Wintersport | Biathlon Durchwachsene Leistungen in Oberhof - Defizite im deutschen Nachwuchs

Bei den deutschen Biathleten läuft es beim Heim-Weltcup in Oberhof nicht rund. Podestplätze bisher Fehlanzeige. Ist der Kader in die Jahre gekommen? Simon Schempp sieht ein Nachwuchsproblem beim DSV.

Die deutschen Biathleten laufen beim Heim-Weltcup in Oberhof ihren Ansprüchen weit hinterher. Die Hälfte der Wettkämpfe sind absolviert und nicht ein einziger Podestplatz steht bisher zu Buche. Das gab es in der thüringischen Wintersportmetropole seit 2015 nicht mehr. Bei den Solisten schaffte nur Arnd Peiffer in der Verfolgung als Zehnter ein Top-Ten-Ergebnis, zu wenig für die hohen Ansprüche der DSV-Athleten. Da tröstet auch der vierte Platz in der Single-Mixed-Staffel mit Janina Hettich und Erik Lesser nicht hinweg. Ab Mittwoch (13. Januar) haben Peiffer & Co. beim zweiten Teil am Rennweg die Chance auf Wiedergutmachung.

Arnd Peiffer
Arnd Peiffer holte bisher den einzigen Top-Ten-Platz. (Archiv) Bildrechte: imago images/Gerhard König

Schempp: "Defizite des Nachwuchses zu sehr übertüncht"

Fehler-Analyse ist angesagt. Ist die Konkurrenz zu stark oder sind die Deutschen zu schwach? Oder ist es gar eine Frage des Alters? Der ehemalige Weltmeister Simon Schempp legt den Finger in die Wunde. Er sieht ein Nachwuchsproblem im deutschen Biathlon. "Wenn man die letzten Jahre im Weltcup anschaut, ist kein einziger Junger mit 20 oder 21 dazugekommen. Das war früher definitiv anders", sagte der 32-Jährige. Die deutschen Spitzenathleten wie Arnd Peiffer, Benedikt Doll, Erik Lesser oder eben Schempp sind alle jenseits der 30, die jüngsten im Weltcupteam sind Philipp Horn und Lucas Fratzscher mit jeweils 26 Jahren. Schempp vermutet, dass die vier, fünf Arrivierten, die über Jahre "konstante Leistungen gezeigt haben", die "Defizite" des Nachwuchses zu sehr übertüncht haben. Anders sieht es da bei anderen Nationen aus, denn drei Saisonsieger sind erst 23 Jahre alt: Die Norweger Sturla Holm Lägreid und Johannes Dale sowie der Schwede Sebastian Samuelsson. Bei den deutschen Frauen ist die Lage nicht groß anders.

Simon Schempp (Biathlon-Weltcup Oberhof)
Simon Schempp sieht im DSV ein Biathlon-Nachwuchsproblem. (Archiv) Bildrechte: imago images / Christian Heilwagen

Talente "richtig gut, sauber und systematisch entwickeln"

Bestätigung dafür gab es auch von DSV-Funktionär und Biathlon-Sportdirektor Bernd Eisenbichler, der Nachholbedarf bei der Nachwuchsförderung einräumte. "Es ist definitiv so, dass wir etwas lange brauchen, um die Junioren dann bei den Senioren in die Weltspitze zu entwickeln. Das machen andere Nationen schneller", sagte er. Das Problem "kenne" man beim Deutschen Skiverband,  deshalb seien bereits vor gut einem Jahr Veränderungen angeschoben worden. Mit Zibi Szlufcik wurde ein neuer Nachwuchschef geholt, in Engelbert Sklorz ist der Schießtrainer des A-Teams auch bei jedem Nachwuchslehrgang dabei. Dazu wurde der Perspektivkader verjüngt, im zweitklassigen IBU Cup sollen künftig vermehrt 20- bis 24-Jährige eingesetzt werden, um sie frühzeitig an die "internationale Konkurrenzfähigkeit" heranzuführen. Die Auswahl sei dabei "mit Sicherheit" nicht so groß wie in Norwegen. "Deshalb müssen wir die Athleten, die wir haben, richtig gut, sauber und systematisch entwickeln, um nicht Talente auf dem Weg zu verlieren", so Eisenbichler.

jmd/sid

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 11. Januar 2021 | 19:30 Uhr

1 Kommentar

lobo56 vor 2 Wochen

Weltcup und Oberhof haben sich für mich erledigt, 17 Coronafälle und die Party geht weiter,
Für den Steuerzahler, die arbeitenden Menschen im Land geht der Loockdown weiter !
Schämt euch !!