Biathlon Biathlon-Olympiasieger Peiffer warnt: Geister-Weltcups "für Veranstalter der Bankrott"

Im November soll die Biathlon-Saison wieder starten. Wie die Rennen genau aussehen werden, ist noch ungewiss – auch in Oberhof und Ruhpolding drohen sogenannte Geister-Weltcups. Eine Situation, die bei Olympiasieger Arnd Peiffer große Sorgen hervorruft.  

Zuschauer beim Weltcup in Oberhof
Zuschauer-Massen beim Weltcup in Oberhof Bildrechte: imago/Karina Hessland

Biathlon ohne Zuschauer? Kein schönes Szenario, aber eben doch eines, auf das sich tausende Wintersport-Fans weltweit gefasst machen müssen. Denn ob ab Januar 2021 täglich zehntausende Zuschauer ihren Biathlon-Helden in Oberhof und Ruhpolding zujubeln können, ist aktuell ungewisser denn je.

Arnd Peiffer kann sich das drohende Szenario nur schwer vorstellen. "Zu Oberhof und Ruhpolding gehören die Fans und die Atmosphäre dazu, das macht auch den Reiz der beiden Orte aus", sagte der Olympiasieger der "Deutschen Presse-Agentur".

"Bin mir sicher, dass es Weltcups geben wird"

Er selbst würde Geisterrennen akzeptieren, bereitet sich seit Montag (1. Juni) mit seiner Trainingsgruppe im thüringischen Oberhof auf den Saisonstart im November vor. Die Vorbereitungen laufen mit Ausnahme einiger Einschränkungen soweit problemlos ab. Auch deshalb blickt Peiffer den ersten geplanten Rennen im finnischen Kontiolahti (28./29. November) optimistisch entgegen.

"Ich bereite mich so vor, als würde ein ganz normaler Winter bevorstehen", so der fünffache Weltmeister: Vielleicht werde nicht in allen Ländern gelaufen, die derzeit geplant sind, "vielleicht mit weniger oder ganz ohne Zuschauer, aber ich bin mir sicher, dass es Weltcups geben wird."

Arnd Peiffer, Biathlet
Arnd Peiffer Bildrechte: imago images/Kosecki

Bisher noch keine Einschränkungen vorgesehen

Dabei macht Peiffer auch der Restart im Fußball Hoffnung für den Wintersport. Man sei schließlich "keine Kontaktsportart, den Mindestabstand hat man ja schon fast durch die Skilänge. Wenn Fußball möglich ist, eine Sportart mit viel Kontakt, dann ist es ja im Biathlon erst recht möglich."

Aktuell hält der Weltverband IBU an seinem Renn-Kalender mit Stationen in elf Ländern fest. Ob die Planungen haltbar sind, wird sich jedoch erst in den nächsten Monaten zeigen. Dann wird sich auch herausstellen, ob Zuschauer zu den Veranstaltungen zugelassen sind. Aktuell läuft der Ticketverkauf normal, Einschränkungen sind (noch) nicht vorgesehen.

Weltcup-Organisatoren vor enormer Herausforderung

Fakt ist aber, dass fehlende Zuschauereinnahmen die Weltcup-Organisatoren vor massive finanzielle Probleme stellen würden. "In Ruhpolding und Oberhof ist das für den Veranstalter der Bankrott, denn sie partizipieren nicht an den TV-Geldern. Die Veranstalter brauchen die Ticketverkäufe, sonst können sie das gar nicht stemmen", betonte Peiffer.

Er selbst würde die finanziellen Auswirkungen der Krise noch nicht spüren, "könnte erst in einem halben oder einem Jahr eine Aussage treffen". Man befinde sich aktuell in der Warte-Stellung, so der 33-Jährige: "Es werden gerade einfach keine Entscheidungen getroffen, ob jetzt irgendwer etwas im Sport sponsert." Dass die Krise aber auch den liebsten Wintersport der Deutschen nachhaltig verändern wird, dessen ist sich Peiffer sicher: "Ich gehe fest davon aus, dass der Sport insgesamt das stark spüren wird."

  js/dpa/sid

1 Kommentar

Frank von Broeckel vor 33 Wochen

Ist Biathlon eigentlich systemrevalant?

Ich denke eher nicht!