Biathlon | Weltcup Auch ohne Hexenkessel – Oberhof will Spitzensport präsentieren

Keine Fans am Grenzadler – für Biathlonverrückte eigentlich unvorstellbar. Doch inmitten der Corona-Pandemie wird dies in dieser Saison die Realität sein. In Oberhof will man trotz der unbefriedigenden Situation die besten Voraussetzungen für Spitzensport schaffen. Eine Absage stand aber nicht wirklich zur Debatte. Der finanzielle Schaden ist noch nicht abzusehen, wie Organisationskomitee (OK)-Chef Thomas Grellmann im "SpiO"-Talk am Donnerstag erklärte.

Arnd Peiffer
Massen auf den Tribünen. Der Normalzustand in Oberhof - nur nicht in diesem Winter. Bildrechte: imago images / Camera 4

Birxsteig, Frankfurter Kreuz und dann über die (große oder kleine) Sägespäne-Runde zurück zum Zielbereich. Dabei angetrieben von Massen an den Strecken, die jeden Athleten nach vorne peitschen. Und selbst wenn das Ziel auf der langen Schlussgeraden wegen des typischen Oberhofer Nebels mal nicht zu sehen war, hören konnte man es allemal. Dafür sorgten die zigtausenden Zuschauer in der vollgepackten Rennsteig-Arena am Grenzadler. Diese Szenen, wie sie Oberhof in den letzten anderthalb Jahrzehnten verlässlich produziert hat, wird es in diesem Jahr nicht geben. Der Grund: Der Weltcup am Rennsteig wird komplett ohne Zuschauer stattfinden.

Grellmann: Verantwortungsvolle und vernunftgeleitete Entscheidung

"Für jeden Biathlon-Fan muss das eine furchtbare Mitteilung gewesen sein. Aber wir haben gemeinsam eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen müssen. Das ist sicherlich zu Lasten aller Fans, die auf diese Events gewartet haben", erklärte Thomas Grellmann im Talk von "Sport im Osten", der trotzdem auf Verständnis der Schlachtenbummler setzt: "Es ist eine vernunftgeleitete Entscheidung, die die breite Masse der Fans sicherlich nachvollziehen kann. Die Corona-Pandemie fordert solche Entscheidungen. Dann lieber Biathlon-Sport am Fernseher als gar nicht."

17.000 Tickets waren für den Doppel-Weltcup schon abgesetzt. An neun Tagen sollen Anfang Januar zwölf Rennen abgehalten werden. Die Internationale Biathlonunion (IBU) hatte im Vorfeld der Saison den Wettkampfkalender angepasst, um das Reiseaufkommen zu minimieren und somit die Gesundheit der Teilnehmer zu sichern. Somit finden die Rennen, die eigentlich in Ruhpolding über die Bühne gehen sollten, ebenfalls in Oberhof statt.

Ältere Helfer äußerten Bedenken

Eine Veranstaltung wie in Oberhof kann natürlich nur dank vieler Helfer realisiert werden. Und aus deren Riege wurden auch Bedenken angemeldet, meist von den Älteren, wie Grellmann ausführt: "Es gab aus den unterschiedlichsten Arbeitsgruppen und Einsatzfeldern den Hinweis, dass gerade die älteren Sportfreunde signalisiert haben, dass sie beim Aufkommen von großen Menschenmassen Vorsicht walten lassen wollen und nicht helfen können. Das war nicht ursächlicher Grund, hat aber zur Entscheidung beigetragen."

Land und Landkreis signalisieren Unterstützung

Die Entscheidung zu einer Durchführung ohne Zuschauer bereits zwei Monate vor dem ersten Wettkampf am Grenzadler hänge auch mit dem Finanziellen zusammen, erklärte Grellmann: "Der Zeitpunkt der Entscheidung ermöglicht, so weiter zu planen, dass man auch Kosten einsparen kann, die sonst möglicherweise umsonst entstanden wären." Bereits Mitte Oktober gab es Meldungen, dass den Veranstaltern ein Millionen-Loch drohe.

Unterstützung beim Auffangen eines möglichen Verlustes wurde bereits signalisiert. Sowohl der Freistaat Thüringen als auch der Landkreis würden dann aktiv werden. "Der Vorsitzende des Zweckverbandes und Staatssekretär im Finanzministerium, Dr. Hartmut Schubert, hat in einer Pressemitteilung von einer möglichen Bürgschaft gesprochen. Natürlich stehen das Land Thüringen und der Landkreis Schmalkalden-Meiningen voll hinter dieser Entscheidung und werden diese aus der ihr möglichen Kraft unterstützen", sagte Grellmann.

Fans, die eine Karte erworben haben, könnten die Veranstalter unterstützen – etwa durch einen Karten-Transfer in den folgenden Weltcup-Winter. Zudem soll eine Möglichkeit geschaffen werden, das Geld für bereits erworbene Tickets zu spenden: "Das Geld kommt dann den Nachwuchsabteilungen der verschiedenen Vereine zu Gute. Das wäre es sinnvoll angelegt", so Grellmann.

Rückgabe nie gewollt – Absage schwebt weiter über dem Weltcup

Eine mögliche Rückgabe des Weltcups stand für das OK dabei nicht zur Debatte – gerade mit Blick auf die Welt-Titelkämpfe im Jahr 2023. "Was hätte das für ein Bild in die Welt gesendet, wenn wir uns um eine Weltmeisterschaft bewerben, dann aber nicht zeigen, wie wir uns vorbereiten? Wir waren der Meinung mit dem Doppelweltcup zu zeigen, dass Oberhof Biathlon auf höchstem Niveau kann. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln", so der Organisations-Chef.

Je nachdem, wie sich die Infektionslage in den kommenden Wochen entwickelt, schwebt auch die Gefahr einer kompletten Absage über der Veranstaltung. Diese Entscheidung müsste aber die Politk treffen. "Wir drücken die Daumen, dass es nicht eintritt", hofft Grellmann.

Hoffen auf hohes sportliches Niveau

Alles, was man in Oberhof nun machen könne, ist, die Bedingungen für hochklassige sportliche Wettkämpfe zu schaffen. Dafür laufen auch die Umbauarbeiten, die mit Blick auf die Weltmeisterschaften 2023 bereits im Gange sind, weiter auf Hochtouren. "Im Moment wäre eine Veranstaltung hier nicht möglich. Die Gewerke sind mit Hochdruck dabei, den Stadion- und Streckenbereich so vorzubereiten, dass wir Ende November ordentliche Loipen präparieren können", erklärt Grellmann.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 12. November 2020 | 17:45 Uhr

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