Sportpolitik | Anti-Doping CDU und CSU fordern Rückzug von Frank Ullrich aus NADA-Aufsichtsrat

Nach der jüngsten Kritik an der Berufung des früheren Weltklasse-Biathleten und Bundestrainers Frank Ullrich in den Aufsichtsrat der Nationalen Anti-Doping Agentur fordern die Unionsparteien den Rückzug des heutigen Thüringer SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Kontrollgremium. Ullrich will sich nach seiner Corona-Genesung äußern.

CDU und CSU wollen den Vorsitzenden des Bundestags-Sportausschusses aus dem Aufsichtsrat der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) abberufen. Der Thüringer SPD-Abgeordnete Frank Ullrich habe sich bis heute nicht mit seiner Rolle als Athlet und Olympiasieger im Biathlon sowie als Trainer der DDR-Auswahl in Bezug zu Doping auseinandergesetzt, heißt es in dem Antrag der Unionsfraktionen, über den an diesem Mittwoch im Sportausschuss beraten werden soll.

"Wer im Aufsichtsrat einer Organisation sitzt, deren Hauptzweck der Kampf gegen Doping ist, muss über jeden Zweifel erhaben sein, was die eigene Vergangenheit im Zusammenhang mit Doping betrifft. Dies ist bei Frank Ullrich nicht der Fall", erklären CDU und CSU. Im Antrag werden Doping-Vorwürfe ehemaliger Athleten gegen Ullrich aufgezählt.

CDU/CSU: "Solange die Vorwürfe nicht restlos ausgeräumt sind..."

"Solange die Vorwürfe nicht restlos ausgeräumt sind, beschädigt ein Aufsichtsratsmitglied Frank Ullrich die NADA und den Kampf für einen dopingfreien Sport generell", heißt es. Die Union fordert deswegen eine Niederlegung des Aufsichtsratsmandats bis zur geplanten ersten Sitzung des Kontrollgremiums am 26. April 2022. Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Montagsausgabe (4. April 2022) über den Antrag berichtet.

Unter anderen hatte Birgit Neumann-Becker, Sachsen-Anhalts Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Ullrichs NADA-Berufung in der vergangenen Woche scharf kritisiert. Auf Nachfrage des MDR teilte Ullrichs Bundestagsbüro Ende vergangener Woche mit, dass der 64-Jährige aktuell an Corona erkrankt sei und sich nach seiner Genesung äußern werde.

DSV-Kommission entlastete Ullrich 2009

Ullrich ist nach seiner vorherigen Wahl in den Bundestag seit Mitte Dezember der Vorsitzende des Sportausschusses, dem aufgrund der Statuten automatisch ein Platz im Nada-Aufsichtsrat zusteht. Eine Kommission des Deutschen Skiverbands war 2009 zu dem Schluss gekommen, dass Ullrich in DDR-Zeiten "weder die Einnahme von Dopingmitteln angewiesen noch selbst welche an Athleten verabreicht und auch nicht die Einnahme überwacht beziehungsweise kontrolliert" habe. Der DSV sah deshalb auch keinen Anlass für arbeits- oder dienstrechtliche Schritte sowie sportpolitische Konsequenzen gegen den damaligen Biathlon-Bundestrainer.

Vor über 15 Jahren – im Dezember 2006 – hatte Ullrich in einem Interview mit dem "Hamburger Abendeblatt" auf die Frage geantwortet, ob er ausschließe, dass es zu seiner Zeit in der Doping gegeben habe: "Wenn, dann wurde es zentral gesteuert, ohne dass der Sportler etwas wußte. Wir konnten ja nicht mal eben in die Apotheke gehen. Wenn ein Trunk angerührt wurde und es hieß, das seien Mineralien, habe ich es geglaubt. Und ich glaube es noch heute." 

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dpa/red

Vorschaubild Birgit Neumann-Becker 1 min
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Di 29.03.2022 16:53Uhr 00:59 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-birgit-neumann-becker-frank-ullrich-nada-100.html

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Dieses Thema im Programm: Sport im MDR AKTUELL Nachrichtenradio | 04. April 2022 | 16:40 Uhr

36 Kommentare

hansfriederleistner vor 24 Wochen

Ich kenne eine Reihe ehemalige Spitzensportler aus meiner aktiven Zeit. Und meine Enkeltochter war sogar 2012 Teilnehmerin der olympischen Spiele in London in der Mannschaft Rhythmische Sportgymnastik. Da können sie sich ihre dummen Sprüche sparen. Noch dazu feige mit Pseudonym wie ich immer wieder feststelle.

Mheo vor 24 Wochen

Traurig oder Bemerkenswert?
Wie soll man das Verhalten oder Vielmehr Nicht Verhalten der ehemaligen Mannschaftskameraden von Frank Ullrich aus der Zeit bewerten? KEINER steht öffentlich einen alten Freund bei und bekräftigt dessen Aussage. Dabei könnten doch gerade die seine Unschuld bestätigen.... Traurig oder Bemerkenswert?

knarf2 vor 24 Wochen

hansfriederleistner:Sie messen mit zweierlei Maß!Es hat keiner behauptet die EU und die Amerikaner hätten in der Ukraine die Kreueltaten begangenen.Das waren nach jetzigem Stand russische Soldaten! Was Amerikas Taten vom Militär betrifft müssen Sie sich schon die letzten Jahrzehnte selbst anschauen!