Wintersport Biathlon-Weltcup - Alles neu in Oberhof

Biathlon in Oberhof: Das sind Zehntausende Fans, Nebel und Kunstschnee. Diesmal ist alles anders: Keine Party, dafür bestes Wetter und ein glückseliger Lokalmatador.

Erik Lesser wohnt einen Steinwurf vom Biathlon-Stadion in Oberhof entfernt. Der 32-jährige Skijäger genießt sein Heimspiel in diesem Jahr besonders. Zwischen Training und Wettkämpfen wird er zu Hause die Akkus aufladen und seine familiäre Blase genießen. Das habe gleich zwei Vorteile. "Ich muss keine Sachen packen und im Corona-Fall muss ich nicht irgendwo in eine zehntägige Quarantäne", sagte Lesser im Pressegespräch vor dem ersten Wettkampf.

Oberhof wird abgeriegelt - Polizei kontrolliert

Am Freitag (11.30 Uhr) geht es für die Athleten mit dem Sprint der Frauen los. Es ist der Auftakt in ein zweiwöchiges Biathlon-Spektakel in Oberhof. In zehn Tagen werden zwölf Entscheidungen fallen. Der Biathlon-Weltverband hat die Weltcuporte mit Blick auf mögliche Ansteckungen bei den Reisen gebündelt - so bleiben die Athleten länger an einem Ort. Eigentlich ein Segen für Oberhof, doch diesmal wird alles anders sein. Wo normalerweise zehntausende Fans jubeln, wird gespenstische Stille herrschen. Die Stadt wird "abgeriegelt": Die Biathlon-Party im Thüringer Wintersport-Mekka Oberhof fällt im Jahr 2021 aus.

Gute Erinnerungen an letzte Saison

Die Athleten selbst, die schon zuvor in Kontiolahti und Hochfilzen vor leeren Rängen liefen, blenden das ganze Drumherum aus. "Man gewöhnt sich dann doch relativ schnell daran, dass weniger los ist", sagte Olympiasieger Arnd Peiffer zur leeren Arena. Im Vorjahr - mit ganz viel Fan-Unterstützung - schnitten die Deutschen mit Podestplätzen durch Peiffer, Denise Herrmann, dem diesmal nicht berücksichtigten Johannes Kühn und der Männer-Staffel sehr gut ab.

Arnd Peiffer, Thomas Fratzscher und Philipp Horn
Arnd Peiffer, Thomas Fratzscher und Philipp Horn bereiten sich im verschneiten Oberhof vor. Zuletzt lag 2016 "echter" beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Bildrechte: imago images/Gerhard König

Schempp mischt wieder mit

Vor allem Peiffer (33) ist nach seinem Massenstartsieg zum Jahresende in Hochfilzen hochmotiviert, weiß aber, "dass ich mir alles neu erkämpfen muss. Alles ist wieder auf Null gesetzt." Sportlich sind die Augen vor allem auf Ex-Weltmeister Simon Schemppgerichtet. Der 32-Jährige gibt seinen Saisoneinstand, nachdem er in den internen Ausscheidungsrennen gegen Erik Lesser den Kürzeren gezogen hatte und erstmals seit 2011 nicht im Weltcupteam war.

Birxsteig noch mal verschärft

Jener Lesser erlebt jetzt gerade seinen zweiten Frühling. Gehört zur Weltspitze - und ist in den ersten Weltcuprennen vor allem läuferisch glänzend unterwegs gewesen. Körner wird auch in den beiden Wochen in Oberhof brauchen. Der legendäre Birxsteig ist noch eine Spur schärfer. "Es war vorher lang und steil und wurde danach flacher. Jetzt ist er länger und nochmal steiler, hat an Würze gewonnen", weiß Lesser aus unzähligen Trainingseinheiten.

Erik Lesser
Bildrechte: imago images/Sven Simon

Zeitplan und Aufgebot

Zeitplan
  • 08.01.2021, 11:30 Uhr
Sprint, Frauen  
08.01.2021, 14:15 Uhr Sprint, Männer  
09.01.2021, 12:45 Uhr Verfolgung, Frauen  
09.01.2021, 14:45 Uhr Verfolgung, Männer  
10.01.2021, 11:30 Uhr Mixed-Staffel, 4 x 6 km  
10.01.2021, 14:40 Uhr Single-Mixed-Staffel  
     
13.01.2021, 14:30 Uhr Sprint, Herren  
14.01.2021, 14:30 Uhr Sprint, Frauen  
15.01.2021, 14:30 Uhr Staffel, Herren 4 x 7,5 km  
16.01.2021, 14:45 Uhr Staffel, Frauen 4 x 6 km  
17.01.2021, 12:30 Uhr Massenstart, Männer  
17.01.2021, 15:00 Uhr Massenstart, Frauen  

Aufgebot

Damen

  • Maren Hammerschmidt (SK Winterberg)
  • Denise Herrmann (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal)
  • Janina Hettich (SC Schönwald)
  • Vanessa Hinz (SC Schliersee)
  • Franziska Preuß (SC Haag)
  • Anna Weidel (WSV Kiefersfelden)


Herren

  • Benedikt Doll (SZ Breitnau)
  • Lucas Fratzscher (WSV Reit im Winkl)
  • Philipp Horn (SV Eintracht Frankenhain)
  • Erik Lesser (SV Eintracht Frankenhain)
  • Arnd Peiffer (WSV Clausthal-Zellerfeld)
  • Simon Schempp (SZ Uhingen)

sst/dpa/pm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 08. Januar 2021 | 19:30 Uhr

5 Kommentare

MDR-Team vor 2 Wochen

Hallo,
Im Vorfeld melden die Rundfunkanstalten ihren erwarteten Finanzbedarf an die "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten" (KEF). Diese setzt sich aus 16 Mitgliedern zusammen, die von den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer berufen werden. Diese prüfen den angemeldeten Finanzbedarf und empfehlen ggf. Höhe und Zeitpunkt für eine Änderung des Rundfunkbeitrags. Danach bestimmt die Ministerpräsidentenkonferenz die Höhe des Beitrags. Einer Änderung müssen anschließend alle 16 Landesparlamente zustimmen.
Die aktuelle Forderung der Gebührenerhöhung bezieht sich demnach nach dem zu erwartenden Bedarf der Kosten für alle Medienproduktionen. Die Ermittlung der Gebühren erfolgt demnach zukünftig und nicht nachträglich.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Schenkendorf vor 2 Wochen

Na ja, ich schrieb, daß der Zirkus heute via Medien stattfindet. Über was wollen denn die Qualitätsmedien aktuell berichten? Das Weihnachts- und Silvesterprogramm kommt zu großen Teilen nur noch aus der Dose und ist so interessant, wie die Aktuelle Kamera vor 1989. Solche "Events" wie Oberhof, sind der Rettungsanker für die Quotenjäger. Sie sollen die Rechtvertigung für die 400 Millionen Euro Gebührenerhöhung liefern.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 2 Wochen

Sie unterschätzen die Tatsache, dass beim antiken Prinzip „Brot und Spiele“
in Krisenzeiten wenigstens noch das „gemeine Volk“ als Zuschauer in der
Arena zugelassen war und teils sogar dafür bezahlt worden ist !

Außerdem: Bei massivem Gebrauch von Schusswaffen (aus Suhl ?)
sollte man weitgehend das Volk schützen — vor Querschlägern oder
anderen „Olympionieten“, die meinen, beim Schiessen auf freier
Strecke irgendwie mithalten zu müssen...