRe-Workshops anbietet. Eine Zusammenarbeit gab es auch schon mit Rennrodlerin Julia Taubitz. NaTuRe-Bewegungspädagogen arbeiten unter anderem mit Landessportbünden, Behindertensportverbänden und dem Bildungswerk zusammen. Einen Austausch gibt es auch mit dem Biologen und Faszien-Experten Dr. Robert Schleip.

Und ein Hilfsmittel hat Rundnagel noch: ein fast 2,5 Meter langes Elastiband, das einen Druck von etwa zehn Kilogramm entwickeln kann. Es stärkt und lockert die Muskulatur an unterschiedlichen Stellen, je nachdem wo man es spannt. Jana auf dem Fjordpferd Rudi nutzt es im Aktionsring für ihre Oberschenkel. Sie legt es mittig über das Kreuzbein, zieht es über die Oberschenkel und schlüpft mit den Schuhen in die Enden. Womöglich kann sie damit Verspannungen lösen und ihre unruhigen Schenkel besser kontrollieren. Das Band, mit dem man am ganzen Körper arbeiten könne, sei für Laien besser als Faszienrollen, mit denen man viel kaputtmachen könne, so Rundnagel. Auch für Yoga, Pilates und Gerätetraining sei es einsetzbar. Im Reitsport kann es helfen, auch wenn es den geschulten Blick eines Trainers nicht gänzlich ersetzen kann.

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Elastiband im Selbsttest Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Firma NaTuRe mit dem dazugehörigen Konzept ist ein Unternehmen von Ing.Dipl.-Ing.(FH) Matthias Gößler. Christiane Greiner-Maneke der Sportszeugs GbR aus Stapelburg in Sachsen-Anhalt sowie weitere Bewegungspädagogen arbeiten nach dem NaTuRe-Prinzip. Das NaTuRe-Bewegungskonzept steht für "Neurokognitives anatomisches Training und Regeneration erleben".

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